Arbeitszeit Nur ein paar Stunden

Bürohochhaus in Düsseldorf: Viele Beschäftigte sind mit der Länge ihrer Arbeitszeit nicht zufrieden.

(Foto: Martin Gerten/dpa)

Viele Männer würden gerne weniger Zeit im Büro verbringen - und viele Frauen mehr. Eine Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung ergab, dass Wunsch und Wirklichkeit aber noch weit auseinanderliegen.

Von Thomas Öchsner, Berlin

Dienst nach Vorschrift und nach der Stechuhr, Arbeitszeiten penibel genau einhalten - für viele Arbeitnehmer in Deutschland war das einmal. Stattdessen ist Flexibilität gefragt, mehr oder weniger. Die Arbeitgeberverbände wollen am liebsten weg vom Acht-Stunden-Tag und das Arbeitszeitrecht von einer Tageshöchstzeit auf eine Wochenarbeitszeit umstellen. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) träumt von einer "Wahlarbeitszeit". Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) will ein staatliches Familiengeld von 300 Euro für Eltern einführen, die ihre Wochenarbeitszeit auf 28 bis 36 Stunden verringern. Doch Wunsch und Wirklichkeit liegen gerade beim Thema Arbeitszeit noch weit auseinander. Das zeigt jetzt eine Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Demnach würden gerne Millionen Beschäftigte kürzer oder länger arbeiten - können es aber nicht. Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer ist mit ihrer Wochenarbeitszeit unzufrieden.

Für ihre Untersuchung werteten die Forscher Daten des Sozioökonomischen Panels von 2011 bis 2014 aus. Dabei werden im Auftrag des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und TNS Infratest Sozialforschung jedes Jahr 20 000 Haushalte befragt. 10 000 bis 12 000 Personen machten dazu auch Angaben zur Arbeitszeit. Die Ergebnisse der Studie sind somit für die Arbeitnehmer repräsentativ.

In jedem Jahr würden der Untersuchung zufolge am liebsten 40 Prozent der Befragten kürzer treten. Gezählt wurden dabei nur diejenigen, deren Wunscharbeitszeiten mindestens fünf Wochenstunden von den tatsächlichen Büro- oder Fabrikstunden abweichen. In dieser Gruppe sind vor allem Beschäftigte, die mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten - dies gilt besonders für Männer. Diese Arbeitnehmer wären dazu bereit, für eine reduzierte Arbeitszeit auf Einkommen zu verzichten.

Längst nicht so hoch ist der Anteil derjenigen, die mehr tun wollen. Dies trifft auf gerade einmal zwölf Prozent der Befragten zu. Dabei handelt es sich überwiegend um Frauen, die bislang nur 20 Stunden in der Woche oder noch weniger berufstätig sind. Auch hier haben die Wissenschaftler nur diejenigen berücksichtigt, bei denen Wunsch und Wirklichkeit um mindestens fünf Stunden auseinanderliegen.

"Von Wahlarbeitszeiten kann noch längst nicht die Rede sein."

Es gibt aber auch die Zufriedenen: Knapp die Hälfte der Arbeitnehmer fühlt sich mit den eigenen Arbeitszeiten offenbar wohl. Das sind vor allem Beschäftigte mit einem zeitlichen Pensum von 34 bis 40 Stunden. Zwei Drittel von ihnen wollen gar nichts oder nicht mehr als fünf Stunden an ihrer Arbeitszeit verändern.

Wer aber schafft es überhaupt, die persönliche Arbeitszeit mit den eigenen Bedürfnissen in Einklang zu bringen, etwa durch einen Jobwechsel innerhalb des Betriebs oder dem Weggang zu einem anderen Arbeitgeber? Unter den Befragten, die 2011 ihr Pensum reduzieren wollten, gelang es immerhin 40 Prozent, die Arbeitszeit um mindestens drei Stunden herunterzuschrauben. Gute Chancen, das zu erreichen, haben vor allem Personen mit zwei Kindern. Andersherum sieht es ähnlich aus: Von denen, die 2011 verlängern wollten, konnten 44 Prozent mindestens drei Stunden aufstocken. Das gelang "eher Beschäftigten ohne als mit Partner oder Partnerin, eher mit steigender Kinderzahl und außerdem mit steigendem Qualifikationsniveau", heißt es in der Studie.

Für die Forscher ist daher klar: "Von Wahlarbeitszeiten kann noch längst nicht die Rede sein." Nötig seien dafür gesetzliche oder tarifliche Regelungen. Doch bis diese durchgesetzt sind, dürfte es noch eine Weile dauern.