Bafin-Forderung Kosten runter, Service rauf

"Wir haben ein Problem in der Branche, und das ist die Kosteneffizienz", sagt Giovanni Liverani, Deutschlandchef des Versicherers Generali.

(Foto: Stefan Heigl/Generali)

Die Versicherer müssen stärker an der Kosteneffizienz arbeiten. Das forderte Giovanni Liverani von Generali.

Von F. Krieger, Bergisch-Gladbach

Das Gesetz ist eindeutig, doch die Lebensversicherer tun sich bisher schwer damit: Sie sollen die Provisionen senken, wenn ein Kunde einen neuen Vertrag abschließt. So hat es die Politik in Berlin voriges Jahr beschlossen, im sogenannten Lebensversicherungsreformgesetz. Doch passiert ist wenig. "Was die Versicherer bisher getan haben, reicht nicht aus", sagte der Versicherungsaufseher der Finanzaufsicht Bafin, Frank Grund, beim Versicherungstag der Süddeutschen Zeitung auf Schloss Bensberg. Die Bafin hat schon Ende vergangenen Jahres nachgehakt, ob die Versicherer das Gesetz umgesetzt haben, und ernüchtert festgestellt: "Die Botschaft, dass die Abschlusskosten gesenkt werden müssen, ist schon angekommen", so Grund. Aber die Vergütung, die die Vermittler erhalten, sei nur in Einzelfällen abgesenkt worden. Die Lebensversicherer haben jährlich knapp acht Milliarden Euro an Provisionen und anderen Abschlusskosten ausgegeben, die sie vollständig den Kunden berechnen. Die Kosten der Versicherer werden auch deshalb immer bedeutsamer, weil die Unternehmen zugleich durch die niedrigen Zinsen unter Druck geraten. Vor allem Lebens- und Rentenversicherern fällt es in diesem Umfeld schwer, eine anständige Rendite für ihre Kunden zu erwirtschaften.

Neben den zum Teil hohen Provisionen für lang laufende Verträge steht es auch um die Höhe der Verwaltungskosten der Versicherer nicht zum Besten: Viele Versicherer haben - auch durch Fusionen mit anderen Gesellschaften - unterschiedliche, teilweise viele Jahrzehnte alte IT-Systeme im Betrieb. Hinzu kommen ein Wirrwarr an alten Versicherungstarifen, die gepflegt werden müssen, und Managementstrukturen, die nicht mehr den heutigen Erfordernissen entsprechen. "Das können wir uns nicht mehr leisten", sagte Ralph Brand, Deutschlandchef des Versicherers Zurich.

Das glaubt auch Giovanni Liverani, Deutschlandchef des Versicherers Generali. "Wir haben ein Problem in der Branche, und das ist die Kosteneffizienz", sagte er. Manche Marktteilnehmer seien der Meinung, sie hätten ihre Unternehmen schon genug umgebaut. "Aber das stimmt nicht", sagte er. "Wir können die Kunden nicht für Kosten zur Kasse bitten, die wir durch unsere Ineffizienz verursacht haben."

Liverani ist seit April 2015 im Amt. Er hat bei der Generali einen Großumbau angestoßen, unter anderem wird die Holding-Gesellschaft in Köln mit den Gesellschaften der Generali in München verschmolzen, um Personal und teure Innenstadtbüros einzusparen. Obwohl er gerade erst in Deutschland mit der Arbeit begonnen hat, wird er schon als Nachfolger auf den Chefposten bei der italienischen Muttergesellschaft in Triest gehandelt. Der bisherige Generali-Chef Mario Greco wechselt im Mai zum Konkurrenten Zurich. Dort ist ein Posten frei geworden, nachdem Konzernchef Martin Senn Ende vergangenen Jahres zurückgetreten war - als Reaktion auf Probleme in der Haftpflichtversicherung. Liverani betonte, dass der Weggang von Greco nichts an der Strategie für den deutschen Markt ändere. Ob eine Zukunft als Generali-Chef für ihn infrage kommt, wollte er nicht kommentieren.

Als weitere Herausforderung sieht Liverani das geänderte Kundenverhalten. Es sei heute selbstverständlich, Geschäfte über das Smartphone zu tätigen, etwa über Booking.com ein Hotelzimmer zu buchen. "Wir sind dumm, wenn wir uns solchen Kommunikationswegen verschließen", sagte Liverani. "Wir schicken den Kunden Briefe, in denen wir den Erhalt ihrer Mails bestätigen und benötigen sechs Wochen für eine Adressänderung."