Autorennbahnen von Carrera Wenn aus Vätern Jungs werden

Jeder Junge kennt Carrera: die Marke gilt als Synonym für spurgeführte Autorennbahnen.

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Autorennbahnen gehörten zur Grundausstattung im Kinderzimmer eines jeden Jungen. Doch dann blieb die Erfolgsmarke Carrera auf der Strecke. Ein Investor aus Österreich reanimiert das populäre Jungsspielzeug - und hofft nicht nur auf das Geschäft mit Kindern.

Von Uwe Ritzer

Die beiden in die Jahre gekommenen Musiker mit den glatt nach hinten gegelten Haaren und den akkurat gestutzten Schnauzbärten kennen bestenfalls Insider. Ihren größten Hit kennt jeder, der einmal auf einer Rennstrecke war, mit der Motorsportszene auch nur oberflächlich in Berührung kam oder in den späten 1980-er Jahren die TV-Musiksendung Formel eins sah. Da war "The Race" des Schweizer Musik-Duos "Yello" Titelsong. Zeitweise landete der Hit sogar in den deutschen Charts.

"The Race" ist eine Orgie für die Ohren, eine wilde Mischung aus Synthie-Pop und dröhnendem Motorenlärm, rasant, fetzig, aggressiv, Musik für die hohen Geschwindigkeiten. Passend zu Carrera, meint Andreas Stadlbauer, 45, weshalb er die beiden Yello-Musiker Dieter Meier und Boris Blank beauftragt hat, ihre Motorsport-Hymne noch einmal abzumischen - als Jubiläums-Song zum 50. Geburtstag der Spielwaren-Marke Carrera.

Stadlbauer genießt es, mit den beiden Musikern den "The-Race"-Remix am Vortag der Nürnberger Spielwarenmesse auf einer Carrera-Bühne zu präsentieren. 1999 haben er und sein Vater Dieter die nach Jahren schwerer Turbulenzen angeschlagene fränkische Autorennbahn-Marke übernommen. "Noch nie in ihrer Firmengeschichte stand Carrera so stabil und gut da wie jetzt", glaubt Stadlbauer heute und bemüht die Statistik: "In Deutschland werden jährlich 700.000 Kinder geboren, die Hälfte davon Buben. Das ist genau die Zahl der Sets, die wir jedes Jahr verkaufen." Bekanntheit und Marktanteil von Carrera liegen jeweils deutlich über 90 Prozent. Ein Quasi-Monopol also. "Carrera-Bahn" gilt als Synonym für spurgeführte Autorennbahnen.

Die Jungs von damals sind inzwischen die Väter

Der Erfolg hat viel damit zu tun, dass Carrera kein reines Kinderspielzeug mehr ist. Bis in die achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein gehörten die Spur-Flitzer zur Grundausstattung im Kinderzimmer eines jeden Jungen. Die Jungs von damals sind inzwischen die Väter. Den Mythos Carrera haben sie beim Erwachsenwerden nie vergessen. Bisweilen fahren heute drei Generationen miteinander ihre Rennen aus: Opa, Vater, Sohn.

Der Gesichtsausdruck mancher Männer ändert sich, wenn sie den - inzwischen natürlich kabellosen - Steuerknüppel drücken und die originalgetreuen Mini-Porsches oder -Ferraris im Maßstab 1 zu 32 auf ihre Bahn-Runden schicken. "Wir produzieren kein Spielzeug, sondern wir bieten Motorsport für Zuhause", sagt Andreas Stadlbauer.