Kommentar Trügerische Transparenz

Das Internationale Olympische Komitee veröffentlicht den Vertrag mit den Gastgebern der Spiele. Einige Fragen aber bleiben.

Von Johannes Aumüller

Jetzt stehen die Teilnehmer also offiziell fest: Los Angeles, Paris, Rom, Budapest und Hamburg wollen die Olympischen Sommerspiele 2024 ausrichten. Aber schon bald zeigt sich, ob es wirklich bei einem Quintett bleibt - oder ob sich das Feld nicht auf ein Quartett reduziert. Ende November entscheidet Hamburgs Bevölkerung, ob sie die Stadt in das aussichtslos erscheinende Rennen gegen die Favoriten Paris und Los Angeles schickt. Bevor die Menschen wählen, wollen sie vor allem zwei Dinge wissen: Wie viel würden Spiele kosten? Und wie würden die Regeln und Pflichten aussehen, welche die schlecht beleumundeten Damen und Herren vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) der Austragungsstadt auferlegen?

Die Spiele-Euphoriker aus Sport und Politik beteuern in diesen Tag stets eine größtmögliche Transparenz. Aber im Umgang mit den beiden genannten Kernfragen ist das nicht der Fall.

Zu den Finanzen: Noch liegt kein Kostenvoranschlag auf dem Tisch. Ende September, so ist es versprochen, soll es eine seriöse Kalkulation geben. Doch noch bevor überhaupt konkrete Summen genannt sind, hat der Hamburger Rechnungshof diese schon relativiert. Zum Zeitpunkt des Referendums könnten die Zahlen noch gar "nicht realistisch abgeschätzt werden", monierte er jüngst - und schlug vor, dass es nach einem etwaigen Zuschlag für Hamburg und im Lichte einer klareren Finanzlage ein zweites Referendum geben könnte. Für den Sport kommt das nicht infrage.

Zu den Spielregeln: Zusammen mit dem offiziellen Bewerberfeld veröffentlichte das IOC am Mittwoch auch die Dokumente zum sogenannten Host City Contract (HCC), der Rechte und Pflichten des Austragungsortes regelt - erstmals zu einem solch frühen Zeitpunkt des Verfahrens. Olympia-Skeptiker finden darin weiter Argumente für ein Nein, wie etwa der Umgang mit steuerlichen Aspekten. Aber unabhängig von der inhaltlichen Bewertung ist mit Blick auf die versprochene Transparenz etwas anderes bemerkenswert: Die Bürger wissen bei der Abstimmung gar nicht, was exakt bei einem Zuschlag im Vertrag stehen würde. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) sprach am Mittwoch zwar in seiner ersten Reaktion von einer "final gültigen" Version, Präsident Alfons Hörmann lobte, das frühe Vorlegen des Vertrages schaffe "optimale Klarheit". Doch zu Beginn der sogenannten "HCC Principles" findet sich folgender Hinweis: Eine aktualisierte und damit endgültige Fassung gibt es erst nach den Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro. Auf Nachfrage ruderte der DOSB etwas zurück, er spricht jetzt von einem Gerüst, das es für den Vertrag gebe.

Es ist jetzt knapp zwei Jahre her, dass die Bevölkerung die Bewerbung Münchens für 2022 stoppte. Wenn die Verantwortlichen nicht die versprochene Transparenz einhalten, könnte es gut sein, dass sie im November wieder eine Abfuhr bekommen.