Der FC Bayern hat Toni Kroos bis zum Sommer 2010 an die Werkself ausgeliehen und hofft, dass Kroos ausgerechnet bei einem Klub reift, der genauso ist, wie der Spieler selbst: bisweilen genial, viel zu oft aber auch etwas nachlässig und naiv.
Wer Toni Kroos Fußballspielen sieht, der findet immer diese Momente, an denen sich die Künstler unter den Fußballspielern identifizieren lassen. Am vorletzten Wochenende, als Bayer Leverkusen beim 1. FC Köln gewann, wechselte Trainer Bruno Labbadia Kroos eine halbe Stunde vor dem Ende ein, die erste Aktion des Spielers war ein feiner, kurzer Pass in den Strafraum. Einige Sekunden später stand es 1:0 für Leverkusen.
Toni Kroos beim Spiel gegen Werder Bremen. (© Foto: dpa)
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Bei Bayers 1:1 gegen Werder Bremen stand der im Winter von Bayern München ausgeliehene Kroos nun erstmals in der Startformation der Werkself, und seine herausragende Veranlagung war wieder nicht zu übersehen. Fast jeder gefährliche Ball in die Spitze lief über den Juniorennationalspieler, auch Tranquillo Barnettas 1:0 bereitete er mit einer klugen Ablage vor. "Das war Klasse", lobte Sportdirektor Rudi Völler, "er hat tolle Aktionen gehabt und einen richtig guten Eindruck gemacht."
Kein Wunder, dass Kroos am Abend der Fröhlichste unter lauter Niedergeschlagenen war. Bayer ist nun Neunter, der Rückstand auf den angestrebten fünften Platz auf sechs Zähler angewachsen, Kroos jedoch sagte: "Ich sehe das 1:1 positiv, wir haben jetzt drei mal nicht verloren." Der junge Mittelfeldspieler war beflügelt von seiner Beförderung.
Vor einigen Wochen konnte sich nämlich noch niemand vorstellen, dass Kroos den in der Vorrunde überragenden Renato Augusto von seinem Platz im rechten Mittelfeld verdrängen würde - nun saß der Brasilianer nur auf der Bank. Und als er nach 77 Minuten eingewechselt wurde, verließ nicht Kroos das Feld, sondern Barnetta. "Der Toni hat im Training von hinten Druck gemacht, hat sich rangekämpft, so muss es sein", sagte Trainer Bruno Labbadia.
Aber Kroos' zweite Bundesligapartie über 90 Minuten (die erste absolvierte er am ersten Spieltag für die Bayern gegen den HSV) zeigte auch, wo die Schwächen des Talents liegen. Als "Defensiv-Schlampe", hat der Kölner Stadt-Anzeiger Kroos bezeichnet, manchmal wirkt er antrittsschwach, und am Sonntag entschloss er sich mehrfach einen Tick zu spät für den Weg in die Defensive.
Einmal verfolgte er Mesut Özil, und als der Bremer zu enteilen drohte, versuchte Kroos ein Foul - doch selbst dafür fehlte ihm das Tempo. "In ein paar Situationen hat man gemerkt, dass er noch nicht ganz so in dem System drin ist", sagte Labbadia, aufgrund seiner offenkundigen Defizite wurde Kroos einmal gar aus der U21 in die U20 zurückversetzt. Am Sonntag attestierte Labbadia seinem Schüler aber "alles in allem ein gelungenes Debüt in der Startelf".
Der FC Bayern, der Kroos bis zum Sommer 2010 an die Werkself ausgeliehen hat, hofft, dass Kroos ausgerechnet bei einem Klub reift, der genauso ist, wie der Spieler selbst: bisweilen genial, viel zu oft aber auch etwas nachlässig und naiv. Theoretisch könnte Bayern-Manager Uli Hoeneß den Offensivspieler sogar schon in diesem Sommer zurückholen, dann müssten sie allerdings eine Aufwandsentschädigung nach Leverkusen überweisen.
Obwohl Kroos das Potential besitzt, die frappierende Münchner Schwäche bei Standardsituationen zu beheben, ist das kaum zu erwarten, denn Hoeneß will "einen fertigen Spieler" zurückbekommen. Und die Leverkusener Zeit von Toni Kroos, dessen 18-jähriger Bruder Felix bei Hansa Rostock ebenfalls gerade zum Stammspieler herangewachsen ist, hat ja erst jetzt so richtig begonnen.
- Bundesliga: Stuttgart - Hamburg Die Meistermacher 12.04.2009
- FC Bayern Das verlorene Erbe 12.04.2009
(SZ vom 14.04.2009/jüsc)
Konsequenz der Loveparade-Katastrophe
Er ist der beste Vorbereiter der Bundesliga, aber die Ansprüche sowohl von Bayenr als auch eigentlich von Leverkusen gehen darüber hinaus und wie man gegen Barcelona sehen konnte, war der Schnelligkeitsunterschied gewaltig.
Ich will mir jetzt nicht anmaßen, die Antrittschnelligkeit von Toni Kroos zu beurteilen, dafür habe ich ihn noch zu selten spielen sehen. Aber für einen Spieler auf seiner Position ist Antrittsstärke nicht ganz so wichtig wie für einen Stürmer oder auch einen Verteidiger.
Auch ein Weltklassefussballer wie Xavi ist jetzt nicht für seine Antrittsstärke berühmt. Ebenso hat ein David Beckham seine vielen internationalen Einsätze nicht seinen Hochgeschwindigkeitsdribblings zu verdanken.
Gleiches gilt auf Bundesliganiveau: Das hat man ja auch Misimovic von Wolfsburg immer vorgeworfen, dass er zu langsam sei. Im Augenblick ist er der beste Vorbereiter der Bundesliga. Und wer solche Pässe spielt wie Misimovic auf Dzeko beim Sieg über die Bayern, der kann ruhig ein bisschen langsamer laufen. Der Ball ist sowieso immmer schneller....(5 Euro ins Phrasenschwein)
Antrittsschwäche/fehlende Schnelligkeit ist wohl das größte Ausschlusskriterium im modernen Fussball.
Man kann nur hoffen, dass dies nicht wirklich der Fall ist, denn wenn wir wirklich an Spanien rankommen wollen, braucht man schnelle Spieler.
Der Artikel ist ja schon deutlich. Straf-Rückversetzung in die U20 ...wobei ich da vorsichtig wäre, Toni Kroos war verletzt und das könnte auch der Grund gewesen sein.
Allerdings war schon vor Wochen zu lesen, dass er auch innerhalb des DFB inzwischen als Problemfall gilt.
Am meisten zu denken geben mir immer Warnungen wie "antrittsschwach". Man hat ja letzte Woche in der CL gesehen, wohin das dann führt. Und das ist dann vielleicht doch der Grund, warum Barcelona auf einen Bojan Krkic setzt, den Toni Kroos bei der U17-WM noch ausgestochen hatte.
p.s. Das letzte deutsche Riesentalent war ein gewisser "Alexander Baumjohann" .. mal sehen, was aus dem noch wird.
Alle haben sich da gewundert, warum Toni Kroos vor ein paar Monaten zu den Leverkusenern gewechselt ist. Aber für den FC Bayern bringt er momentan noch nicht die Voraussetzungen um ernsthaft Stammspieler zu werden, in dem Artikel wird ja beschrieben was ihm da noch fehlt. Ich hoffe aber trotzdem ihn bald wieder in München spielen zu sehen. Denn ein feiner Fußballer ist er allemal.