Als Spieler hat Armin Veh keine Weltkarriere gemacht - zu faul sagte er einst selbst über sich. Aber wenn seine Karriere als Trainer so weitergeht, dann kommt er um den Weltruhm jetzt nicht mehr drum herum.
Irgendwann, es war Mitte der zweiten Halbzeit, kam dieser Ball angeflogen. Der Ball hatte eine tückische Flugkurve, er fiel steil von oben herab und hatte einen scharfen Drall, aber Armin Veh hielt einfach nur seinen Fuß dagegen. Ganz leicht sah das aus, und das schien den Ball so beeindrucken, dass er ganz zahm wurde.
Armin Veh - Stuttgarts Meistertrainer auf dem Weg zum Humoristen (© Foto: dpa)
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In freundlichem Bogen flog er von Vehs Fuß millimetergenau in die Arme eines fangbereiten Spielers. Der Spieler machte dann einen Einwurf, das Spiel ging weiter. Und Armin Veh setzte sich wieder zurück auf seine Trainerbank.
Armin Veh ist das, was man im Fußball einen Supertechniker nennt, beziehungsweise: Er war es einmal, Anfang der Achtziger. Er war einer jener Spieler, denen der Ball aufs Wort gehorchte, und es gibt jemanden, der sagt, dass dieser Veh eine Weltkarriere gemacht hätte, wäre er nicht so ein ,,fauler Sack'' gewesen. Dieser Jemand ist übrigens Armin Veh.
Eine Weltkarriere hat Armin Veh, 46, bis heute nicht gemacht, aber wenn das so weitergeht, dann kommt er jetzt nicht mehr drum herum. Er ist am Wochenende deutscher Meister geworden, als Trainer des VfB Stuttgart, und am kommenden Wochenende kann er auch noch den DFB-Pokal gewinnen.
Er darf in der kommenden Saison in der Champions League mitspielen, er trifft dort die besten Trainer der Welt - und das ist doch ziemlich erstaunlich für einen Mann, der vor einem Jahr noch mit seinem Agenten darüber beriet, ob er nicht einen Job in Dubai annehmen sollte oder Bahrain.
Armin Veh kommt von weither. Er kommt aus der Tiefe eines Raumes, aus der ihn keiner mehr erwartet hätte. Er war zwar schon zweimal Meister in seiner Trainerkarriere, in Fürth und Reutlingen, aber das waren Titel in der dritten Liga.
Sensible Demut wird ungern verziehen
Einerseits, so wird erzählt, habe Veh seine Drittligisten schon damals spüren lassen, dass er sich zu Höherem berufen fühlt; andererseits hat er seinen ersten Bundesliga-Job bei Hansa Rostock von sich aus gekündigt, wegen Heimweh in Tateinheit mit Einsamkeit.
Er ist dann nach Augsburg gegangen, in die Heimat zu Frau und Hund, wieder in die dritte Liga. Solch sensible Demut wird ungern verziehen in dieser Machobranche, und so galt Veh bald als unvermittelbar - als einer, der sich zu groß fühlt für die kleinen Welten, aber nicht groß genug ist für die wirklich große Bühne.
So hat er in Stuttgart ursprünglich auch nur eine Übergangslösung sein sollen, er sollte halt so lange aushelfen, bis der Verein nach dem grandios gescheiterten Experiment mit Giovanni Trapattoni wieder einen renommierten Trainer gefunden hat. Inzwischen heißt der renommierte Trainer Armin Veh.
Er hat in Stuttgart genau jenes Milieu gefunden, das er zum Arbeiten braucht. Er darf seinen technisch und taktisch ausgefeilten Fußball jetzt auf höchster Ebene lehren, aber er hat mit dem pfiffigen Manager Horst Heldt und Co-Trainer Alfons Higl ein Team um sich, in dem er sich zu Hause fühlt.
In diesem Umfeld hat der einst als kauzig geltende Veh so sehr zu sich selbst gefunden, dass er kurz davor ist, sich zum ernstzunehmenden Humoristen zu entwickeln.
Er wisse nicht, wie hoch seine Prämie sei, hat er gesagt, aber ,,der Horst'' habe schon gefragt, ,,ob er in Raten zahlen'' könne.
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(SZ vom 21.5.2007)
Der Flügelflitzer
Also, ich muss schon grinsen, wenn ich diesen Artikel lese.
Weltkarriere und Weltruhm für Veh???
Herr Veh ist mit seiner Mannschaft Deutscher Meister geworden. Respekt dafür.
Man kann den Schluss ziehen, dass er der erfolgreichste Trainer EINER DURCHSCHNITTLICHEN EUROPäISCHEN LIGA IST.
Nicht weniger, aber eben auch nicht mehr!
ich glaube nicht, dass man Trappatoni's Zeit als Flop bezeichnen, wie in seiner ersten Zeit bei den Bayern hat er viele junge Spieler herausgebracht und ein starkes Gerüst gebaut, der die jetzige Meistermannschaft zu Grunde liegt. Man kann auch kein Fan vom Trap sein, aber hat stets eine bessere Mannschaft hinterlassen als er vorgefunden hat...
Viel Zustimmung für den Beitrag von trurII. Ich würde in der Positivliste noch beispielsweise Sander, Hecking, Becker, Löw (!) und trotz des Abstiegs Klopp ergänzen.
Es scheint sich aber durchaus bei vielen Bundesligisten die Erkenntnis breit zu machen, dass man auch einmal einem Mann aus der zweiten Reihe die Chance geben darf.
Viel problematischer ist in meinen Augen ein anderer Faktor, der immer mehr unter die Räder kommt: Kontinuität! Lasst die Trainer weiterarbeiten, auch wenn es mal kurzzeitig brenzlig aussieht. Bochum stand lange auf einem Abstiegsplatz, hat den Trainer nicht gewechselt und wurde belohnt! Auch Frankfurt ist ein positives Beispiel. Ich weiß, manchmal gibt es Situationen, da hilft kein anderes Mittel mehr, um eine Blockade zu lösen. Das war wohl beim HSV so. Aber nach meiner Auffassung wird viel zu häufig zu schnell, oft genug ohne Not gewechselt. Wohin das mittelfristig führt, zeigen Hertha BSC, Gladbach und Wolfsburg, die seit Jahren keine Trainerverweildauer von mehr als 18 Monaten hinbekommen haben und permanent ihren eigenen Ansprüchen hinterher laufen. Und auch der FC Bayern wäre mit Magath nicht schlechter gefahren als jetzt mit Hitzfeld, denn das Problem der Bayern lag hauptsächlich an der Fehleinschätzung, die Abgänge von Ballack und Ze Roberto mit Karimi, dos Santos und Santa Cruz kompensieren zu können - nicht an der Qualität der Trainer. (Deswegen muss man sich um die Bayern auch keine Sorgen machen: Hitzfeld kann mit Stars umgehen, das hat er oft genug bewiesen, und er kann eine Mannschaft erfolgsgerecht zusammensetzen, wenn er die Spieler dazu hat. Er muss sie nur bekommen.)
Noch ein abschließender Blick auf die 2. Liga: Schön, dass Offenbach die Klasse hält. Als einziger abstiegsgefährderter Club haben sie den Trainer nicht ausgetauscht!
Vielleicht kommen einige Aufsichtsräte und Vorstände endlich davon ab, immer wieder den gleichen Trainern eine Chance zu geben, die, wie Peter Neururer, zwar oft in der Bundesliga beschäftigt waren, aber deren Arbeit sicherlich nicht höher einzuschätzen ist als die des Trainers eines Aufsteigers aus der dritten oder zweiten Liga.
Wann hatte den Armin Veh jeh die Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen? Mit Rostock war ein Nichtabstiegsplatz schon ein Erfolg und der Wert des Aufstiegs mit dem SSV Reutlingen lässt sich am ehesten am heutigen Tabellenstand des Vereins abmessen: 13. in der Regionalliga Süd!
Dabei sollte man aber nicht nur den VFB dafür loben, dass sie an Veh festgehalten haben, sondern auch Slomka oder Schaaf oder auch der mit Bochum sehr erfolgreiche Koller fallen für mich in die gleiche Kategorie.
Sollte die Bundesliga weiterhin so mutig sein, dann wird es wohl auch nicht mehr lange dauern, bis die deutschen Vereine auch international wieder von sich reden machen und wir bald deutsche Trainer im Ausland (und zwar nicht in Fußball-Entwicklungslandern) bewundern dürfen.