2014 12 Minuten ohne Strom

Deutschlands Netze sind so stabil wie lange nicht. Im vorigen Jahr fiel der Strom nur sehr kurz aus.

Von Michael Bauchmüller, Berlin

Deutschlands Stromnetze sind so stabil wie lange nicht mehr. Im vorigen Jahr habe jeder Verbraucher durchschnittlich nur zwölf Minuten und 28 Sekunden lang auf Strom verzichten müssen. Das sei der niedrigste Wert seit Beginn der systematischen Erhebung des sogenannten Saidi-Wertes, teilte die Bundesnetzagentur mit. "Ein maßgeblicher Einfluss der Energiewende und der steigenden dezentralen Erzeugungsleistung auf die Versorgungssicherheit ist auch weiterhin nicht erkennbar", sagte Jochen Homann, der Präsident der Bonner Behörde. In der Vergangenheit kursierten immer wieder Befürchtungen, durch die schwankungsanfälligen erneuerbaren Energien könne auch das Stromnetz instabil werden. Tatsächlich ist das Netz aber über die Jahre immer stabiler geworden: Noch 2006 gab es durchschnittlich Unterbrechungen von mehr als 21 Minuten, im vorigen Jahr war es noch eine Viertelstunde. Die Zahl der Unterbrechungen sank von 179 000 im Jahr 2014 auf knapp 174 000 im vorigen Jahr.

Allerdings haben derlei Unterbrechungen nicht selten mit höherer Gewalt, technischen Missgeschicken oder schlicht Pech zu tun. Erfasst wird auch, wenn ein Sturm oder ein Gewitter die Stromversorgung unterbricht, wenn ein Bagger versehentlich ein Kabel durchtrennt oder ein Tier einen Kurzschluss verursacht. So führte 2006 die Abschaltung zweier Stromleitungen zu einem großflächigen Stromausfall in Westeuropa - die Leitungen waren dem Kreuzfahrtschiff Norwegian Pearl im Weg, das die Ems passierte.

Dennoch sind die deutschen Werte auch im europäischen Vergleich seit Jahren weit vorn. Österreich etwa verzeichnete nach Zahlen der EU 2012 im Schnitt knapp 39 Minuten ohne Strom, Frankreich sogar 63. Die Litauer mussten demnach durchschnittlich fast fünf Stunden lang im Dunkeln sitzen.