Weigl von 1860 zum BVB Der nächste Notverkauf

Julian Weigl, 19, wechselte 2010 vom TSV 1860 Rosenheim zum TSV 1860 München. Vergangene Saison durfte er vorübergehend die Kapitänsbinde tragen.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Wieder verlässt ein Talent früh den TSV 1860: Julian Weigls Wechsel zu Borussia Dortmund verrät viel über die unveränderte Transferpolitik der Münchner.

Von Markus Schäflein

Am Montag meldete sich Julian Weigl aus Neuseeland. Am Rande der U20-WM fand er Zeit, einen Facebook-Brief an die Anhänger des TSV 1860 München zu verfassen. "Erstmal will ich euch für die herausragende Unterstützung in dieser Saison danken. Ihr habt gezeigt, dass ihr zu eurem Verein steht, in guten wie in schlechten Zeiten", schrieb Weigl.

"Nach der WM beginnt für mich ein neues Kapitel bei Borussia Dortmund. Nach sehr positiven Gesprächen habe ich mich dazu entschlossen, die große Herausforderung, für einen so einzigartigen Bundesliga-Klub wie den BVB auflaufen zu dürfen, wahrzunehmen. Ich werde München wohl mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen."

So jetzt ist die Zeit gekommen wo ich mich an euch wenden möchte. Erstmal will ich euch für die herausragende Unterstü...

Posted by Julian Weigl on Montag, 8. Juni 2015

Auch die beiden Klubs bestätigten am Montag den seit Langem abgemachten Transfer offiziell - bis 2019 hat sich das 19-jährige Mittelfeldtalent demnach an den BVB gebunden. "Julian Weigl ist ein Perspektivspieler für das zentrale Mittelfeld, dem wir großes Entwicklungspotenzial zutrauen", sagte Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc.

Noor Basha, Vertreter von 1860-Investor Hasan Ismaik, hatte zuvor im Münchner Merkur bestätigt, wie überlebenswichtig der abermalige Verkauf des größten Talents für die Löwen war. Basha bezeichnete den Deal, noch weitaus euphorischer als Zorc, als "Königstransfer" - weil die Dortmunder zustimmten, gegen einen Nachlass auf die Transfersumme auch für den Abstiegsfall (in dem Weigl ansonsten ablösefrei gewesen wäre) die vereinbarten rund 2,5 Millionen Euro zu zahlen. "Wenn wir in die dritte Liga abgestiegen wären, hätte uns das die Lizenz gerettet", sagte Basha - woraus man ableiten darf, dass Ismaik nicht bereit gewesen wäre, Sechzig im Abstiegsfall finanziell über Wasser zu halten.

Dass der Weggang des größten Talents als Transfercoup bezeichnet wird, ist bei Sechzig nichts Neues - die Bender-Zwillinge, einst von Miroslav Stevic transferiert, lassen ebenso grüßen wie Kevin Volland, Moritz Leitner, Fabian Johnson und viele andere. Die Zeit der Notverkäufe, so war es mal geplant, sollte mit einem potenten Investor vorbei sein. So kann man sich täuschen.

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