Von Jürgen Schmieder

Witali Klitschko gehört zu den talentiertesten und komplettesten Boxern aller Zeiten. Dass seine Karriere dennoch unvollständig wirkt, liegt nicht nur an ihm. Er hat wenig Zeit, das zu korrigieren.

Witali Klitschko stand nach diesem Kampf im Ring und stammelte irgendetwas in die Mikrofone. Es war kaum verständlich, man musste die englischen Worte "win", "dominated" und "referee" irgendwie zusammensetzen, dass ein sinnvoller Satz dabei herauskam. Es war am 22. Juni 2003, als Klitschko im Staples Center in Los Angeles gegen den WBC-Weltmeister Lennox Lewis antrat. Er dominierte die ersten sechs Runden lag bei allen Punktrichtern - das wurde nach dem Kampf bekannt - deutlich in Führung.

Klitschko gegen Lewis. (© Foto: dpa)

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Lewis hatte ihn nicht oft getroffen - und dennoch sah das Gesicht von Klitschko aus, als wäre er mit einer Eisenstange verprügelt worden. Von der Augenbraue tropfte Blut, von der Wange tropfte Blaut, aus den Lippen tropfte Blut, so viel, dass der Ringrichter den Kampf auf Empfehlung des Ringarztes abbrach und Lewis zum Sieger erklärte. Einen Rückkampf gab es nicht, weil Lewis sogleich seine Karriere beendete.

Es war erst die zweite Niederlage in der Profikarriere des Witali Klitschko - und doch brachte sie ihm mehr Respekt ein als die 32 Siege zuvor. Er hatte sich tapfer geschlagen gegen den zu diesem Zeitpunkt besten Boxer der Welt, ja, er hätte gewinnen müssen, wären da nicht diese Wunden gewesen, die so schauderlich aussahen. An diesem Kampf wurde jedoch der Makel in der Karriere des Ukrainers deutlich: Der Makel ist die Karriere selbst.

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