Wolfsburg- Köln (15.30 Uhr) Krisengewinner

Blühte zuletzt im Woflsburger Trikot auf: André Schürrle.

(Foto: Jan Huebner/imago)

Der VfL Wolfsburg hat es gerade nicht leicht, viele Spieler suchen ihre Form. André Schürrle scheint sie endlich zu finden.

Von Sebastian Fischer, München/Wolfsburg

Der VfL Wolfsburg hat in der vergangenen Woche drei neue Torjäger präsentiert. Der eine heißt Victor Osimhen, ist 17 Jahre alt und wechselt im kommenden Januar von der Ultimate Strikers Academy in Nigeria nach Niedersachsen. Osimhen soll irgendwann mal für den VfL Tore schießen. Der zweite heißt Bruno Henrique, ist 25 Jahre alt und kommt vom brasilianischen Zweitligisten Goias Esporte Clube. Er soll vielleicht schon bald für den VfL Tore schießen. Manager Klaus Allofs hat bei der Bekanntgabe des Transfers am Freitagnachmittag allerdings beschwichtigt, Henrique sei "keine Soforthilfe". Die Erfahrung zeige nämlich, dass Spieler aus Brasilien eine gewisse Eingewöhnungszeit bräuchten.

Bleibt also noch der dritte neue Torjäger, er ist die eigentliche Sensation. Er ist ein Spieler mit Erfahrung in der englischen Premier League, er ist Weltmeister und ein beliebtes Werbegesicht. Am besten für den VfL: Er hat im Winter gar nichts gekostet, er war schon da. Die Tore für den Pokalsieger schießen und damit das größte Problem des VfL beheben - das soll jetzt André Schürrle tun.

Gegen Frankfurt schoss Schürrle sein zweites Tor im 30. Spiel

Nun ist diese Interpretation natürlich nur die halbe Wahrheit. Zu ergänzen wäre, dass VfL-Manager Klaus Allofs am liebsten Breel Embolo, 18, vom FC Basel für 28 Millionen Euro nach Wolfsburg geholt hätte, damit der junge Schweizer Nationalspieler den mit einem Mittelfußbruch zwei Monate ausfallenden Bas Dost ersetzt. Doch 28 Millionen Euro waren dem FC Basel zu wenig, weshalb Allofs am Freitag die Stürmersuche für beendet erklärt hat. Gegen den 1.FC Köln wird also neben Max Kruse voraussichtlich wieder der eigentlich auf der Außenbahn heimische Schürrle stürmen, wie schon am vergangenen Wochenende gegen Frankfurt. Da schoss Schürrle sein zweites Tor im 30. Bundesligaspiel für den VfL.

Es ist sportlich keine einfache Zeit für den VfL, da sind sich in Wolfsburg alle einig. Der VfL hat seit fünf Bundesligaspielen nicht mehr gewonnen und ist nur Tabellensiebter. Die Vorbereitung lief ziemlich holprig, Mittelfeldspieler Julian Draxler kam mit schlechten Fitnesswerten aus dem Urlaub zurück, Verteidiger Dante brach mit einem Tackling im Training den Fuß von Dost, Nicklas Bendtner verbreitete schlechte Stimmung, weil er unbedingt wechseln möchte. Auswärts ist der VfL die schwächste Bundesligamannschaft. Und über allem schwebt die Krise von Sponsor VW wie ein Damoklesschwert. Niemand weiß so richtig, wie der Konzern reagiert, sollte die Mannschaft die Qualifikation für die Champions League verpassen. Es gibt also eigentlich gerade keine Gewinner beim VfL. Außer Schürrle.

Seinen Signature-Move hat man schon lange nicht mehr gesehen

Die Geschichte des berühmten Vorlagengebers im WM-Finale von Rio de Janeiro drohte eine ziemlich traurige für beide Seiten zu werden. Wolfsburg hatte vor einem Jahr immerhin 32 Millionen Euro für den Weltmeister bezahlt und sich weltmeisterliche Sprints über den linken Flügel erhofft. Es war übrigens mal Schürrles Signature-Move, von links in die Mitte zu ziehen und aus 20 Metern mit rechts entgegen der Laufrichtung des Torhüters abzuschließen. Da erinnert sich nur kaum mehr jemand dran, weil eine solche Szene so lange her ist. Auch sein Tor zum zwischenzeitlichen 2:2 in Frankfurt war kein Schürrle-Tor, sondern ein ziemlich unspektakuläres. Aber Schürrle spielte gut, vielleicht sogar am besten in einer Mannschaft, die das Spiel bei besserer Chancenverwertung hätte gewinnen müssen.

"André ist ein gutes Beispiel, dass man Geduld haben muss. Ich glaube, dass er jetzt die Zeit bei Chelsea überwunden hat. Er weiß, welche Rolle er zu spielen hat, was von ihm erwartet wird, und dass wir ihm vertrauen", sagt Allofs deshalb. Und Schürrle selbst ist für die TV-Kameras seit langer Zeit mal wieder ein dankbarer Gesprächspartner. "Ich fühle mich gut, trainiere gut, habe extrem viel Schweiß hereingesteckt. Ich will einfach Gas geben. Ich hoffe, dass man das in der Rückrunde sieht", sagte er bei Sport1.

Schon zum Ende der Rückrunde stieg seine Formkurve an

Schürrle scheint in einer Zeit besser zu werden, in der seine Mitspieler wie gehemmt wirken. Schon zum Ende der Hinrunde stieg seine Formkurve an, nachdem sie im frühen Herbst auf dem tiefsten Punkt angekommen war. Schürrle hat seit seinem Wechsel aus London noch nie konstant überzeugt, und im November sah Allofs die Zeit gekommen, den Spieler öffentlich zu rügen. Die Kritik sei berechtigt, sagte Allofs damals: Damit müsse ein Profi eben klarkommen. Im nächsten Spiel gegen Bremen bereitete Schürrle zwei Tore vor.

Natürlich hätte Allofs am liebsten einen neuen Stürmer verpflichtet. Natürlich ist es auch für den Flügelspieler Schürrle nicht optimal, wenn er als vorderste Spitze aufläuft wie in Frankfurt. Aber der gescheiterte Embolo-Transfer, sagt Allofs, könne auch eine Chance sein. Für den VfL. Und für André Schürrle.