Deutschlands mächtigster Landwirt, Bauernverbandspräsident Gerd Sonnleitner, erklärt, warum die Milchpreise in Deutschland nicht fallen dürfen und warum die Welt auch ohne Gentechnik nicht Hunger leiden müsste.
sueddeutsche.de: Nach vielen Schlagzeilen über steigende Preise für Brot und Butter fällt auf einmal der Milchpreis wieder. Können die Landwirte das nach den vorangegangenen Preissteigerungen locker verkraften?
"Landwirtschaft ist nicht Old Economy, sondern eine Zukunftsbranche", sagt Gerd Sonnleitner, Präsident des Deutschen Bauernverbandes. (© Foto: ddp)
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Gerd Sonnleitner: Nein, auf gar keinen Fall! Wenn Sie die Einkommenssituation der Landwirte sehen, wenn sie sehen, wie stark sich die Betriebsmittel verteuert haben, dann ist der jetztige Preisverfall ganz klar existenzbedrohend für unsere Milchbauern.
sueddeutsche.de: Tatsache ist, dass die Preise immer weiter gestiegen sind, mit der Folge steigender Einkommen für die Landwirte.
Sonnleitner: Das ist so nicht richtig: wir hatten vergangenes Jahr nur eine sehr moderate Steigerung von 3,1 Prozent. Damit ernähren sich die deutschen Verbraucher weltweit noch immer mit am billigsten und verwenden weiterhin nur rund elf Prozent ihres verfügbaren Einkommens für Nahrung. Mit dem, was beim Landwirt ankam, konnten sich die Bauern sicher keine goldene Nase verdienen.
sueddeutsche.de: Aldi hat zu Beginn dieser Woche die Preise für Milch um zwölf Cent pro Liter gesenkt. Sie haben die Verbraucher aufgerufen, ihr Einkaufsverhalten zu überdenken. Ist das der richtige Weg?
Sonnleitner: Wenn man sieht, wie hier der Lebensmitteleinzelhandel seine Marktmacht missbraucht, um die Bauern ökonomisch an die Wand zu drücken, dann hat das nichts mehr mit sozialer Marktwirtschaft zu tun. Dies ist schlimmster Frühkapitalismus. Hier wird die Existenz der Bauern gefährdet.
sueddeutsche.de: Problematischer als in Deutschland sind die explodierenden Preise für Grundnahrungsmittel in ärmeren Ländern. In Afrika, Asien und Lateinamerika hungern immer mehr Menschen. In vielen Ländern protestieren Menschenmassen gegen unbezahlbare Getreide- oder Reispreise und Experten warnen vor Hungersnöten. Worin sehen Sie die Ursachen für diese Entwicklung?
Sonnleitner: Erst mal muss man klar trennen - zwischen den äußerst moderaten Preissteigerungen in Deutschland und Europa sowie den doch sehr starken Preissteigerungen in den unterentwickelten Ländern. Dort gibt es Hunger, dort gibt es Unruhen. Aber da hat nicht unsere Agrarpolitik oder die Bioenergie Schuld. Die Ursachen liegen vor Ort: in einer totalen Vernachlässigung der Landwirtschaft, in der Misswirtschaft totalitärer Regime, in Bürgerkriegen. Schlimmer noch ist maßlose Korruption - und die Tatsache, dass Bauern kein Recht auf Eigentum haben.
sueddeutsche.de: Die EU unterstützt die Landwirte in Europa jedes Jahr mit gut 50 Milliarden Euro. Viele Hilfsorganisationen machen diese Subventionen dafür verantwortlich, dass sich die Landwirtschaft in ärmeren Ländern nicht entwickeln konnte. Trägt die EU-Agrarpolitik eine Mitschuld an der Nahrungsmittelkrise?
Sonnleitner: Nein, überhaupt nicht. Das Problem ist, dass die Versorgungssicherheit nicht mehr gegeben ist, weil die Bauern aufgrund der örtlichen Verhältnisse in vielen Entwicklungsländern ökonomisch nicht überleben konnten. Verschärft wird die Dramatik dadurch, dass die vorhandene Nahrung vor Ort durch Korruption und Spekulation zurückgehalten wird. Angefangen von den großen "Heuschrecken" bis hinunter zu den Kleinen wird munter spekuliert - zum Schaden der Bevölkerung.
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Ich verstehe einerseits, dass die Bauern die Kühe nicht gerne auf die Weide treiben und am Abend kompliziert wieder zum Melken holen wollen, andererseits trinke ich ungerne Milch von Kühen, die den ganzen Tag eingepfercht stehen und das Tageslicht höchstens durch ein weit entferntes Fenster sehen können. Wenn was gesund ist, dann die Milch von Kühen, die saftige Weiden durchstreifen!! So wird der Milchpreis noch mehr sinken wenn mehr Leute ähnlich denken wie ich. Da kauf ich lieber Soja-Milch...
Dass die Leute hinsichtlich Gentechnik in unserem Lande einigermaßen vernünftig sind, freut mich. In Indien bringen sich ja die Bauern um, nachdem die Konzerne sie zu teuren Krediten zwecks Gentechnik-Getreide-Kauf überredet haben und dann die Ernte schlecht ausfällt. Schlimm!
Ich wollte noch diesen Absatz vervollständigen:
"Außerdem ist ja wohl entscheidend, wovon wir uns ernähren. Wir essen nur begrenzt verschieden Dinge. Wenn eine mutierte Getreidesorte schädlich für Menschen ist, dann ist sie schädlich für Menschen. Wenn ein mutiertes Gras bei Elefanten Schäden verursacht, dann tangiert uns das nur äußerst peripher. Außerdem kommt ja normalerweise kein Bauer her und pflanzt dieses Gras auf der ganzen Welt, so wie es beim Getreide gemacht wird."
Selbst wenn das mutierte Gras für Menschen schädlich ist: es ist ja keiner, und daher ist die Mutation zwar gefährlich aber irrelevant.
"Die Frage ist nun: was genau ist eine "gefährliche" Mutation? Eine die einfach nur zu ungenießbaren oder schlechter überlebensfähigen Pflanzen führt ist es nicht, die wird einfach anschließend bei der Zucht aussortiert. Also irgendwas das sich von selbst verbreitet. Wie bei der Gentechnik kommen da wohl Gedanken an Katastrophenfilme, an hochinfektiöse tödliche Krankheiten oder unaufhaltsam wachsende, die Erde verschlingende Blobs."
Das ist wohl kaum die "gefährliche" Mutation von der man in einer ernsthaften Diskussion spricht. Was ist die korrekte deutsche Übersetzung von "Straw man argument"? Das ist ihr Argument nämlich. Realistischerweise geht es doch um Langzeitfolgen und nicht um Schreckensszenarien. Zum Beispiel könnte die Mutante krebserregend sein, Allergien auslösen oder ähnliches und es wird erst Jahre später bemerkt. Davon geht die Welt nicht unter, besonders toll ist es aber auch nicht.
"Nur: das kann, falls es überhaupt möglich ist, auch durch "natürliche" Mutationen passieren, denen die gesamte Biomasse der Erde ständig ausgesetzt ist. Ich glaube nicht, daß ein bißchen bestrahltes Saatgut oder Genmanipulation das Risiko nennenswert erhöht - ein paar hundert Tonnen Biomasse mit vielleicht tausendfach erhöhter Mutationsrate ist einfach irrelevant verglichen mit geschätzt 280000000000 Tonnen Biomasse auf der Erden - die gesamte Mutationsrate steigt dadurch um ungefähr ein Millionstel."
Also, was die gesamte Biomasse der Erde damit zu tun haben soll bleibt ihr Geheimnis. Nur ein winziger Bruchteil der Biomasse besteht aus, sagen wir mal, "Kernen". Wenn irgendein Baum in einem seiner Blätter eine gefährliche Mutation trägt ist das erst mal egal. Es geht doch nur um Mutationen in dem Erbmaterial, das auch wirklich vererbt wird.
Außerdem ist ja wohl entscheidend, wovon wir uns ernähren. Wir essen nur begrenzt verschieden Dinge. Wenn eine mutierte Getreidesorte schädlich für Menschen ist, dann ist sie schädlich für Menschen. Wenn ein mutiertes Gras bei Elefanten Schäden verursacht, dann tangiert uns das nur äußerst peripher. Außerdem kommt ja normalerweise kein Bauer her und pflanzt dieses Gras auf der ganzen Welt, so wie es beim Getreide gemacht wird.
Letzteres zeigt einen einfachen aber wichtigen Unterschied zwischen künstlichen und natürlichen Mutanten. Die natürlichen werden üblicherweise vom Menschen nicht bemerkt und auch nicht ausgesät; die künstlichen schon, denn das ist ja grade ihr Zweck.
Korrekt, die Wahrscheinlichkeit für jede Art von Mutation wächst, für die nützlichen ebenso wie für die anderen. Darum macht man es ja: um anschließend die nützlichen Mutationen per Zucht zu verfielfältigen.
Die Frage ist nun: was genau ist eine "gefährliche" Mutation? Eine die einfach nur zu ungenießbaren oder schlechter überlebensfähigen Pflanzen führt ist es nicht, die wird einfach anschließend bei der Zucht aussortiert. Also irgendwas das sich von selbst verbreitet. Wie bei der Gentechnik kommen da wohl Gedanken an Katastrophenfilme, an hochinfektiöse tödliche Krankheiten oder unaufhaltsam wachsende, die Erde verschlingende Blobs.
Nur: das kann, falls es überhaupt möglich ist, auch durch "natürliche" Mutationen passieren, denen die gesamte Biomasse der Erde ständig ausgesetzt ist. Ich glaube nicht, daß ein bißchen bestrahltes Saatgut oder Genmanipulation das Risiko nennenswert erhöht - ein paar hundert Tonnen Biomasse mit vielleicht tausendfach erhöhter Mutationsrate ist einfach irrelevant verglichen mit geschätzt 280000000000 Tonnen Biomasse auf der Erden - die gesamte Mutationsrate steigt dadurch um ungefähr ein Millionstel. Und dann muß man noch bedenken daß bei den künstlich herbeigeführten Mutationen die Chance besteht, eine tatsächlich aufgetretene "gefährliche" Mutation zu erkennen und eine Ausbreitung zu verhindern.
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