Serie A Pfiffe gegen Italien

Der römische Rechnungshof verklagt Schiedsrichter wegen Rufschädigung auf 120 Millionen Schadenersatz. Strippenzieher Moggi ist dagegen bester Laune.

Von Birgit Schönau

Fast drei Jahre nach dem Manipulationsskandal um den ehemaligen Juventus-Turin-Manager Luciano Moggi und die offensichtlich von ihm dirigierten Verbandsfunktionäre und Schiedsrichter fangen die rekordverdächtig langsamen Mühlen der italienischen Justiz tatsächlich an zu mahlen. Eine Reihe von Prozessen überzieht das Land, der kurioseste steigt ab Montag in Rom.

Da hat der Rechnungshof der Republik Italien 18 Referees und Sportfunktionäre auf Schadensersatz verklagt, weil sie in Ausübung eines öffentlichen Amtes dem Ansehen Italiens geschadet hätten. Nicht einmal der WM-Titel von 2006 habe den guten Ruf des Landes und seines Fußballs wieder herstellen können, heißt es in der Klageschrift: "Das beweist der Ausschluss Italiens bei der Vergabe der Europameisterschaft 2012." Oder gibt es einen anderen, einleuchtenden Grund dafür, dass Italien ausgerechnet Polen und der Ukraine unterlegen ist? Eben.

Für diese Schmach, den Zuschauerrückgang, die "Schwierigkeiten, nach dem Skandal überhaupt die neue Saison zu planen", die Verzögerungen bei dem nachfolgenden Saisonstart und den Kundenboykott beim Fußballtoto sollen die Schiedsrichter und ihre Betreuer jetzt zahlen. Der Rechnungshof verlangt die runde Summe von 120 Millionen Euro.

Nun ist einerseits das Ansehen Italiens natürlich viel, viel mehr wert. Andererseits fallen einem spontan eine ganze Reihe von Leuten ein, die Italien in der Welt mindestens so sehr runtergeputzt haben wie das verdrucksten Gestammel des gefügigen Schiedsrichters Massimo De Santis am Telefon mit Luciano Moggi. Und wenn der Rechnungshof alle diese anderen Herren - plus einige Damen - zur Kasse bitten würde, wären zumindest die Renten in der Repubblica Italiana auf Jahre sicher.

Aber darum geht es nicht. Es wird interessant sein zu verfolgen, ob die Richter sich der Argumentation des Rechnungshofes anschließen, Fußball-Schiedsrichter seien Amtsträger, also eine Art verlängerter Arm des Staates und als solche keinesfalls gewöhnliche Taschendiebe. Das nämlich ist die Gretchenfrage dieses Schadensersatz-Prozesses.

Luciano Moggi, der den italienischen Staat nie und in keiner Form vertreten hat, am wenigsten auf einem Fußballplatz, wird aus ersichtlichen Gründen von niemandem um Schmerzensgeld gebeten. Er hat von einem anderen römischen Gericht vergangene Woche ein erstes Urteil kassiert. Es setzte eine Haftstrafe von 18 Monaten wegen Nötigung. Moggis Sohn Alessandro bekam 14 Monate, Davide Lippi, der Spross von Nationaltrainer Marcello Lippi, wurde freigesprochen.