Zidane-Debüt in Madrid Fast regungslos, aber glücklich

Neuer Dirigent in Madrid: Zinedine Zidane bei seinem Trainerdebüt für Real gegen Deportivo La Coruña.

(Foto: Susana Vera/Reuters)

Real gewinnt beim Einstand des neuen Cheftrainers Zinedine Zidane 5:0 gegen La Coruña.

Von Filippo Cataldo, Madrid/München

Und dann klatschte endlich auch der Mann im engen blauen Anzug mit der schmalen gleichfarbigen Krawatte. Recht ausdauernd sogar, den Mund leicht zu einem feinen, kleinen Lächeln geöffnet. Die 90. Minute im Estadio Santiago Bernabeu war bereits vorbei, Real Madrid lag 4:0 vorne gegen Deportivo La Coruña, dank eines frühen Treffers von Karim Benzema und eines schönen Hattricks von Gareth Bale. Doch erst dieses 5:0 in der Nachspielzeit brachte Zinedine Zidane dazu, seine Hände länger als nur für ein paar Sekunden aus der Hosentasche zu nehmen und seinen Spielern zu applaudieren.

Es war der unspektakulärste von fünf recht manierlichen Treffern des Abends gewesen. Nachdem Cristiano Ronaldo mit dem Ball am Fuß im Strafraum eine Pirouette zu viel drehen wollte und ausgerutscht war, hatte Benzema den verwaisten Ball mit einem trockenen Schuss im Tor untergebracht. Den Sieg hatte Real spätestens nach dem 3:0 durch Bale auf Vorlage von Ronaldo in der 49. Minute in der Tasche gehabt, doch erst nach dem 5:0 und erst wenige Sekunden vor dem Schlusspfiff schien auch Zidane endlich richtig zufrieden und glücklich zu sein mit seinem Debüt als Trainer von Real Madrid.

"Habt Spaß", habe ihr neuer Trainer ihnen vor dem Spiel gesagt, erzählte Torwart Keylor Navas nach Spielschluss. Einfach nur: Habt Spaß. Geht's noch wirkungsvoller? Eine Anweisung, noch kürzer als Franz Beckenbauers taktische Losung "Geht's raus, spielt's Fußball", aber damals ging es ja auch um ein WM-Finale. Außerdem: Beckenbauer geht schon im Vergleich zu den meisten anderen Menschen als Vielredner durch. Im Vergleich zu Zidane ist er eine Sprechmaschine.

Zidane hat schon als Spieler wenig geredet, er ließ Pässe sprechen

Geredet hat Zinedine Zidane noch nie viel. Damals als Spieler dirigierte er eher durch die Magie seiner Pässe und ließ seine Ideen und seine gottgegebene Intuition auf dem Platz sprechen. So wurde er zum besten Spieler seiner Generation. Nun soll er es als Trainer zumindest zu einem so guten Dirigenten einer Mannschaft bringen, die der launische Klubpräsident Florentino Perez so gerne wieder als galaktisch bezeichnen würde.

Am Samstag verfolgte Zidane sein erstes Spiel als Trainer der Königlichen überwiegend im Stehen. Eine Hand in der Hosentasche, die zweite meist locker herunterhängend, je nach Bedarf zu sparsamen Gesten erhoben. Mal kurz zur Faust (nach den Toren) oder kurz erhoben, um die Richtung anzuzeigen. Vergleiche sind immer ungerecht. Aber von hinten erinnerte Zidane, enger Anzug, sorgfältig polierte und leicht glänzende Glatze, dem anderen berühmten Anzug- und Glatzentrainer des Weltfußballs. Doch Zidanes Gestik, seine stoische Art, machte ihn eher zum Anti-Guardiola. Bewegt hat er sich vorwiegend, um sich eine Regenjacke an- und wieder auszuziehen. Ansonsten verbrachte er den Abend fast regungslos am Spielfeldrand.

Real hofft auf den Guardiola-Effekt

Der Vergleich mit dem Bayern-Trainer war in den letzten Tagen oft bemüht worden. Guardiola war einst schließlich von der Bank der zweiten Mannschaft zum Trainer des FC Barcelona befördert worden und hatte in den nächsten Jahren jeden Titel gewonnen, den es zu gewinnen gab. Einen ähnlichen Effekt wünscht sich nun wohl auch Reals Präsident Florentino Perez, indem er Zidane, bis Montag Trainer der zweiten Mannschaft, zum Nachfolger von Rafael Benitez machte.

Doch Guardiola galt damals schon als großes Trainertalent, von Zidanes Qualitäten als Coach gibt auch dieses 5:0 zum Auftakt höchstens eine kleine Ahnung. Er änderte im Vergleich zu Benitez nicht viel, die Mannschaft lief wie immer im 4-3-3 auf, im Mittelfeld gaben Toni Kroos und Luka Modric den Takt an und flankierten diesmal Isco, der den Vorzug vor James Rodriguez erhalten hatte. Real spielte eigentlich so wie immer, hinten sorglos und vorne über Ronaldo und Bale, doch mit Zidane kehrte nun zumindest dieses Mal das Glück zurück. Die Tore fielen in der 15., 23., 49., 63. Und 90. Minute, genau dann, wenn sie einen gar nicht so üblen, aber recht naiv agierenden Gegner am meisten treffen.

"Ich bin glücklich, das ist alles"

Am Ende stand der höchste Sieg eines Trainerdebütanten von Real Madrid seit 1957 und ein Coach, der während der Pressekonferenz sogar wirklich lachte und diesen Satz hinterließ. "Wenn eine Mannschaft gewinnt, ist der Trainer glücklich. Ich bin glücklich über das Ergebnis und die Leistung der Spieler. Das ist alles. Ich bin glücklich."