500-Euro-Schein Abschied vom großen Violetten

Viele Europäer hatten sie nie in der Hand, einige Läden nehmen sie gar nicht an: die 500-Euro-Note.

(Foto: Christian Ohde/imago)

Der 500er ist die seltenste und wertvollste unter den Euro-Banknoten. Nun könnte er bald abgeschafft werden. Aber wie?

Von Nora Kolhoff und Markus Zydra

Es sieht ganz so aus, als müsse Europa Abschied vom 500-Euro-Schein nehmen. Die Europäische Zentralbank wird ihn wahrscheinlich aus dem Verkehr ziehen. Wie das klappen kann, prüft nun der Banknotenausschuss der EZB. Die Euro-Finanzminister haben die Zentralbank kürzlich um Prüfung gebeten, ob sich terroristische Vereinigungen mithilfe des Scheins finanzieren. Draghi sagte: "In diesem Kontext erwägen wir eine entsprechende Entscheidung. Wir müssen das aber vorsichtig und in der bestmöglichen Art machen." Welche Folgen das für die Menschen hätte und wie die EZB überhaupt an die Scheine kommt - die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie funktioniert der Bargeldkreislauf?

Die Bürger ziehen sich am Bankautomaten Bargeld. Damit bezahlen sie beispielsweise Waren im Supermarkt. Die Supermarktkasse wird abends geleert, das Geld geht zurück zur Bank. Ein Teil der Scheine wird an die Bundesbank weitergegeben. Dort kontrolliert man regelmäßig, ob die Qualität der Scheine noch gut ist. Abgegriffene Scheine werden ersetzt. So kann man alte gegen neue Scheine austauschen - oder sie nicht mehr ausgeben.

Welche Rolle spielt der 500er-Schein im Kreislauf?

Eine geringe, schließlich bezahlen die meisten Menschen mit kleinen Scheinen. Viele Geschäfte akzeptieren den 500er auch nicht. Die 500-Euro-Banknoten werden vor allem gehortet - entweder weil man der Bank nicht traut, oder weil man illegale Geschäfte plant. Etwa ein Viertel der 500 Euro-Scheine liegt Schätzungen zufolge im Ausland.

Wie viele 500 Euro-Scheine gibt es?

Es sind etwa 600 Millionen 500-Euro-Scheine im Wert von circa 300 Milliarden Euro im Umlauf. Damit machen sie nur etwa drei Prozent der Scheine aus, die im Umlauf sind. Dennoch entspricht der Gesamtwert der 500-Euro-Scheine etwa einem Drittel aller umlaufenden Euro-Noten.

Wie kann die EZB den Schein aus dem Verkehr ziehen?

Die EZB könnte eine Frist setzen. Bis dahin wäre der 500-Euroschein noch als gesetzliches Zahlungsmittel gültig. Danach gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder die EZB tauscht die Scheine auch weiterhin in kleinere um. Oder aber die Zentralbank setzt einen Stichtag, bis zu dem der Umtausch erfolgt sein muss. Danach würde der Wert der 500ers verfallen.

Wie war das bei der Euro-Einführung?

Unterschiedlich. Während die Bundesbank bis heute D-Mark-Geldscheine in Euro umtauscht, haben etwa die italienische und französische Notenbank einen Stichtag gesetzt. Lira und Franc können heute nicht mehr in Euro getauscht werden.

Wie lange dauert es, bis es den 500-Euro-Schein nicht mehr gibt?

Es müssten wohl lange Übergangsfristen gelten, auch weil es derzeit gar nicht genügend 100- und 200-Euroscheine gibt, in die zumindest ein Teil der 500 Euroscheine getauscht würden.

Lässt sich mit der Abschaffung Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung bekämpfen?

Ja, weil es den Transport großer Beträge viel aufwendiger macht. Allerdings darf man der Organisierten Kriminalität durchaus zutrauen, dass sie Ersatzwege findet, etwa durch digitale Währungen wie Bitcoin, oder über Gold und Diamanten.

Ist das erste Schritt in Richtung Abschaffung des Bargelds?

Das vermuten einige Experten. "Ohne Bargeld könnte die Notenbank Strafzinsen viel effektiver durchsetzen," sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Einige Ökonomen würden die Bürger gerne dazu zwingen, ihr Erspartes auszugeben, damit die Wirtschaft wächst. Durch ein Bargeldverbot könnten Notenbanken höhere Strafzinsen als derzeit erheben, was den Druck auf die Sparer erhöht. "Das Bargeld ist vielen ein Dorn im Auge. Schließlich können sich die Bürger negativen Zinsen entziehen, indem sie Bargeld abheben", sagt Krämer. So ist es in der Schweiz passiert: Nachdem die Nationalbank 2015 Negativzinsen verhängte, stieg die Nachfrage nach 1000-Franken-Scheinen.

Wie könnte man den Umtausch der 500-Euro-Scheine kontrollieren?

Das muss die EZB diskutieren. Die Echtheit der Scheine zu kontrollieren, ist die eine Sache. Viel entscheidender wird sein, die Personen zu überprüfen, die etwa eine Million Euro und mehr in kleinere Scheine tauschen möchte. Schon jetzt greift das Geldwäschegesetz, wenn bei Banken sehr hohe Barbeträge eingezahlt werden. Die Bank muss das melden. Die Bundesbank akzeptiert aber auch Postsendungen mit alten D-Mark-Scheinen, die dann umgetauscht werden. Hier müssen die Absender ihre Identität angeben. Der Vorgang wird geprüft bevor der Umtausch vollzogen wird. Es ist offen, ob die EZB den Umtausch via Postpaket erlauben würde.

Darf die EZB den 500-Euro-Schein ohne Zustimmung des Parlaments verbieten?

Ja, die Europäische Zentralbank hat das alleinige Recht, die Stückelung der Euro-Banknoten festzulegen und zu ändern. Der EZB-Rat entscheidet per Mehrheitsbeschluss über die Abschaffung des 500 Euro-Scheins.

Wie stehen die Deutschen zum 500er?

Als der Euro eingeführt wurde, befürwortete die damalige Bundesregierung den 500-Euro-Schein. Die Deutschen, allgemein für ihre Bargeldliebe bekannt, waren mit großen Scheinen vertraut. Schließlich war der neue 500er das Pendant zum 1000-Mark-Schein. In Frankreich hingegen war die Banknote von Anfang an umstritten. Der 500-Francs-Schein betrug umgerechnet gerade einmal 76 Euro. Auch außerhalb der EU sind große Scheine die Ausnahme: In den USA wurde der 500-Dollar-Schein bereits 1969 abgeschafft. Auch in China kommt der wertvollste Schein umgerechnet auf gerade einmal 14 Euro.