Kommentar Ali war ein Amateur

Durch den Beschluss, Profis bei Olympia in Brasilien zuzulassen, werden sich mehr Medien und mehr Menschen fürs Preisboxen interessieren. Der Verband marginalisiert aber die Bedeutung der Amateure.

Von Benedikt Warmbrunn

Einen Platz in der Geschichte des Boxens hat Manny Pacquiao schon sicher, nicht erst, seit er für einen Kampf 100 Millionen Dollar erhalten hat. Er ist der einzige Boxer, der je in sieben Gewichtsklassen Weltmeister bei einem der großen Profi-Verbände wurde, er galt lange als bester Boxer überhaupt, viele seiner Kämpfe waren ein Spektakel. Doch spätestens seit er im Mai 2015 an einem einzigen Abend jene 100 Millionen Dollar verdient hat, steht Pacquiao auch für die Auswüchse im Profiboxen; eine höhere Prämie erhielt bisher nur Floyd Mayweather, der ihn in Las Vegas besiegte. Pacquiao steht für ein System, in dem zuerst der Börse stimmen muss.

Nun hat der Filipino angekündigt, dass er bei einem Turnier starten will, bei dem es primär um viel weniger Geld geht: bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro. Möglich gemacht hat dies der Amateurbox-Weltverband Aiba, der beschlossen hat, dass ab sofort auch die weltbesten Profis bei den Spielen starten sollen. Die Lobbyisten begründen dies damit, dass das Basketball-Turnier bei den Spielen 1992 nur deshalb so spektakulär wurde, weil erstmals das Dream Team der USA mit den besten Spielern aus der Profiliga NBA teilnahm. Offiziell starten dürfen Profiboxer eigentlich erst, nachdem sie sich gegen die nationale und internationale Konkurrenz der Amateure durchgesetzt haben. Pacquiao sagt nun, er habe eine persönliche Einladung von Aiba-Chef Wu Ching-Kuo aus Taiwan erhalten - was zeigt, worum es geht: Die Funktionäre kämpfen gegen ihren eigenen Fall in die olympische Bedeutungslosigkeit.

Gerade im Boxen waren die Sommerspiele immer eine Chance für junge Männer (und inzwischen auch Frauen), um erstmals beachtet zu werden. Muhammad Ali, Joe Frazier, Wladimir Klitschko, sie alle bewiesen zunächst durch den Gewinn einer Goldmedaille, dass sie Ausnahmeathleten sind. Der Olympiasieg war der Start in eine Karriere, die ihnen später Ruhm und Preisgeld bescherte. Und die Funktionäre verteidigten ihren Stolz, dass es bei Olympia nicht um Geld ging, sondern nur um eines: um den Sport.

Durch den Beschluss, Profis wie Pacquiao, bereits 37, zuzulassen, werden sich mehr Medien und mehr Menschen fürs Preisboxen von Rio interessieren. Indem die Aiba aber den eigenen Talenten die Chance nimmt, sich für einen Platz in der Ruhmeshalle des Boxens zu empfehlen, marginalisiert sie ihren Wert. Die Amateurboxer werden noch weniger beachtet, vielleicht verhindert der neue Olympia-Modus gar so manche Profikarriere. Und das nur, weil die Funktionäre der Amateure dem verfallen sind, was sie den Funktionären der Profis immer vorgeworfen haben: der Gier nach Aufmerksamkeit.