Nürnbergs erster Derbysieg seit 2008 Hulk in Rot und Schwarz

Nürnbergs Niclas Füllkrug, früher schon eine Saison in Fürth tätig, gerät beim 2:1 zum Matchwinner im 260. Frankenderby - und spannt die Muskeln an.

Von Patrick Reichardt, Nürnberg

Der Held des 260. Frankenderbys erschien mit blau-weißen Badeschlappen und einem so breiten Grinsen, dass es vermutlich bis ins 14 Kilometer entfernte Stadion in Fürth gestrahlt hat. Wie man sich denn nun fühle nach einem Eintrag in das fränkische Fußball-Geschichtsbuch, wurde er gefragt. "Es ist geil, aber da kann ich jetzt noch nichts dazu sagen", sagte Niclas Füllkrug also sichtlich aufgewühlt unmittelbar nach dem 2:1-Sieg des 1. FC Nürnberg gegen Greuther Fürth. Sein später Siegtreffer (84.) hatte Füllkrug schnurstracks in die Fankurve geführt, wo er sich aufbaute und seine Muskeln spannte wie ein rot-schwarzer Hulk, der den Endkampf gerade mit einem beeindruckenden Knockout für sich entschieden hatte.

Seit November 2008 mussten die Nürnberger auf einen Sieg im ältesten aller Derbys in Deutschland warten. Während sich in dieser Zeit Trainer, Mannschaft und Ligazugehörigkeit auf beiden Seiten mehrere Male änderten, war eines wieder so wie damals im November, vor mehr als sieben Jahren. Zum Nürnberger Helden wurde einer, der eine sportliche Vergangenheit in Fürth hat. 2008 Christian Eigler, 2016 Niclas Füllkrug. "Eine Genugtuung war es nicht, aber es tat gut, in so einem Spiel wieder zu treffen. Das freut mich einfach", sagte er.

Seine Zeit am Fürther Ronhof, wo er in der Saison 2013/2014 spielte, nennt er "einfach nur eine Vergangenheit. Man sieht, dass ich mich hier deutlich wohler fühle. Nürnberg ist zu einem Stück Heimat geworden." Der damalige Matchwinner Eigler sagt übrigens noch acht Jahre nach seinem Siegtor gegen Fürth: "Nie werde ich das vergessen. Es war einer der großen Höhepunkte meiner Karriere."

Harter Kampf, viel Leidenschaft

Die 45.666 Zuschauer im Nürnberger Stadion bekamen am Freitagabend, wie so oft in diesem Duell, einen harten Kampf und viel Leidenschaft statt Spiellust und Kombinationsfreude geboten. "Es war ein zähes Spiel", bilanzierte Nürnbergs Trainer René Weiler. Nach dem frühen Rückstand durch Robert Zulj wurde es für den FCN mental noch schwieriger. "Wir wollten unbedingt etwas erreichen, doch das gelang uns zu Beginn überhaupt nicht", so der Trainer. Grund dafür sei vor allem die immense Last und der Druck gewesen, dem seine Mannschaft im Kampf um den Aufstieg ausgesetzt ist. Die Last dürfte nach dem Derbysieg abgefallen sein. "Wir sind super glücklich, dass wir mal wieder ein Frankenderby gewinnen konnten. Das tut uns allen gut", stellte Weiler fest.

Fürths Coach Stefan Ruthenbeck hatte ein Spiel gesehen, bei dem sich die beiden Kontrahenten "90 Minuten lang auf Augenhöhe begegneten". Besonders erfreut hatte ihn, dass die mitgereisten Fans den couragierten und einsatzfreudigen Auftritt seiner Mannschaft mit Applaus belohnten. "Normal wirst du nach einer Derby-Niederlage beschimpft und ausgebuht." Dass es diesmal nicht so war, bereitete Ruthenbeck kurzzeitig sogar "eine Gänsehaut". Sportlich konnte der Trainer trotzdem nicht zufrieden sein. "Wir haben nicht ohne Grund 38 Gegentore", sagte er und schilderte noch einmal die beiden Nürnberger Treffer.

Vor allem das 1:1 durch Sebastian Kerk (40.) hatte Ruthenbeck gewurmt. "Wenn er an vier Leuten vorbeikommt, dann haben wir einfach Scheiße gebaut. Dann gab es eine Fehlerkette, die keiner durchbrochen hat." Zwei individuelle Schwächen verdarben den Fürthern das so wichtige Derby, das auch für den Rest der Saison Schwung verleihen sollte. "Das ist bitter für uns, wir sind da auch niedergeschlagen", sagte Ruthenbeck, relativierte aber gleich: "Aber nur für heute."