Männertyp "Spornosexual" Seht! Mich! An!

Seht mich an! Real Madrid-Kicker Cristiano Ronaldo präsentiert seinen Körper nach einem Tor gegen Atletico Madrid.

(Foto: Getty Images)

Ein neuer Männertyp wurde gesichtet - der "Spornosexual". Er gilt als Nachkomme des metrosexuellen Mannes, präsentiert seinen gemeißelten Körper auf dem Marktplatz der Eitelkeiten und will vor allem eines: begehrt werden.

Von Violetta Simon

Der Mann der Gegenwart, er ist ein gesellschaftliches Chamäleon. Mit mal mehr, mal weniger prüfendem Seitenblick auf die Damenwelt hat er sich in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder gewandelt: Vom Versorger zum Softie zum Macho. In den Neunziger Jahren änderte der Mann seine Perspektive und kreiste zunehmend um sich selbst: erst als Metrosexueller - verkörpert durch David Beckham, dessen Hände und Frisur gepflegter wirken als bei mancher Dame. Dann als Retrosexueller - repräsentiert durch Männer wie Hugh Jackman und Robbie Williams, die eine Renaissance der erwachsenen Herrenkultur und den Vollbart heraufbeschworen.

Nun zeichnet sich eine neue Bewegung am Horizont männlicher Selbstfindung ab: der - nicht lachen jetzt - spornosexuelle Mann! Die Wortschöpfung "Sporno", basierend auf dem Ausdruck "when sport meets porn", bezeichnet die Orientierung am Sportler als Sexsymbol. Geprägt wurde sie von dem britischen Journalisten Mark Simpson, der schon 1994 die neuen Metrosexuellen feierte und sich Jahre später mit dem Begriff Retrosexualität auseinandersetzte.

In einem Essay hat der Autor den metrosexuellen Mann nun offiziell beerdigt und seinen Nachfolger ausgerufen: "Der Metrosexuelle ist tot. Lang lebe der Spornosexuelle" titelt der britischen Telegraph und präsentiert eine "extremere, übersexualisierte und körperfokussierte Version" des "Metros" als dessen kulturellen Erben.

Es sei nun an der Zeit, schreibt Simpson, einen neuen Begriff zu finden für die Weiterentwicklung des metrosexuellen Mannes - "diese aufgepumpte Nachkommenschaft" jener Ronaldo- und Beckham-Werbebilder, bei denen Sport und Porno miteinander ins Bett stiegen, während Armani Fotos davon schoss.

Schönheitsideal Spiegelbild

Doch wer ist dieser "Sporno"? Vor allem ist er ein Narzisst. Der spornosexuelle Mann trägt keine maßgeschneiderten Anzüge, sondern Slips oder Badehosen. Also möglichst wenig, das den gestählten Leib verdecken könnte. Shopping-Malls interessieren ihn daher nicht, seine Welt sind die Fitness-Studios der urbanen Räume, wo er am liebsten dem Blick in den Spiegel frönt. Sein ultimatives Accessoire ist der eigene Körper, den er pfleglich poliert, gewissenhaft aufpumpt und mit gemeißeltem Waschbrettbauch präsentiert.

Der neue Mann will begehrt werden - "ein Wunsch, der bislang nur Frauen zugestanden wurde", schreibt Simpson in seinem Essay. "Männliche Eitelkeit galt bestenfalls als weiblich; schlimmstenfalls als pervers." So wie Homosexualität lange Zeit stigmatisiert worden sei, habe auch jede Art von offen ausgelebtem männlichem Narzissmus bis weit in die Neunziger hinein Befremden ausgelöst - und sei es nur Unverständnis für die Tatsache, wie man als Mann so lange im Bad brauchen könne.

Inzwischen sind Schwule in der Gesellschaft angekommen - und mit ihnen ein neues Verständnis für die männliche Lust an der eigenen Erscheinung. Anders als die metrosexuellen Typen der Vergangenheit, deren Attribute teilweise künstlich optimiert worden seien, schreibt Simpson, hätten die Spornosexuellen sich mittlerweile im realen Leben einer Selbst-Retusche unterzogen. Endlich kann der Mann alles sein - und zwar für sich.

Das Ergebnis präsentiert er vornehmlich auf dem virtuellen Marktplatz der Eitelkeiten, wo die Community sich ergötzen kann an ästhetisch brillianten Selfies. Prominente Beispiele: "Gladiators"-Darsteller David McIntosh oder Reality-Star Dan Osborne, die am liebsten Fotos von sich selbst, und zwar vornehmlich aus Fitness-Studio, Badewanne oder Bett posten.

"Für die heutige Generation sind Social-Media-Plattformen, Porno und Selfies die maßgeblichen Faktoren der männlichen Sehnsucht, begehrt zu werden", schreibt Simpson. Die Generation der Spornosexuals wolle für ihren Körper bewundert werden, nicht für ihre Kleidung. "Und ganz sicher nicht für ihren Verstand."

Bleibt immerhin die Hoffnung: In ein paar Jahren gibt es wieder einen neuen Mann.