Nach Tod eines Linienrichters Vorwürfe gegen niederländischen Fußballverband

Flagge auf Halbmast am Klubheim: Der SC Buitenboys trauert um das getötete Vereinsmitglied.

(Foto: dpa)

Hätte die tödliche Attacke auf einen Linienrichter verhindert werden können? Bereits früher sollen Spieler des niederländischen Klubs SV Nieuw Sloten den Trainer einer gegnerischen Mannschaft mit dem Tode bedroht haben. Ehrenamtliche Helfer hatten den Verband informiert, doch dieser griff offenbar nicht hart genug durch.

Ehrenamtliche Helfer anderer Amateur-Fußballklubs erheben nach dem tödlichen Angriff von Jugendlichen auf einen Linienrichter in den Niederlanden schwere Vorwürfe gegen den nationalen Fußballverband KNVB. Dieser habe trotz Warnungen nicht hart genug auf frühere Taten von Spielern der A1- und der B1-Mannschaft des SV Nieuw Sloten - reagiert, obwohl die Schiedsrichter sie in ihren Berichten deutlich beschrieben hätten.

Aufgeführte Zeugen seien nach früheren Vorfällen nicht angehört worden. Es heißt, der KNVB habe nur nach der Papierlage bestraft.

Dabei sollen Spieler der inzwischen vom Spielbetrieb ausgeschlossen B1 von Nieuw Sloten bereits im Oktober Morddrohungen gegen den Trainer des FC Almere ausgesprochen haben. "Wenn du nicht schon über 50 wärst, würden wir dich totschlagen", sollen sie gesagt haben. Der Mann sei ins Vereinsheim geflüchtet. Die Spieler des FC Almere traten aus Angst nicht zum Rückspiel an.

Nach dem Spiel von Nieuw Sloten beim SC Buitenboys in Almere war der 41 Jahre alte Schiedsrichter-Assistent Richard Nieuwenhuizen zu Tode geprügelt worden. Wie die Tageszeitung Telegraaf berichtet, sollen fünf statt wie bislang vermutet drei Jugendliche an der Tat beteiligt gewesen sein.

Der Fall von Almere rückt eine bekannte Diskussion um Gewaltexzesse in den unteren Ligen der Niederlande erneut ins Licht. Zuletzt verfolgte der Verband diese keineswegs untätig. Wie der KNVB bereits im August mitteilte, schloss er im Verlauf der vergangenen Saison wegen Gewalttätigkeiten insgesamt 105 Mannschaften aus den Amateurligen aus, allein 74 Akteure wurden lebenslänglich gesperrt. Nach harter Kritik am kollektiven Ausschluss ganzer Mannschaften soll die Suspendierung von Teams allerdings nur noch in allerletzter Konsequenz vorgenommen werden.

Die niederländischen Verbände für Schwimmen (KNZB), Volleyball (Nevobo) und Eishockey (NIJB) haben zu einer Schweigeminute am Wochenende aufgerufen. "Wir sind schockiert und auch wütend, dass ehrenamtliche Helfer bei ihrer Tätigkeit von solch einer Gewalt getroffen werden können. Wir rufen alle Mitglieder auf, respektvoll mit allen ehrenamtlichen Helfern wie Schiedsrichtern und Jury-Mitgliedern umzugehen", erklärte der Direktor des Fußballverbandes, Jan Kossen.

Aus Anteilnahme an dem gewaltsamen Tod des Linienrichters wird der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) am Sonntag bei allen Spielen im Verbandsgebiet eine Schweigeminute durchführen. Das kündigte der FLVW am Mittwoch in einer offiziellen Mitteilung an. "Es ist uns wichtig, damit ein Zeichen gegen Gewalt zu setzen", sagte FLVW-Präsident Hermann Korfmacher am Mittwoch. Der FLVW empfinde tiefes Mitgefühl mit Nieuwenhuizens Familie, seinen Freunden, seinem Verein und dem niederländischen Fußball.