Schriftlicher Konter Digel fordert Entschuldigung

Der ehemalige Leichtathletik-Funktionär wehrt sich in einem Offenen Brief gegen die heftigen Attacken von Alfons Hörmann, dem Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes.

Von johannes aumüller, Frankfurt

Nach dem Rundumschlag von Präsident Alfons Hörmann auf der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Hannover gegen die nationale Politik und manche Sportfunktionäre fordert nun auch der frühere Leichtathletik-Funktionär Helmut Digel eine Entschuldigung. Bei der Attacke des obersten deutschen Sport-Bosses handele es sich "um eine Entgleisung, die für mich einer persönlichen Verleumdung gleicht", schrieb er in einem offenen Brief. Digel, 72, war viele Jahre Vize-Präsident und Vorstandsmitglied der internationalen Leichtathletik-Föderation IAAF, die zuletzt wegen ihres Doping- und Korruptionssystems in die Schlagzeilen geriet. Hörmann sagte in Hannover, Digel habe jahrelang an der Seite des ehemaligen Weltverbands-Präsidenten Lamine Diack gearbeitet, ohne zu erkennen, dass "sein Präsident mit Gaunermethoden vorgeht". Digel entgegnete nun, er habe den Kampf gegen Doping als "Lebensaufgabe" betrachtet. "Sie setzen ein Gerücht in die Welt, ohne einen einzigen Beleg auf den Tisch zu legen", schrieb er an Hörmann gerichtet.

Vor Digel hatte sich bereits Theo Zwanziger, früher Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sowie von 2011 bis 2015 Mitglied in der Exekutive des Fußball-Weltverbandes Fifa, in ähnlichen Worten über Hörmann geäußert. "Wenn er Charakter hätte, würde er sich entschuldigen", sagte Zwanziger der SZ. Hörmann hatte den früheren Fußball-Funktionär angegangen, weil er während seiner internationalen Tätigkeit nichts von den Skandalen im Weltverband mitbekommen oder dagegen unternommen habe. Zwanziger entgegnete, diese Kritik sei oberflächlich und schäbig. Der DOSB wollte sich auf Anfrage zu den von Digel und Zwanziger geforderten Entschuldigungen nicht äußern.