Vierschanzentournee Tendenz: Enttäuschung

Ob deutsche Skispringer gut sind oder nicht, ist vor allem für die Springer selbst wichtig und für jene, die mit ihnen Geschäfte machen.

Von Thomas Hahn

Diese eine Tournee ist den Sportplanern des deutschen Skiverbandes (DSV) also noch geblieben, um ihrem Partner RTL zu zeigen, dass nicht nur er, der Kölner Privatsender, gute Arbeit geleistet hat bei der Inszenierung des Skispringens. Sondern dass auch sie, die Sportdesigner aus Planegg, die Millionen aus dem Rechtegeschäft klug genutzt haben, um sich weitere Millionen aus einem weiteren Rechtegeschäft zu verdienen.

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Seit Neujahr 2000 hat RTL mit den damaligen Weltmeistern Martin Schmitt/Sven Hannawald sowie allerhand TV-dramaturgischen Effekten dem Schanzensport neue Dimensionen des Zuspruchs erschlossen. Nun stehen neue Verhandlungen bevor, weil der Vertrag im November endet - da interessiert die Fernsehschaffenden brennend, was der DSV aus dem Boom gemacht hat.

Der Weltuntergang wird dabei übrigens nicht ausgepokert, weshalb niemand zu aufgeregt sein muss: Ob deutsche Skispringer gut sind oder nicht, ist vor allem für die Springer selbst wichtig und für jene, die mit ihnen Geschäfte machen. Nicht einmal der Bestand der Sportart ist in Gefahr. Aus sicheren Quellen verlautet nämlich, dass die Springerei andernorts eine seltene Blüte erlebt, in der Schweiz etwa oder in Österreich. Im Grunde geht es nur um eine nüchterne Bestandsaufnahme zur Arbeit der Abteilung Skisprung im DSV.

Diese Tournee will erst noch gesprungen sein, aber die Tendenz ist klar: Das Team stagniert ausdauernd, der Nachwuchs hat sich nicht durchgesetzt und der technische Wandel hat die Deutschen so überfordert, dass sie die Umstellung auch bei dieser Tournee noch üben.

Da ahnt man schon, dass es nicht mehr reicht, nur den seit Oktober 2004 tätigen Bundestrainer Peter Rohwein zu kritisieren. DSV-Sportdirektor Thomas Pfüller und Skisprung-Leiter Rudi Tusch haben die Abteilung über Jahre in diese trostlose Gegenwart geführt. Und die RTL-Manager dürfte mäßig amüsieren, dass die öffentlich-rechtliche Konkurrenz freudig erfolgreiche DSV-Langläufer, -Biathleten und -Kombinierer inszeniert, die auch vom RTL-Geld profitierten, während ihr Skispringen scheinbar verschont geblieben ist von richtungsweisender Kompetenz.

Irgendwie läuft das auf den Eindruck hinaus, dass der stolze DSV in seiner einträglichsten Sportart den Anschluss verpasst hat, obwohl es ihm weder an Geld fehlte noch an Vorbildern noch an einer Bühne. Genauer gesagt: dass es sich beim DSV-Engagement im Skispringen um eine seit Jahren währende Enttäuschung handelt, die zeigt, dass es nicht reicht, einfach nur reich zu sein.