Machtkampf beim HSV Fragwürdige Spielchen

Rafael van der Vaart will trotz laufenden Vertrages unbedingt zum FC Valencia wechseln. Doch der Hamburger SV sollte hart bleiben, sonst drohen Nachahmer.

Von Ein Kommentar von Thomas Hummel

Der Fall van der Vaart entwickelt sich zu einem üblen Machtkampf. Der Spieler hat ein Angebot vorliegen vom FC Valencia und ist entschlossen, diese Offerte anzunehmen. Der niederländische Mittelfeldspieler ist zwar bis 2010 an den Hamburger SV vertraglich gebunden - doch das interessiert ihn nicht. Nun fehlte van der Vaart am Donnerstag beim ersten Spiel um die Qualifikation zum Uefa-Cup in Budapest (0:0). Der offizielle Grund: Zwei Tage zuvor habe er sich beim Heben seines 14 Monate alten Sohnes einen Hexenschuss zugezogen. Hätte er in Budapest gespielt, wäre er für etwaige Champions-League-Spiele für den FC Valencia im Kalenderjahr 2007 gesperrt gewesen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Van der Vaart wäre nicht der erste Spieler, der mit fragwürdigen Methoden seinen Wechsel erzwingen will. Etwa Khalid Boulahrouz vor einem Jahr. (Siehe auch: Erpresste Wechsel). Im Hintergrund wirkt dabei (wie fast immer) ein Spielerberater. Diesmal heißt er Sören Lerby. Der frühere dänische Nationalspieler betreibt offensiv van der Vaarts Wechsel. Spielerberater erhalten bei einem Transfer eine Provision, meistens zehn Prozent der Ablösesumme. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Auf der anderen Seite steht der Hamburger SV. Rafael van der Vaart ist unbestritten sein wertvollster Spieler. In Budapest wurde dies deutlich, die Offensive agierte ohne Überraschungsmomente, ohne Esprit, ohne Ideen. Doch was soll der Verein tun mit einem Star, der vorgibt, nicht mehr für den Verein spielen zu wollen?

Der Klub kann dem Drängen van der Vaarts nachgeben. Ein Teil der Fußballexperten plädiert dafür, es sei sinnlos, einen unzufriedenen Spieler zu halten, er belaste die Atmosphäre und bringe ohnehin keine Leistung mehr. Lieber den Preis hochtreiben und dann weg damit. In diesem Sinne wären dann auch Aussagen von Sportchef Dietmar Beiersdorfer zu verstehen, man werde van der Vaart unter keinen Umständen abgeben. Bekannte Worte aus den Fällen van Buyten und Boulahrouz, auch bei Miroslav Klose in Bremen.

Andererseits kann der HSV van der Vaart zum Bleiben zwingen. Und das wäre auch die mittelfristig bessere Lösung. Erstens, weil Hamburg den Holländer sportlich nicht adäquat ersetzen kann. Zweitens ist die Offerte Valencias (14 Millionen Euro) finanziell nur mäßig attraktiv, auch weil van der Vaarts früherer Verein Ajax Amsterdam dabei mitverdienen würde. Und drittens wäre das Zeichen an die anderen Profis, dass man mit derartigen Spielchen seinen Weggang provozieren kann, fatal. Nach van Buyten, Boulahrouz und van der Vaart könnte sich der Hamburger SV bald auf den nächsten Wechselwilligen einstellen.

Das Modell des starken Vereins ist 800 Kilometer weiter südlich zu sehen. Owen Hargreaves wollte vor einem Jahr unbedingt zu Manchester United, 26 Millionen Euro Ablöse wurden geboten, doch die Verantwortlichen bei Bayern München blieben hart. Sie wussten, dass sie Hargreaves sportlich so schnell nicht ersetzen können. Zwar wurde nicht sichtbar, ob sich der Engländer überwunden hätte, für Bayern Leistung zu bringen, Hargreaves verletzte sich und fiel die gesamte Vorrunde aus. Doch immerhin wissen nun die Profis beim FC Bayern, dass Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge im Zweifel am längeren Hebel sitzen. Und ein Jahr später konnten die Münchner Hargreaves immer noch an Manchester verkaufen. Zum gleichen Preis.

Davon kann man auch bei van der Vaart ausgehen. Der 24-Jährige kann es sich aus Karrieregründen kaum leisten, ein Jahr lang schlecht zu spielen oder sich gar auf die Bank zu setzen. Valencia oder andere Vereine werden in einem Jahr wieder anklopfen. Auch deshalb ist das Risiko für den Hamburger SV bei einem erzwungenen Verbleib des Holländers überschaubar.