Kommentar Höchste Hürden für Hamburg

Nachdem nun auch Paris für die Olympischen Sommerspiele 2024 kandidieren will, schwinden Hamburgs Chancen weiter.

Von Thomas Kistner

Nun tritt auch noch Paris in den Ring, was zu erwarten war. Und die Frage aus deutscher Sicht lautet: Wie wirkt sich die Kandidatur der französischen Weltstadt auf Hamburgs Olympia-Chancen 2024 aus?

Grund zum Jubel bestünde jedenfalls nicht einmal dann, wenn man das K.o.-Argument außer Acht lässt, auf das sich die hanseatischen Bewerber unweigerlich einstellen dürfen, wenn das Rennen in die heiße Phase geht: Warum es den rund 110 Mitgliedern des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) einfallen sollte, der faktisch so gut wie sicher nach Deutschland vergebenen Fußball-EM 2024 mit zwei Dutzend Teilnehmerländern einige Wochen später noch die Olympischen Spiele draufzusatteln.

Paris wird - wie die ebenfalls kandidierende italienische Hauptstadt Rom - eine schwer zu meisternde Hürde sein. Die Franzosen sind schon dreimal angetreten, für die Spiele 1992, 2008 sowie 2012, und stets knapp gescheitert: zweimal Zweiter, einmal Dritter. Und sicherlich wurde die Pariser Entscheidung, die dem designierten Bewerbungschef Bernard Lapasset zufolge "keine Abstimmung, sondern eine massive Zustimmung" war, auch von guten Nachrichten aus Übersee beflügelt: Boston, der amerikanische Kandidat mit merkantilem Standortvorteil, schwächelt bereits in der Startphase so dramatisch, dass sich das Olympiakomitee Usoc zur Klarstellung genötigt sieht, man werde die Pferde in diesem Rennen nicht mehr wechseln. In Boston rauscht die Zustimmung der Bevölkerung gerade in den Keller, sollte die Stadt einknicken, wäre das der nächste schwere Schlag für das IOC. Es müsste sich fragen, wo die Reise hingeht, wenn um Winterspiele nur noch Kaliber wie Almaty und Peking buhlen - und nun im Sommer die Vereinigten Staaten von Amerika wegbrächen, der größte Medien- und Werbemarkt.

Für Paris aber wäre das eine wünschenswerte Konstellation. Wer als veritable Weltmetropole dreimal gescheitert ist, darf sich unter den obwaltenden Umständen gewiss die Favoritenrolle erhoffen. Eine Stadt wie die an der Seine viermal abblitzen zu lassen, wäre ein politisches Risiko für die angeknockte IOC- Familie. Noch riskanter wäre es, Haupt- städte mit Weltruf wie Paris und Rom, das auch wiederholt im Ring stand, dazu wahrscheinlich Istanbul, zugunsten einer deutschen Hansestadt abblitzen zu lassen, die sich zum ersten Mal bewirbt. Dass sich mancher Beschwerdeführer dann mit spitzen Fragen an den deutschen IOC-Präsidenten Thomas Bach wenden könnte, darf als wahrscheinlich gelten. Wenn nicht alle Zeichen trügen, gilt für Hamburgs Bewerbung das, was für vier deutsche Anläufe zuvor galt: gut gemeint, aber unglücklich terminiert.