BGH-Urteil zu Eon Es lebe das Stadtwerk!

Der Bundesgerichtshof hat dem Energiekonzern Eon den Kauf eines winzigen Versorgers untersagt - ein richtiges Signal.

Ein Kommentar von Michael Bauchmüller, Berlin

Vor zehn Jahren wäre dergleichen undenkbar gewesen. Erstens hätten die Stadtwerke Eschwege keinen interessiert, zweitens hätte niemand Eon den Kauf verboten. Damals, der Strommarkt war gerade liberalisiert, begannen die großen Stromkonzerne ihre Einkaufstour.

Die Städte brauchten Geld, die Konzerne hatten welches. Kein Politiker, keine Kartellbehörde trat dazwischen. Es war - neben der Erlaubnis der Eon/Ruhrgas-Fusion und einer skandalösen Selbstregulierung - die dritte große Sünde am deutschen Energiemarkt. Erst in jüngerer Zeit schauen Kartellhüter genauer hin, etwa im Fall Eschwege - und nun auch mit höchstrichterlichem Segen.

Zwei Welten

Lange galten die gut 700 deutschen Stadtwerke als die Mauerblümchen der Energiewirtschaft. Reihenweise kauften sich die Konzerne Eon, RWE, Vattenfall und EnBW dort ein. Im Wesentlichen interessierten sie sich für den Kundenstamm der Stadtwerke. Diese unterhielten Leitungen zu den Verbrauchern und besaßen deren Vertrauen. Abgesehen davon geschah nicht viel bei den Stadtwerken. Doch die Zeiten ändern sich.

Auch der Kampf von Eon um die Stadtwerke Eschwege ist nur mehr ein Relikt, denn die deutsche Energieversorgung spaltet sich zunehmend in zwei Welten. Die Stromkonzerne verlegen sich auf die Erzeugung von Strom in Großkraftwerken. Den Strom verkaufen sie immer weniger über Stadtwerke; stattdessen bauen sie sich ihre eigenen Vertriebsgesellschaften auf, die mal als "Yello", mal als "E wie einfach" oder "eprimo" um Kunden ringen.

Teure Konzerne

Auch deshalb will Eon derzeit seine Stadtwerke-Holding Thüga loswerden. Vielen Stadtwerken dagegen ist der Strom aus den Konzern-Kraftwerken inzwischen zu teuer. Sie errichten selber Kraftwerke, meist in der Nähe ihrer Abnehmer. Ihr Konzept ist besser als das der großen Konkurrenz.

Die Nähe zum Kunden wird nun zum unschätzbaren Vorteil. Einmal, weil sich kleinere, dezentrale Kraftwerke effizienter betreiben lassen als große. Und zum anderen, weil die Deutschen zunehmend zu Energieproduzenten werden - etwa mit Hilfe von Sonnenenergie oder Mini-Heizkraftwerken im Keller.

Solche Technik lässt sich aber kaum von Konzernzentralen in Düsseldorf oder Essen aus verbreiten; dies wird ein regionales Geschäft. Als Anteilseigner an jedem zweiten Stadtwerk allerdings hatten die großen vier bisher nur begrenztes Interesse, diesen Wandel zu forcieren. Auch deshalb ist das Urteil so wichtig.

Der Wandel allerdings hat erst begonnen, auch bei den Stadtwerken selbst. Vieles könnten sie zusammen besser schaffen als allein. Trotzdem ist in vielen der 700 Geschäftsführungen die Angst vor Machtverlust größer als der Mut, gemeinsam Chancen zu ergreifen. Ohne Kooperation und Fusionen wird das jedoch nicht gehen. Dann aber bitte untereinander - und nicht mit Eon, RWE & Co.