Von Claudio Catugono

Selbstauskünfte in letzter Minute und viele offene Fragen - der Sportausschuss ringt mit dem DOSB um die Dopingbekämpfung.

Es ging auf 19 Uhr zu, hinter bodentiefem Glas leuchtete weihnachtlich das Reichstagsgebäude, als Peter Rauen vorschlug, den Catering-Service zu holen. Fast fünf Stunden hatten die Abgeordneten des Bundestags-Sportausschusses da schon diskutiert: über Versäumnisse der Sportverbände im Antidoping-Kampf, vor allem aber über das Bundesinnenministerium (BMI) und den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), die sich in dieser Frage nach Auffassung mehrerer Abgeordneter durch sträfliche Trägheit auszeichnen.

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SPD-Politiker Peter Danckert findet die Rolle von BMI und DOSB "unerfindlich", "erschreckend", "primitiv". (© Foto: AP)

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Nun sagte Rauen, ein alter CDU-Fahrensmann aus der Eifel, der seit 1987 im Bundestag sitzt: "Eine so emotionale Ausschuss-Sitzung habe ich in all den Jahren noch nicht mitgemacht." Er klang erschöpft, hungrig - aber auch ein bisschen stolz. Das Parlament kümmert sich, war das nicht die Botschaft des Abends?

Es ging um zwei unterschiedliche Fragen - und doch um ein Gesamtbild des deutschen Sports. Erstens um die BMI-Prüfgruppe, die vor genau einem Jahr schwere Pflichtverletzungen in mehreren Verbänden aufgedeckt hatte: Die Richtlinien der Nationalen Antidoping-Agentur (Nada) waren dort gar nicht, halbherzig oder willkürlich umgesetzt. Was, wurde der Parlamentarische Staatssekretär Christoph Bergner (CDU) nun gefragt, ist seit dem Abschlussbericht der Taskforce geschehen?

Eilig eingeholte Selbstauskünfte

Zweitens ging es um die Frage, ob die Verbände aus ihren Versäumnissen gelernt haben. Haben sie den neuen, ab Januar 2009 gültigen Nada-Kodex diesmal in ihren Satzungen verankert? Fristgerecht? Und rechtlich eindeutig, sodass sich ein "Fall Florian Busch" nicht wiederholen kann? Der Eishockeyprofi war trotz verweigerter Dopingprobe einer Sperre entgangen, weil der Deutsche Eishockeybund den Nada-Code jahrelang nicht formal anerkannt hatte. Dennoch hatten zuletzt weder DOSB noch Nada darüber Auskunft geben können, ob die Verbände diesmal im Zeitplan liegen.

Nun überbrachte Michael Vesper den Parlamentariern "eine gute Nachricht, wie ich finde". Alle 33 olympischen Verbände hätten pünktlich zum Jahresanfang Rechtssicherheit geschaffen, sagte der DOSB-Generaldirektor, nur einige Randsportarten benötigten Aufschub bis ins Frühjahr hinein. Allerdings musste Vesper einräumen, dass diese Angaben auf eilig eingeholten Selbstauskünften beruhen, manches Detail musste sich die Nada sogar auf den Internetseiten der Verbände zusammenklauben.

Noch auf dem Weg nach Berlin hatten Vesper am Mittwoch die letzten Faxe und Mails erreicht. Wann das alles rechtsverbindlich überprüft wird, um bei Verstößen gegebenenfalls öffentliche Mittel zu kürzen oder zu streichen? Frühestens 2010.

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