Allianz-Finanzvorstand Perlet über das schlechte Image der Bank-Manager, die Folgen der Finanzkrise - und warum Cash immer noch King ist.
Seit elf Jahren kontrolliert Helmut Perlet, 61, die Finanzen des europaweit größten privaten Versicherers Allianz mit Sitz in München. Im ersten Interview seit der Finanzkrise lobt der Oberbayer das Krisenmanagement der Bundesregierung. Für die Kritik an den Managern hat er Verständnis: Es seien viele Fehler gemacht worden. Die Allianz stehe weiter gut da. Sie habe "ausreichend Kapital und ein kerngesundes Versicherungsgeschäft". Der Verkauf der Dresdner an die Commerzbank sei nicht gefährdet: "Alles läuft planmäßig."
Allianz-Finanzvorstand Helmut Perlet (© Foto: AP)
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SZ: Herr Perlet, das Rettungspaket der Bundesregierung ist unter Dach und Fach. Zufrieden mit dem Ergebnis?
Perlet: Das Ergebnis ist grundsätzlich sehr positiv. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Auch die Geschwindigkeit, mit der das gemacht wurde, ist beeindruckend. Ich finde es nur schade, dass wir jetzt eine Diskussion haben, die eine gewisse stigmatisierende Wirkung hat. Also die Frage, wer das Paket in Anspruch nimmt. Da wird der Eindruck erweckt, es wäre jetzt ein Problem, dort mitzumachen. Das kann nicht zum Gelingen des Ganzen beitragen.
SZ: Wie ist denn dieser Eindruck entstanden?
Perlet: Das ist nicht Schuld des Staates, sondern es liegt an verschiedenen Diskussionsbeiträgen, die landauf, landab geleistet werden.
SZ: Einer der Diskussionsbeiträge stammt von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der gesagt haben soll: "Ich würde mich schämen, wenn wir in der Krise Staatsgeld annehmen würden."
Perlet: Das möchte ich nicht kommentieren. Ich sage nur so viel: Jedes Institut hat die Möglichkeit, das Maßnahmenpaket zu nutzen. Deswegen sollten sich alle hinsetzen und verantwortungsvoll prüfen, ob das für sie die beste Lösung ist.
SZ: Sie fänden es nicht ehrenrührig, Geld anzunehmen, wenn es sein muss?
Perlet: Nein, absolut nicht. Es geht doch nicht um die Eitelkeiten von Banken und Managern, es geht doch vor allem um die Einlagen von Kunden. Und in deren Interesse muss man die besten Entscheidungen treffen.
SZ: Wenn alle mitmachen müssten, wäre es für keinen peinlich?
Perlet: In den USA hat man in der Tat daraus eine Zwangsveranstaltung gemacht. Allerdings sind in Folge dessen nun einzelne Institute mit 20 Prozent Kernkapitalquote ausgestattet, die uns als Wettbewerber entgegentreten. Das wird schwierig. Während der Grundgedanke in Deutschland ist, nur Problemfälle zu refinanzieren, nutzen andere Länder die Gelegenheit, um die Konkurrenzfähigkeit ihrer Institute zu stärken.
SZ: Wäre es nicht schon aus diesem Grunde für die Allianz sinnvoll, am Programm teilzunehmen?
Perlet: Grundsätzlich gilt für Versicherer das Gleiche, was für Banken gilt. Auch wir müssen uns hinsetzen und sehen, zu welchem Ergebnis wir kommen. Ich möchte aber hinzufügen, dass wir als Allianz ausreichend Kapital und ein kerngesundes Versicherungsgeschäft haben. Die Versicherer scheinen weitaus besser durch die Krise zu kommen als die Banken. Nach allem, was man weiß, sind von diesen kritischen Wertpapieren nicht allzu viele in den Bilanzen der Versicherer vorhanden.
SZ: Die Milliarden-Krise des US-Versicherers AIG ist nicht der Anfang einer großen Krise im Versicherungssektor?
Perlet: Nein, auf keinen Fall. Auch die AIG hatte sich nicht im Versicherungsgeschäft, sondern in einem speziellen Geschäftsbereich mit strukturierten Finanzprodukten ihre Probleme hausgemacht. Das können Sie nicht verallgemeinern.
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@eiermeier: warum sollte jemand der mit seinem eigenen Geld spekuliert das von jemand anderem verspielen? wollen sie das nicht verstehen? Das ich die Art und Weise der Anwendung wie das hier gelaufen genauso kritisiere merken sie hoffentlich. Generell ist es definitiv gut sich wie sie Gedanken zur Verbesserung der Lage zu machen, wobei es anhand der Komplexität der Probleme nicht zu unüberlegten Kurzschlussreaktionen kommen darf.
@Ankur: Wobei wir wieder bei kurzfristigen Schwankungen wären. Darüber hinaus gibt es viele Einflussfaktoren auf die Börsenkurse. Ausgangspunkt von mir war ja eben NICHT auf kurzfristige Kurse zu schielen sonder ein Unternehmen langfristig attraktiv zu halten.
Über solche Gehaltsquerelen brauchen wir jetzt nicht zu streiten, dass auf der Ebene nicht alles super gelaufen ist wissen wir ja bereits.
Auf Dauer ist ein dümpelnder Aktienkurs sicher kein gutes Zeichen für erfolgreiche Geschäfte. Aber kurzfristig nur auf die Kurse zu schielen bringt gar nichts, zur Zeit haben wir eine Untertreibung auf vielen Gebieten. Wieso schmiert z.B. die Deutsche Post um über 50% ab? Briefe und Pakete sind ne relativ sichere und im vergleich zu Investitionsgütern nicht nennenswert konjunkturabhängige Einnahmequelle.
Übrigens glaube ich nicht, dass es bei Banken mehr Jobs mit höchsten Anforderungen gibt wie bei einem Automobilbauer. In einer Hausse kann eine Bank wenig falsch machen. Ein Auto bzw. Produkt schlecht konstruiert und der Ruf ist im Eimer, egal wie die Konjunktur läuft. Letztlich sind Banken Finanzdienstleiter, damit kundenabhängig und keine Gelddruckmaschinen. So richtig scheint sich diese Erkenntnis bei einigen Bankern noch nicht durchgesetzt zu haben. Wenn ich bedenke, dass der Porsche Chef Wiedeking 65 Mio oder so verdient - u.a. weil er aus einem Pleitekandidaten den profitabelsten Automobilhersteller der Welt gemacht hat - und manche Investmentbanker diese Summe um den Faktor 10 locker toppen, dann läuft was falsch. Ich denke, wir sind gerade dabei dieses zu korrigieren.
Ich bezweife z.B., dass in der Automobilbranche unter den Top10 Herstellern 70 Mrd Boni ausgeschüttet werden wenn die ganze Branche in einer Jahrhundert-Krise ist. Bei den Bankern war das kein Problem, zumindest in den USA.
... Interesse an dem hat worin er anlegt sondern nur rein daran so viel wie möglich durch Spekulation zu gewinnen und er verspielt eben nicht nur sein eigenes Geld sondern wie man sieht auch das Geld anderer. Diese Banken haben mit Ihrem Geld und dem Geld Ihrer Kinder gespielt. Ausserdem kommt noch das Problem dazu dass viel mehr mit Insiderinformationen gemacht wird als wirklich an die Öffentlichkeit kommt.
Aktien wurden mal erfunden damit man für Firmen Investitionen erleichtern kann. Wenn jemand spielen möchte kann er das in Las Vegas oder der Lotto Annahmestelle gerne tun. Von unserem Wirtschaftssystem sollte er die Finger lassen. Mit meinem Vorschlag von einem Monat Sperrfist auf Aktien, Derivate ... hätte man sämtliche dieser Probleme erschlagen.
Das ist ihre Sicht der Dinge. Ich denke jedoch sie gehen das Problem am flaschen Ende an.
Das Problem sind ja eigentlich nicht die Produkte auf die jetzt geschimpft wird (ich gehe davon aus dass sie sich unter anderem auf derivate etc beziehen wenn sie von solch einer kurzen frist sprechen und nicht auf aktien etc) sonder vielmehr der Umgang mit diesen.
Wenn jemand eigenes Kapital, z.B. durch Arbeit erworben, in solch kurzfristige, hochspekulative Produkte anlegen möchte und das Risiko kennt, wo liegt dann das Problem? Der Gewinn kann sehr hoch sein, der Verlust auch aber es kommt niemand dabei zu Schaden, da er nur sein EIGENES Kapital "verspielt". Wenn ich aber hingehe und mir einen Kredit besorge um dann spekulativ zu investieren und ich verspiele Alles, ist in erster Linie das Geld der Bank bzw. des Entleihers futsch, der unter Umständen gar nicht wusste was ich damit vor hatte bzw was damit geschieht. Das dies vereinfacht ausgedrückt ist, ist mir schon klar aber im Grunde ist es das was in großem Stil bei den betroffenen Investmentbanken gemacht wurde.
Es drängt sich der Eindruck auf, dass die Herren Perlet und Ackermann zu den Heerscharen an Neo-Liberalen gehören, die uns täglich mit vernebelnden und undurchsichtigen Interpretatationen einen rationalen Zugang zur Krise des (Finanz)Kapitalismus verstellen möchten.
Ein Zitat von Mark Twain fasst diese Situation treffend zusammen: "Die Forschungen vieler Interpreten haben bereits viel Dunkel in das Thema gebracht, und es steht zu befürchten, dass wir, wenn sie so weiter machen, bald gar nichts mehr darüber wissen werden."
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