Motorrad-WM Signor Rossi auf dem Weg zum Glück

Valentino Rossi hat mit dem Sieg beim Großen Preis von Australien - seinem achten Saisonsieg - den Titel als Motorrad-Weltmeister in der MotoGP-Klasse verteidigt. Erst zu Saisonbeginn hatte der Italiener den Wechsel von Honda zu Yamaha gewagt.

Valentino Rossi hat sich mit seinem "größten WM-Titel" schon zu Lebzeiten ein Denkmal gesetzt. "Gegen Valentino ist derzeit kein Kraut gewachsen. Er ist ein absolutes Phänomen und der mit Abstand beste Motorrad-Fahrer seiner Zeit", meinte Steve Jenkner anerkennend. Mit seinem Triumph stahl Superstar Rossi auch dem Spanier Daniel Pedrosa als jüngstem 250er-Weltmeister aller Zeiten die Show.

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Yamaha gegen Honda, Rossi (46) gegen Herausforderer Sete Gibernau (15) aus Spanien. In der letzten Runde schnappte sich der Italiener nicht nur den Sieg in Australien, sondern auch den WM-Gesamtsieg.

(Foto: Foto: AP)

Jenkner fuhr in der Achtelliterklasse auf Rang fünf, der als Weltmeister feststehende Italiener Andrea Dovizioso gewann auch das vorletzte Rennen des Jahres auf Phillip Island in Australien. Dario Giuseppetti (Berlin/Honda) wurde 22., Aprilia-Pilot Dirk Heidolf (Hohenstein-Ernstthal) schied bei den 250ern aus, Alex Hofmann (Bochum) fuhr in der MotoGP als 13. zum 11. Mal in die Punkte.

Seit der Einführung der neuen Königsklasse 2002 gingen alle Titel an Rossi, dennoch war sein insgesamt sechster WM-Triumph für den "Michael Schumacher des Motorradsports" ein ganz besonderer.

Nach dem Zieleinlauf zog er sich ein T-Shirt mit der Aufschrift "Che spectaccolo" ("Was für eine Show") über: "Die Emotionen bei meinem ersten WM-Gewinn 1997 waren unbeschreiblich. Aber dieser Titel ist für mich der größte, weil ich selbst nicht damit gerechnet habe."

Vor der Saison war der "Dottore" von Honda zu Yamaha gewechselt und bescherte seinem neuen Arbeitgeber trotz einer der Konkurrenz unterlegenen Maschine den ersten Titel in der größten Klasse seit Wayne Rainey 1992. "Sein Erfolg war gut für uns alle. Man hat gesehen, dass der Fahrer mehr zählt als das Material", meinte Jenkner. "Aber außer ihm hätte das sicher keiner geschafft."

Motorrad-Fans in aller Welt verehren Rossi als Perfektionisten und Lebemann, als Star mit Emotionen und Macken, doch in der Szene munkelt man schon seit Jahren über einen bevorstehenden Wechsel des bestbezahlten Sportlers Italiens (Jahreseinkommen: 15 Millionen Euro) in die Formel 1.

Bei Testfahrten im April in Fiorano blieb Rossi unter den Augen von Weltmeister Michael Schumacher nur drei Sekunden über dessen Rundenrekord. "Valentino ist ein Phänomen. Er hat Rennfahrerblut in sich und könnte den Sprung in die Formel 1 schaffen", erklärte Schumacher anschließend beeindruckt.

Für Pedrosa ist Rossi aber ein Fluch. Dabei schrieb der Spanier auf Phillip Island selbst Geschichte: Er kürte sich im Alter von 19 Jahren und 20 Tagen zum jüngsten Viertelliter-Weltmeister aller Zeiten und schaffte es als erster Fahrer nach dem Italiener Carlo Ubbiali (1959/1960), in zwei aufeinanderfolgenden Jahren die Titel in den Klassen bis 125 und 250 ccm einzufahren.

Doch wie im Vorjahr machte Pedrosa seinen Erfolg am gleichen Tag perfekt wie Rossi und stand bei seiner Jubelfeier wieder nur im Schatten des exzentrischen Superstars. "Das ist schade für ihn, denn er ist in diesem Jahr beeindruckend gefahren", meinte Jenkner.

Der Sachse hofft, im nächsten Jahr ebenfalls bei den 250ern fahren zu dürfen, die Klasse bis 125 ccm muss der 28-Jährige aus Altersgründen verlassen. "Die Zusage für eine Maschine haben wir schon, aber ich würde es nicht machen, wenn ich ab der Hälfte des Jahres nur noch alte Kolben fahren könnte", sagte der WM-Siebte: "Deshalb hängt meine Zukunft an der Zusage des Hauptsponsors."