SZ: Welche Eigenschaften braucht eine gute Führungskraft?
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Käßmann: Offenheit, Glaubwürdigkeit, Kommunikationsfähigkeit, und sie muss den Menschen zugewandt sein. Ich muss dem Mitarbeiter in die Augen sehen können, wenn ich ihm schlechte Nachrichten überbringe. Und ich muss zugeben können, wenn ich gescheitert bin.
SZ: Diese Eigenschaft ist nicht sehr verbreitet.
Käßmann: Stimmt. Aber das christliche Menschenbild ist sehr realistisch. Es weiß seit Adam und Eva, dass der Mensch verführbar ist, seit Kain und Abel, dass er gewalttätig sein kann und seit Babel, dass er zum Größenwahn neigt.
SZ: Die Firma will dagegen den perfekten Mitarbeiter. Er soll motiviert, flexibel, stets leistungsbereit sein . . .
Käßmann: Dieser Leistungsdruck ist brutal. Viele sind in einem solchen Hamsterrad drin, dass sie gar nicht mehr über den Sinn des Ganzen nachdenken und darüber, dass das eigene Leben relativ kurz ist. Wir bieten seit einiger Zeit Klosteraufenthalte für Manager an.
SZ: Nach dem Power-Frühstück auch noch die Power-Sinnsuche?
Käßmann: Das ist keine Wellness-Spiritualität. Das dient nicht dazu, die Leistung zu verbessern, sondern dazu, sich zu überlegen, was die Ziele im Leben sind. Was soll einmal auf meiner Grabplatte stehen?
SZ: Geht es da nicht letztlich auch wieder nur um das Ich?
Käßmann: Wir haben zum Beispiel ein Programm, das heißt Altera, da gehen Manager für eine Woche in eine diakonische Einrichtung, deren Mitarbeiter gehen dafür ins Unternehmen. Wenn Führungskräfte mal in einem Hospiz gearbeitet haben, erleben sie, dass die Menschen dort auch eine Würde haben.
SZ: Könnte die Finanzkrise auch etwas Gutes haben?
Käßmann: Bei manchen hat sie eine neue Achtung für die Politik gebracht. Es muss wieder so sein, dass die Politik die Wirtschaft dominiert, nicht umgekehrt.
SZ: Woher nehmen Sie dieses Vertrauen in die Politik?
Käßmann: Die Politik ist stärker verankert in der Wirklichkeit der Menschen, weil immerhin alle paar Jahre Wahlen sind.
SZ: Und die Manager müssen sich in noch kürzeren Zeiträumen vor ihren Aktionären verantworten.
Käßmann: Ja, aber wenn es den Aktionären allein um die Rendite geht und nicht zum Beispiel darum, wie das Unternehmen mit seinen Mitarbeitern umgeht oder was es herstellt, ist für die Gesellschaft als Ganzes nichts gewonnen.
SZ: Und der Politiker weiß, wie man Arbeitsplätze schafft?
Käßmann: Nicht unbedingt, aber er oder sie erlebt öfter Menschen, die keinen Arbeitsplatz mehr haben. Die Manager, die ganz weit oben sind, haben doch gar keine Vorstellung davon, wie es da draußen wirklich aussieht.
SZ: Was muss sich ändern?
Käßmann: Dieses Bewusstsein, dass ich mich engagieren muss, das muss wachsen. In Amerika zum Beispiel steht schon in den Schulzeugnissen der Kinder, wofür die sich engagieren, und darauf wird auch bei Bewerbungen Wert gelegt. Wenn jeder Mensch so lebt, dass er Verantwortung übernimmt für das Gewebe, das uns zusammenhält - für den eigenen Ort, für mein Land, für Europa, für die Welt - dann kann sich viel ändern.
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(SZ vom 24.11.2008/mel)
Putin und Hollande streiten um Intervention in Syrien
war die Beziehung der Arbeitnehmer zur ihren Unternehmen ausgeglichen. Es herrschte das Motto: Wenn es der Firma gut geht, geht es mir auch gut.
dann kam die Agenda 2010 und der turbo-Kapitalismus.
und jetzt stehen wir vor den Scherben.
Tickt was?
Es packt einen das kalte Grauen, immer wieder zu erleben, wenn Theologen sich gegenüber den für gesellschaftliche Fragen Zuständigen auch noch öffentlich äußern. Mithin erinnert es an die bekannten Situationen, versuchen Patienten ihren Arzt, den sie zufällig etwa morgens beim Bäcker treffen, dort nachträglich erneut zu examinieren.
ach .. Frau Käßmann, es gibt Unternehmen, die "verkaufen" ganze Unternehmensteile und damit sie die loswerden legen die noch etliche Millionen drauf... und schauen sie sich bitte mal an was in den Unternehmen geschieht.
Gehen sie doch mal bitte z. B. zum Herr Obermann und ändern sie da mal was, dort werden Leute richtig erniedrigt, wie Vieh von Ort zu Ort getrieben und "alles im Sinne der Kapitalgeber", Kosteneinsparen, bei Milliardengewinn.
Sie reden nur. und was für ...
Wäre schön, wenn die Kirchen es schaffen die Position einer moralischen Instanz zu besetzen und vorzuleben. Wirtschaft, Politik, Medien haben in dieser Hinsicht, bis auf Ausnahmen, versagt, bzw. das Fehlen von Moral offen zur Tugend erhoben. Diese Lücke muss gefüllt werden, warum nicht von den Kirchen?
Sagt (und das als Nicht-Kirchenmitglied)
Kai Hamann
Ich habe mit großem Interesse das Interview gelesen und finde mich in meiner Meinung bestärkt, dass die beiden christlichen Kirchen in den vergangenen Jahren doch recht zurückhaltend geäußert haben. Immerhin waren jene Bevölkerungskreise, die sich kritisch mit politischen und unternehmerischen Endscheidungen auseinander gesetzt haben, pausenlos allein. Ja es gab sogar den Anschein, dass sich die Kirchen mit den neo liberalen Strömungen angefreundet haben. Bekannt ist auch, dass Kardinal Lehmann angemahnt hatte, " dass wir Soziales neu denken müssen". Auch ist bekannt, dass Frau Bischöfin Käßmann auf Einladung der Robert Bosch-Stiftung an einem Seminar teil nahm. Nun kann es natürlich sein, dass sie dort den Standpunkt der Kirche vertreten hat. Das wäre zu wünschen. Andererseits erstellte die Bertelsmann-Stiftung Expertisen über die Zukunft der Organisation der EKD. Klare Worte über den Raubtier-Kapitalismus habe ich von beiden Kirchen nicht gehört. Auch als die Lebensmittelpreise explodierten und als man sich stark dafür machte, Getreide zu Treibstoff zu verarbeiten, verhielten sich die Kirchen jedenfalls nach meinem Geschmack eher schweigsam! Jetzt, nachdem sich herausstellt, dass die Kritiker recht behalten haben, bezog erst die Kath. ( Bischof Marx) und dann die evangelische Kirche deutlicher Stellung. Ich würde dringend anmahnen, dass beide Kirchen auf gemeinsame nun wirklich kritische Distanz zu den Machenschaften gehen, die auch aus dem neo liberalen Lager mit immer neuen, aber im Kern alten, Ideologien aufwarten.
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