Trostloses 1:1-Unentschieden Ohne Punch

Der Hoffenheimer Jiloan Hamad vergibt die Chance zum Siegtreffer. Das Spiel hätte eine besondere Wendung nehmen können - so bleibt ein Nachmittag zurück, der keiner Mannschaft weiterhilft.

Von Tobias Schächter

Der häufigste Satz von den Beteiligten nach dem Spiel zwischen der TSG Hoffenheim und Bayer Leverkusen zum Rückrundenauftakt lautete: "Wir hätten natürlich gerne gewonnen." Von Rudi Völler, dem Sportdirektor von Bayer Leverkusen, war das ebenso zu hören, wie von Bayer-Trainer Roger Schmidt oder Jiloan Hamad, dem Mittelfeldspieler der TSG Hoffenheim. Hoffenheim und Leverkusen trennten sich 1:1.

Hamad hatte immerhin eine bemerkenswerte Fußnote geliefert: über ein Jahr war der Schwede nach einer komplizierten Knieverletzung in Wartestellung. Gegen Leverkusen bot ihn TSG-Trainer Huub Stevens überraschend in der Startelf auf - und die Offensivkraft erzielte prompt kurz vor der Pause mit einem kunstvollen Direktschuss aus 16 Metern die Führung für die Gastgeber.

Aber weil Hamad kurz nach der Pause frei vor dem Leverkusener Kasten nicht zum 2:0 traf und Ömer Toprak den Ball mit letzter Kraft zum 1:1 für die Gäste per Kopf über die Linie bugsiert hatte (Bayers Kapitän musste danach wegen eines Zusammenpralls mit TSG-Verteidiger Niklas Süle mit Schädelbrummen und einer Schulterverletzung ausgewechselt werden), taugte Hamads Debüt nicht zur ganz großen Story. "Wenn er das zweite Tor macht, wäre es ein Märchencomeback gewesen", meinte auch TSG-Sportchef Alexander Rosen. Es war ein schöner Tag für Hamad - aber eben nicht mehr.

Die beiden Torschützen im Wettstreit um den Ball: Leverkusens Ömer Toprak und Hoffenheims Jiloan Hamad (links).

(Foto: dpa/Uwe Anspach)

Hoffenheim springt immerhin auf den vorletzten Tabellenplatz

Das Ergebnis hilft keinem der beiden Teams so richtig weiter. Hoffenheim hüpft so zwar vom letzten auf den vorletzten Tabellenplatz, aber der ganz große Befreiungsschlag waren Ergebnis und Leistung nicht. Zumal Darmstadt und Stuttgart - Konkurrenten im Abstiegskampf - durch Siege ihren Vorsprung auf die Hoffenheimer auf sieben beziehungsweise vier Punkte ausbauen konnten.

Am Ende, das gab auch TSG-Trainer Huub Stevens zu, wirkte das 1:1 für die TSG sogar glücklich. Die Leverkusener vergaben in der Schlussphase drei hochkarätige Chancen zum Siegtreffer. "So ist das halt, nun müssen wir mit dem Punkt leben", haderte Bayer-Trainer Schmidt. Für die Champions-League-Ambitionen der Rheinländer war der eine Punkt zu wenig. Wieder einmal vergab Schmidts Elf zu viele klare Torgelegenheiten, um am Ende als Sieger vom Platz zu gehen.

Wie in der Hinrunde: Leverkusen hinkt den eigenen Ansprüchen hinterher

Der Trainer hofft, dass die fehlende Kaltschnäuzigkeit im Abschluss nicht zu einer "Never Ending Story" für Bayer in dieser Saison werden wird. Mit 28 Punkten nach 18 Spieltagen hinkt Leverkusen den eigenen Ansprüchen weiter ein wenig hinterher. In Hoffenheim hielt TSG-Torwart Oliver Baumann selbst die Schüsse des sonst so treffsicheren Javier "Chicharito" Hernandez, was Huub Stevens so kommentierte: "Dafür hat der Torwart Handschuhe an." Schmidt glaubt, noch hätten nicht genug Spieler in seinem Team die sichere Qualität im Abschluss, um öfter als Sieger vom Platz zu gehen. Mittelfeldspieler Christoph Kramer drückte die Schwäche seiner Mannschaft drastischer aus: "In knappen Spielen fehlt uns der Punch."

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In einer fürchterlichen ersten Halbzeit fehlte Bayer in Baden aber noch viel mehr. Ohne Tempo und Ideen wirkte das Spiel des Favoriten gegen die defensiven Hoffenheimer seltsam lasch. "Viel Ballbesitz bringt nichts, wenn man so langsam spielt wie wir in der ersten Halbzeit", kritisierte Kramer. Und nachdem Hoffenheim durch Hamad dann "aus dem Nichts" (Stevens) in Führung gegangen war, dominierte die TSG die erste Viertelstunde nach der Pause. Deswegen, und weil die Elf - wie so oft in der Vorrunde - nicht doch noch ein zweites Tor kassiert hat, zogen die Hoffenheimer aus den 90 Minuten wenigstens etwas Mut für die kommenden Aufgaben.