Betriebliche Leistungen Magere Zeiten für Rentner

Die Versorgungswerke senken die Zinsen immer weiter herab - jetzt sogar von 1,75 auf 0,25 Prozent, wie bei der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder.

Von Thomas Öchsner, Berlin

Die Bundesregierung sagt es ganz offen: Die gesetzliche Rente allein wird in Zukunft nicht ausreichen, "um den Lebensstandard des Erwerbslebens im Alter fortzuführen". Die Regierung rät daher stets, für den Ruhestand zusätzlich vorzusorgen. Doch nicht nur das Rentenniveau, also das Verhältnis eines Durchschnittsverdiensts zur Standardrente, sinkt. Auch die Einschnitte bei der betrieblichen Altersversorgung werden auf Grund der historisch niedrigen Zinsen immer größer.

Das zeigt jetzt der Vorstoß der mit Abstand größten Zusatzversorgungskasse in Deutschland, der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL). Diese hat zum 1. Juni 2016 den Garantiezins für Mitglieder, die freiwillig über ihren Arbeitgeber zusätzlich einen Teil ihres Gehalts in einen Riester-Vertrag oder sozialabgabenfrei für eine spätere Betriebsrente zurücklegen, von 1,75 Prozent auf konkurrenzlos niedrige 0,25 Prozent gesenkt. "Einen solchen Vertrag zu unterschreiben, lohnt sich damit nicht mehr", sagt der Finanzmathematiker Werner Siepe, der sich seit einem Jahrzehnt mit der VBL beschäftigt.

Ein Musterfall zeigt: Pro Monat gibt es gut 400 Euro weniger Zusatzrente

Nun muss man genau unterscheiden: Die Versorgungsanstalt hat etwa 1,9 Millionen Pflichtversicherte, alles Angestellte (keine Beamte) im öffentlichen Dienst. Diese zahlen wie andere Arbeitnehmer in die Rentenkasse ein, und sie sind mit dem Einstieg ins Bediensteten-Leben automatisch zusätzlich in der VBL versichert. Für diese obligatorischen Verträge gilt kein Garantiezins. Das Geld wird - zumindest bei den Beschäftigten in Westdeutschland, und das sind etwa gut 80 Prozent - eingezahlt und an die Rentner wieder ausgezahlt. Es handelt sich also um eine umlagefinanzierte Zusatzversorgung, die wie die gesetzliche Rentenversicherung funktioniert.

Ganz anders sieht es bei den freiwillig abgeschlossenen Verträgen aus, mit denen sich fast 250 000 Versicherte in der VBL ein zusätzliches Standbein bei ihrer Altersvorsorge aufbauen wollen. Hier sinkt der Garantiezins seit Jahren, von 1,75 auf nun 0,25 Prozent. Das führt zu drastischen Einbußen, wie dieser Musterfall zeigt: Ein 37 Jahre alter Angestellter, der noch Ende 2011 einen VBL-Extra-Vertrag unterschrieben hat und 30 Jahre bis zur Rente mit 67 genau 175 Euro monatlich einzahlt, hätte noch eine garantierte Zusatzrente von 617 Euro bekommen. Bei einem Neuabschluss von Juni 2016 an sind es jedoch nur noch 208 Euro. Das entspricht einem Minus von fast 70 Prozent.

Die VBL ist allerdings kein Einzelfall. "Probleme wegen der niedrigen Zinsen haben alle Versorgungswerke und Pensionskassen. Und die schauen aufeinander. Wenn einer den Garantiezins senkt, werden andere nachfolgen", sagt Siepe.

Gut geht es noch denjenigen, die bereits als Ruheständler Geld ausgezahlt bekommen. Was sie sich aus ihren Beiträgen aufgebaut haben, kann ihnen in der Regel niemand nachträglich wieder wegnehmen. Anders sieht es bei der Frage aus, welche Ansprüche künftige Einzahlungen abwerfen. So hat die größte Pensionskasse Deutschlands, die BVV Versorgungskasse des Bankgewerbes mit gut 350 000 Versicherten, angekündigt, dass ihre Kunden mit vor 2005 abgeschlossenen Altverträgen und einem hohen Garantiezins von vier Prozent für künftige Beiträge fast ein Viertel weniger Rente erhalten werden. Auch die Neue Leben Pensionskasse, die zum Versicherer Talanx gehört, will den Garantiezins bei Altverträgen für künftige Einzahlungen von 3,25 auf 1,25 Prozent senken.