Wasalauf Zwischen Weltmeistern und Rentnern

Zwei Jahre hat Sven Münch auf den traditionsreichen Wasalauf trainiert. Es ins Ziel geschafft zu haben, macht den Lastwagenfahrer stolz.

Von Patrick Reichardt

Um zu verdeutlichen, welchen Stellenwert dieses Ereignis und dieser Ort für ihn haben, stellt Sven Münch einen Vergleich mit dem Fußball an. "So wie für den FC Bayern das Champions-League-Finale im eigenen Stadion war, so ist der Wasalauf für uns", schwärmt Münch. Etwas Einzigartiges, lange Ersehntes. Zusammen mit seiner insgesamt achtköpfigen Mannschaft startete der Wahlmünchner am Sonntag bei dem traditionsreichen schwedischen Volkslauf der Langläufer, rund eine Woche waren er und sein Team in Schweden. Nicht zum ersten Mal, aber wie immer überwältigt: "Ich bin jetzt das fünfte Jahr oben. Da kriege ich Gänsehaut, das ist das Schönste im Langlauf, das ist legendär."

Alljährlich findet der Wasalauf in der Region Dalarna auf dem Vasaloppsleden statt, einer rund 90 Kilometer langen Strecke durch das Herz von Schweden. Der Start im kleinen Sälen, das Ziel im ebenso kleinen Mora - daran hat sich seit 1922 nichts geändert. Diese Orte sind Sven Münch eine Art Heimat geworden.

Selbst mitgelaufen ist der 35-Jährige am Sonntag aber zum ersten Mal. "Wenn ich das geschafft habe, werde ich im Ziel zittern und heulen", hatte er vorab gesagt. Er hat es geschafft. 4:45 Stunden hat Münch gebraucht, um die 90 Kilometer in der klassischen Technik zurückzulegen. Mit Platz 478 im Endklassement wurde er zehntbester Deutscher, doch das zählte überhaupt nicht. "Damit geht mein Traum in Erfüllung. Ich bin überglücklich", freut er sich noch am Tag danach, geplagt von Muskelkater im Lendenbereich, am Rücken, in den Schultern und in den Armen. "Aber sonst fühl' ich mich ganz gut", erzählt er. Beim Wasalauf geht es eben nicht nur um einen riesigen silbernen Henkelpokal, sondern um das Dabei-Sein. 15 878 Starter sind in diesem Jahr angetreten, da macht auch ein 478. Platz stolz.

15 878 Starter machten sich in diesem Jahr auf die historischen 90 Kilometer des Wasalaufs: "Da kriege ich Gänsehaut, das ist das Schönste im Langlauf, das ist legendär", schwärmt Sven Münch, der erstmals mitgelaufen ist.

(Foto: Jonathan Nackstrand/AFP)

"Dieser Wettkampf ist für jeden Langläufer gleichzusetzen mit einer WM und den Olympischen Spielen. Das Besondere ist, dass Weltmeister und Rentner in einem Feld starten", sagt Münch: "In Skandinavien ist das Volkssport." Meist schaffen es nur sehr wenige Athleten, die nicht aus Norwegen, Finnland oder Schweden stammen, in die Top 200. Der Wasalauf erinnert an den historischen Lauf des Schweden-Königs Gustav I. Wasa, der 1521 auf Skiern vor den Soldaten des dänischen Königs Christian II. geflohen war. Im Vordergrund steht für Münch, die Einzigartigkeit des Wasalaufs "aktiv zu er leben und die Stimmung aufzusaugen. Auf der langen Strecke kann man richtig die Natur genießen, für einen Volkslauf ist das einmalig."

Gewonnen hat diesmal der Norweger John Kristian Dahl. Der 34-Jährige war nach 4:08 Stunden im Ziel und verdiente sich bei dem Wettbewerb nach 2014 seinen zweiten Titel. Bereits zum vierten Mal in Serie gewann damit ein Norweger.

Sven Münch war beim Wasalauf allerdings mehr als nur Athlet. Der Lastwagenfahrer übernimmt seit Jahren bei der achtköpfigen Mannschaft Like2Skike das Management und sorgt für einen reibungslosen Ablauf. Diesmal mit dabei war auch der frühere Langlauf-Profi Franz Göring, der für die Mannschaft die Ski gewachst und Trainingspläne erstellt hatte. Die jungen Teamkollegen stehen für Münch, den sie in der Szene auch "Sven Svensen" nennen, im Vordergrund: "Ich möchte das aufbauen und meine Erfahrungen weitergeben", sagt Münch, der in den vergangenen Jahren eine gewisse Routine aufgebaut hat. Am Sonntag hat sich die Arbeit bereits ausgezahlt: Die 22-jährige Alexandra Svoboda landete unter den Frauen auf einem starken 30. Platz, die Läuferin aus Münchs Team war damit sogar beste Deutsche. Und das, obwohl sie, wie Münch erzählt, "eigentlich ohne Erwartungen ins Rennen ging". Am Montag reiste die zufriedene Münchner Gruppe mit drei Kleinbussen zurück in die Heimat, über Göteborg ging es mit der Fähre nach Kiel und von dort aus nach München.

Für Münch endet damit eine Reise mit zwei Jahren harter Vorbereitung. "Ich bin viele Marathons bei uns gelaufen, habe lange Trainingseinheiten hinter mir", sagt er. Und das alles nur für diesen einen Tag, den 6. März 2016, der für den passionierten Langläufer für immer ein besonderer bleiben wird. Ob Münch noch einmal antreten wird, weiß er jetzt aber noch nicht.

"Mir reicht das, den Wasalauf einmal mitzumachen", hatte er vor dem Rennen betont. Ob er der Ausspruch nach dem Zieleinlauf in Mora am Sonntag wirklich noch gilt, dazu wollte der Routinier dann doch nicht festlegen. "Vielleicht werde ich ja süchtig", sagte er.