4:0-Sieg gegen Freiburg Bis der Zahn rausfällt

Leipzigs Diego Demme erzielt sein erstes Bundesliga-Tor -unter Schmerzen. Die Sachsen erspielen einen ansonsten problemlosen Sieg, der sie der Champions League näher bringt. Die Planungen dazu schreiten voran.

Timo Werner merkte zuerst, dass etwas nicht stimmte. Mit einem Grinsen war er auf Diego Demme zugestürmt. Doch Demme jubelte nicht, obwohl er hätte jubeln sollen. Stattdessen fasste er sich an den Mund. Als Werner schließlich über Demme kniete, grinste auch er nicht mehr, denn die beiden Leipziger hatten inzwischen festgestellt, dass Demme nicht nur das 4:0 erzielt, sondern im Zweikampf mit Freiburgs Nicolas Höfler auch einen Schneidezahn verloren hatte.

Über die Geschichte mit dem Zahn konnten die Leipziger nach dem Abpfiff dann schnell wieder lachen. "Wir haben noch etwas von dem Zahn gefunden, aber das lässt sich nicht mehr dranmachen", sagte Trainer Ralph Hasenhüttl. Und doch verhielten sich die Spieler und Verantwortlichen und Spieler von RB Leipzig, wie es Demme nach seinem Tor getan hatte: Sie jubelten nicht, obwohl sie hätten jubeln sollen. Denn nicht nur hatte Leipzig den SC Freiburg am Samstagnachmittag mit 4:0 (2:0) besiegt, der Aufsteiger hat fünf Spieltage vor dem Ende bereits einen Platz in der Europa League sicher.

Zahnmedizinische Untersuchung an Ort und Stelle: Leipzigs Marcel Halstenberg (M.) und Timo Werner (hinten) kümmern sich nach dem 4:0 um den verletzten Torschützen Diego Demme.

(Foto: Jan Woitas/dpa)

Doch das genügt den Leipzigern nicht. "Wir sind noch nicht fix in der Champions League, deswegen gibt es noch einige Aufgaben zu erledigen", sagte Hasenhüttl. Zwei Siege aus den verbleibenden fünf Begegnungen in der Fußball-Bundesliga fehlen den Sachsen noch, um in der kommenden Saison in der Königsklasse dabei zu sein. "Natürlich wollen wir jetzt Zweiter bleiben", sagte Sportdirektor Ralf Rangnick nach dem vierten Erfolg in Serie: "Wenn die Mannschaft so weitermacht, dann haben wir gute Chancen, das zu schaffen."

Rangnick plant schon für die Champions League

Leipzig bleibt zwar weiter ärgster Verfolger von Rekordmeister Bayern München, doch der Blick geht nach hinten. 1899 Hoffenheim hat weiterhin sieben Punkte Rückstand, Borussia Dortmund liegt acht Zähler hinter RB. "Wir haben einen tollen Vorsprung und eine tolle Ausgangsposition", sagte Hasenhüttl: "Es ist sehr, sehr angenehm, sich in dieser Phase der Saison um solche Dinge Gedanken zu machen." Gegen die harmlosen Freiburger hatten die Gastgeber in keiner Phase Mühe. Yussuf Poulsen (36.) und Timo Werner (42.) sorgten bereits vor der Pause für die Entscheidung, Naby Keita (51.) erhöhte weiter - und Diego Demme (90.) sorgte bei seinem Treffer eben für die Szene des Tages.

Es blieb Leipzigs einziger kleiner Verlust an einem Tag, an dem die pfeilschnelle RB-Offensive erneut überzeugte. "Wenn wir die Dinge gut machen, sieht es bei uns immer sehr einfach aus, aber so einfach war es nicht", sagte Emil Forsberg. Der Schwede glänzte erneut als Antreiber im Mittelfeld und genialer Passgeber. "Natürlich ist es geil, dass die Europa League jetzt sicher ist, aber es gibt noch die Champions League - und da wollen wir spielen!" Schon längst hat Rangnick mit den Personalplanungen für den internationalen Wettbewerb begonnen. "Wir wissen, was wir wollen und haben ganz konkrete Vorstellungen", sagte der 58-Jährige: "Wenn wir international spielen, brauchen wir den einen oder anderen Spieler mehr. Wir brauchen einfach mehr Qualität in der Breite."

Fan am Rande des Spiels verstorben

Ein Fußballfan ist am Samstag am Rande des Bundesligaspiels zwischen RB Leipzig und dem SC Freiburg ums Leben gekommen. Wie RB via Twitter mitteilte, ist ein 56-Jähriger vor dem Spiel in der Leipziger WM-Arena zunächst mit Herzversagen zusammengebrochen und später in einem Krankenhaus an plötzlichem Herztod verstorben.

"Der Fußball rückt für uns heute damit in den Hintergrund. Unser Beileid und tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen des Verstorbenen", schrieb der Verein bei Twitter. Es ist der zweite Todesfall bei einem RB-Punktspiel binnen fünf Wochen. Erst am 11. März war vor der Begegnung der Sachsen mit dem VfL Wolfsburg ein Fan vor dem Stadion auf die gleiche Weise verstorben. sid

Wie viele Neue kommen sollen, verriet Rangnick nicht und sagte angesprochen auf sechs mögliche Zugänge: "Ich habe noch nicht nachgezählt." Und Freiburg? Auch die Breisgauer haben noch gute Chancen aufs internationale Geschäft und bleiben mit 41 Punkten Sechster. "Ich mache mir jetzt keine Gedanken über den Europapokal, das ist noch so weit weg", sagte Trainer Christian Streich jedoch: "Wenn es aber wirklich so kommen sollte, wäre es ein traumhaftes Jahr." Allerdings musste der 51-Jährige zugeben, dass für sein Team gegen RB rein gar nichts zu holen war: "In der Summe ist das ein hochverdienter Sieg für Leipzig."