Magdalena Neuner Plötzlich mit Gefolge

Biathlon-Weltmeisterin Magdalena Neuner genießt in Antholz ihre Erfolge - und erträgt den Trubel gelassen.

Von Joachim Mölter

In aller Stille, fern jeder Fernsehkamera, jeden Fotoapparats, spazierte Magdalena Neuner in diesen Tagen entlang der Loipe im Biathlonzentrum von Antholz, nur drei Touristen hielten sie auf. Sie baten um ein Autogramm, Magdalena Neuner blieb stehen und schrieb, sie nahm sich sogar Zeit, etwas zu plaudern. Sie bekam wohl etwas Nettes gesagt, denn sie lächelte danach noch mehr und nickte ein paar Mal mit dem Kopf wie ein Kind, das sich verlegen für ein Lob bedankt. Nach zwei, drei Minuten trennten sich die Wege, und man konnte sehen, dass Magdalena Neuner wieder ein paar Menschen mehr eine Freude gemacht hatte.

Biathlon-Weltmeisterin Magdalena Neuner

Biathlon-Weltmeisterin Magdalena Neuner.

(Foto: Foto: dpa)

Es gab auch solche Momente des Innehaltens, der kleinen Begegnungen in dieser Woche, in der Magdalena Neuner zur neuen Königin des deutschen Biathlons ausgerufen wurde dank ihrer WM-Titel im Sprint und in der Verfolgung sowie ihres fröhlichen, jungen Gesichts. Aber diese Momente waren selten. Vor dem Hotel der deutschen Biathleten warteten 60, 70 Leute, um sie zu sehen, jeden Tag wurden es mehr. ,,Man fühlt sich wie ein Tier im Zoo, wenn man dauernd durch die Fensterscheibe fotografiert wird'', berichtete die Teamkollegin Martina Glagow. Das ist momentan Magdalena Neuners einzige Sorge: ,,Dass das alles aus den Fugen gerät und die Leute bei mir daheim vor der Tür stehen. Mir ist wichtig, dass mein Privatleben privat bleibt.'' Das wird zunehmend schwierig: Wo Magdalena Neuner zuletzt auftauchte, bewegte sie sich schnell inmitten eines großen Gefolges.

Am Donnerstag war zum Beispiel ein Fototermin anberaumt worden, auf dem zugefrorenen Antholzer See sollte sie posieren als normale junge Frau, in Jeans und Daunenweste, mit einem Hund spielend. Es waren viele Fotografen da, und hinter denen rückten allmählich immer mehr Fans immer näher - bis ihnen Einhalt geboten wurde. Das Eis knarzte und ächzte, aber es hielt dem Druck des öffentlichen Interesses stand. Magdalena Neuner schafft das zur Zeit noch ohne Ächzen und Knarzen. Auch das ist eine Leistung für eine Frau aus einem kleinen Ort namens Wallgau in Oberbayern, die an diesem Freitag erst 20 geworden ist.

Viele Erfahrungen

Kati Wilhelm, Deutschlands Sportlerin des vergangenen Jahres, kann nachempfinden, wie es ihrer Teamgefährtin ergeht. Die 30-Jährige ist auch mal überraschend Sprint-Weltmeisterin geworden, vor sechs Jahren, ,,aber bei mir war das noch eine andere Zeit'', sagt die dreimalige Olympiasiegerin: ,,Bei mir haben alle Leute den Titel als Eintagsfliege angesehen, von Lena wird schon erwartet, dass das öfter passiert.'' Das nächste Mal bereits an diesem Samstag, wenn die Frauen zur Entscheidung im Massenstart antreten.

Bundestrainer Uwe Müssiggang fühlt sich ob des Ansturms auf seine jüngste Athletin jedenfalls genötigt, daran zu erinnern, dass er sie im Grunde nur zum Lernen mitgenommen hat: ,,Sie weiß, dass sie hier Fehler machen darf, und sie wird auch noch eine ganze Menge Erfahrungen mitnehmen in den nächsten Weltcups.'' Aller Wahrscheinlichkeit nach nicht nur gute. ,,Es wird auch wieder Tiefen geben, aus denen sie sich hocharbeiten muss'', sagt Müssiggang, 55, aus Erfahrung von 17 Jahren als Trainer.

An kommende Tiefen muss Magdalena Neuner nicht denken in diesen Tagen. Sie genießt ihre Erfolge und erträgt den Trubel, der ihnen folgte, bislang gelassen. ,,Es ist schon alles aufregend'', sagt sie, ,,aber es freut einen doch, wenn einen die Leute toll finden. Und es ist immer schöner, etwas zu erzählen, wenn man Erfolg hat, als wenn man Misserfolg hat.'' Es ist das unbekümmerte Lächeln, mit dem sie solch nette Sätze sagt, das den Leuten gefällt. ,,Wir freuen uns über ein Gesicht, das wir in den nächsten zehn plus x Jahren noch sehen werden'', hat Alfons Hörmann gesagt, der Präsident des Deutschen Skiverbandes (DSV). Trainer Müssiggang erfreut sich indes eher an den sportlichen Fähigkeiten. ,,Nur mit Unbekümmertheit allein kommt man nicht weit'', sagt er: ,,Magdalena hat eine starke Physis, und sie ist auch im Kopf sehr weit.''

Magdalena Neuner hatte ja auch lange Zeit, sich gedanklich auf alles vorzubereiten: ,,Biathletin ist mein Traumberuf'', sagt sie, ,,das war er schon immer.'' Dass sie vermutlich bald zu den höchstbezahlten Vertreterinnen ihrer Branche gehört, interessiert sie allerdings wenig. Um die Geschäfte kümmert sich ihr Manager Stephan Peplies, und der lässt sie momentan weitgehend in Ruhe mit den Angeboten, die bei ihm eingehen. Und ,,das Geld kommt aufs Sparbuch und bleibt da liegen'', versichert Magdalena Neuner: ,,Mein Papa arbeitet auf der Bank, der hält da die Hand drauf.''

Von einer Anfrage hat sie aber doch erzählt in Antholz, obwohl es ihr ein wenig unangenehm war: ,,Ob ich mich für den Playboy ausziehe.'' Und? ,,Würde ich nicht, das sollen andere machen'', hat sie gesagt. Sie kommt ja aus einer katholischen Familie.