Der Tour-Aufsteiger Contador wird in Spanien gedeckt - dabei ist er Fuentes-Kunde.
Den Namen seines Idols hat Alberto Contador Velasco sehr bald in den Mund genommen, doch Lance Armstrong ist schon vorher irgendwie anwesend gewesen. Jeder hatte ja gesehen, wie der Spanier den schwersten Schlussanstieg der 94. Tour de France bewältigte - als würden für ihn die üblichen Gesetze der Schwerkraft nicht gelten. Contador preschte vorm Zielstrich auf dem Plateau de Beille spielend auch dem letzten Begleiter Rasmussen davon. "Hier einer der Nachfolger von Armstrong zu sein, ist eine große Ehre", sagte dann also Contador ergriffen, und dass der Texaner Vorbild des Madrilenen ist, klingt in vielerlei Hinsicht plausibel. Nicht nur, weil Contador angestellt ist beim Frühpensionär Armstrong, der Teilhaber seiner Mannschaft Discovery Channel ist.
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Auch andere Parallelen zum Rekordsieger der Tour, von dem Positivproben aus der 99er-Rundfahrt existieren, sind markant, womit Contadors Etappensieg und sein Aufstieg bis Rang zwei des Klassements den Glauben an der Tour abermals erschüttern. Ihre Aura belasten bereits die Verdachtsmomente gegen Michael Rasmussen, zu dem der Figaro konzedierte, mit ihm behalte "ein schwarzes Schaf das gelbe Trikot". Doch die Entgegnung versendete flugs der Teamsponsor des Dänen, ein Geldinstitut: "Es gibt keinen Anlass, an ihm zu zweifeln."
Schneller oben als Armstrong
Auch Contador, 24, ist zu dem Kuriosum angesprochen worden, dass Rasmussen hier noch mitfahren darf, doch im Gegensatz zur angesäuerten Konkurrenz verweigerte er die Antwort, indem er entgegnete: "An so einem Tag, in so einem schweren Rennen kannst du über so etwas nicht nachdenken." Dabei wirkte er ganz munter nach seiner Rekordjagd über die 15,9 km der Pyrenäenrampe (44:08 Min.), mit der er die Vorleistungen seines dort zweimal siegreichen Patrons Armstrong (2002: 45:43 Min. / 2004: 45:30) glattweg unterbot. Ein schöner Leistungssprung für die einstige Nummer 391 der Weltrangliste, die 2005 bei ihrer ersten Tour Platz 31 belegte. Mit mehr als einer Stunde Abstand auf Armstrong.
Dass Contador, dieser schmale Kerl aus Pinto, einem kleinen Vorort Madrids, nun in Frankreich einen grinsenden Emporkömmling geben darf, mutet skurril an. Denn Contador hat als Musterschüler des im Mai verhafteten Liberty-Teammanagers Manolo Saiz eben nicht nur einen fünfjährigen Aufenthalt (2002 bis 2006) in einer erwiesenermaßen verseuchten Equipe genossen. Sondern er ist dort ebenso Kunde des spanischen Blutdoktors Eufemiano Fuentes gewesen - dies belegen die Akten der Guardia Civil, deren Arbeit bisher als zweifelsfrei und faktensicher gilt.
Contadors Name steht zum einen auf dem Dokument Nummer 31: Dort ist hinter dem Kürzel A.C. (das übrigens auch Contadors Internetseite eröffnet) der Name des früheren Liberty-Fahrers zusätzlich handschriftlich vermerkt. Bei der Liste handelt es sich um einem Liberty-Medikationsplan fürs Rennjahr 2005, und neben Contadors Name steht: "Nada o igual a J.J." - nichts oder wie bei J.J. Hinter J.J. verbirgt sich, wie der Ansbacher inzwischen zugegeben hat, Jörg Jaksche.
Jaksche, der am Montag in seiner Heimat seinen 31. Geburtstag feierte, hat in seinem Spiegel-Geständnis einen denkwürdigen Satz über Contadors Heimat zu Protokoll gegeben: "In Spanien konntest du dir die Epospritzen an die Autoscheibe pflastern, und es hat dich keiner angehalten." Gestern sagte er: "Die Kontrollverhältnisse haben sich dort wohl kaum geändert, obwohl das Interesse an einem verbesserten System durchaus da ist - nicht aber das Geld wie bei uns." Ganz bestimmt fehlt in Spanien der Wille zur nachhaltigen Aufklärung, wie die weiterhin ungelöste Puerto-Affäre um Fuentes belegt. Dass dessen Klient Contador trotz der Indizien nicht mehr auf der schwarzen Liste der UCI erscheint, gilt ebenso als großes Rätsel wie die weiterhin nicht zugeordneten 150 Blutbeutel. Zumindest im Falle Contadors ist die Lösung offenbar ein geheimnisvoller Deal.
Denn zum einen führt ein vierseitiges Schreiben der UCI zum Faktenstand beim systematisch gedopten Liberty-Team neben Jaksche und all den anderen ebenfalls Contador namentlich auf; zu ihm ist jedoch handschriftlich vermerkt: "Das Dokument 31 ist für die UCI nicht verfügbar." Das Schreiben ging im September 2006 an die Landesverbände und die Profiteams, es liegt der SZ vor. Dass indes ausgerechnet der Weltverband nicht im Besitz des Rationsplanes für Wachstumshormone und Ähnliches sein soll, dürfte ebenfalls der spanischen Abmachung geschuldet sein.
Bei Discovery geben sie sich erst gar keine Mühe, clean zu wirken
Denn dem Vernehmen nach hat sich Contador dem Verband nach der Puerto-Razzia als Zeuge angeboten - dafür forderte er seine Streichung von der Fuentes-Liste. Und so ist in Spanien die Causa Contador kurzerhand von der Agenda verschwunden, wie im ähnlich gelagerten Fall des Landsmannes Valverde; selbst ein seriöses Blatt wie El País, das lange die Affäre begleitete, ignoriert seit einiger Zeit die Verdachtsmomente - und schützt die Velohoffnungen der Nation.
Auch deshalb bleibt Contador unbehelligt, und nun führt er wohl die zweifelhafte Arbeit seines virtuellen Chefs fort. Auch Armstrong ist ja während seiner Karriere nie zu fassen gewesen und paktierte aus gutem Grund mit Funktionären wie UCI-Boss Verbruggen. Bei Discovery geben sie sich erst gar keine Mühe, clean zu wirken; die US-Crew verließ indigniert die Teamorganisation AIGCP und verpflichtete neben Contador registrierte Fuentes-Jünger wie Ivan Basso, Allan Davis und Sergio Paulinho (beide zuvor Liberty). Auf einen Dank an Armstrong hat Contador verzichtet, dafür erinnerte er rührend an seinen Förderer Saiz: "Er hat sich um mich stets gekümmert wie ein Vater."
(SZ vom 24.7.2007)
Entspannter Vierbeiner
Bin bei Bekannten gewesen (die mit dem Fernseher), sah die Tour (Eurosport, ohne Ton), war verwundert, beeindruckt, verblüfft, die 1. und 2. der Gesamtwertung sich gegenseitig die Berge hochtrieben, Radsportbegeisterung kam auf, Gedanken um das Doping gerieten in den Hintergrund, lediglich leichter Unglaube ob der Vergleichbarkeit zur eigenen Leistung (ja, bin auch ein Vielfahrer) vermochte mich wieder durchatmen zu lassen, doch der Fernseher blieb an ...
Mmh, nun sitze ich wieder da, fern der Berichterstattung, nach dem eigenen Sport, erinnere mich an die Gesichter im Ziel, das Interview mit dem Etappensieger direkt nach Zielankunft und fühlte im Nachhinein doch ständig die Gedanken um die diversen Mittelchen mitschwingen ... ein seltsamer Eindruck, ich guck´s nicht mehr, obwohl die Bekannten wirklich nett sind.
Volksmoral und -ethik suchen ihren Ausgleich in der Anklage der Sportler? Mitnichten, denn seit wann sollte man versuchen, mit den Fehlern anderer die eigenen auszugleichen und wahrlich auf Besserung zu hoffen?
Kurz: Ankläger darf ein Jeder sein, unabhängig von seinem Status und bisherigen Lebensverlauf. Sprüche wie "Wer im Glaushaus sitzt ..." und "Wer ohne Sünde ist, werfe ..." werden zu Ausreden derer missbraucht, die der Last der Anklage schon längst erlegen sind und den Kampf nun ähnlich unehrlich wie bisher fortsetzen wollen.
"Wer moralisch argumentiert, muss diese Moral auch in allen Bereichen des Lebens durchhalten."
Verehrter Kopfabschneider,
Sie scheinen den Inhalt de obigen Satzes nicht begriffen zu haben. Denn daraus folgert, dass Doping nicht nur in einem Bereich zu verurteilen wäre (Sport), sondern in allen Bereichen der Gesellschaft. Nicht ich argumentiere moralisch, sondern die, die sich aufblähen zu den Richtern von Einzelnen. Sie berufen sich auf Gesetze, die es nicht gibt, um zu richten. Es ist eine zusammengefummelte und nur selbstgerechte Moral. Die sie selbst nie durchhalten. Spätestens dann, wenn sie sich abends ein paar Schnäpse gönnen.
Dies ist ein Zusammenhang. Ich kann mir vorstellen, dass wegen der vielen Aspekte Ihnen nicht ganz zugänglich ist. Er ist nicht wirr dargestellt, sondern als eine in sich geschlossen Folge zusammenhängender logischer Elementen Dass Sie diese Logik und Systematik nicht begreifen, scheint mir ihr individuelles Problem zu sein.
Ihre Frage nach der meiner Motivation, bevor Sie sich eingehend mit den Inhalten beschäftigen, verrät Ihre Oberflächlichkeit in der Analyse. Sie versuchen ein Sachthema zu personalisieren, weil Ihnen die Beschäftigung mit Inhalten fremd ist. Sie merken dabei nicht, dass die Personalisierung gerade immer den Kern der Verleumdung in sich trägt. Ich hoffe, sie können wenigstens die Abstrakta dieses Satzes begreifen. Wenn nicht, lassen Sie ihn sich erklären.
Es ist nicht meine Erkenntnis, dass man die Qualität von Gedanken in der Wahl der Methoden zur Durchsetzung erkennt. Wenn es eine Methode der gnadenlosen Verdammung von allgemein üblichen menschlichen Verhaltensweisen allein bei nur einer unliebsamen Menschengruppe ist, ist dies zumindest verlogen. Nach der Definition wäre es sogar Rassismus. Wer solche Methoden anwendet, disqualifiziert sich selbst, da er nicht verantwortungsvoll und sauber argumentiert. Wer einen anderen Menschen wider besseren Wissen in der Öffentlichkeit ohne eindeutige Beweise einer Straftat beschuldigt, die es nicht gibt, begeht damit selbst zwei Straftaten: die der Verleumdung und die der falschen Anschuldigung. Und in der Tat, ich halte Verstöße gegen Strafgesetze nun mal schwerwiegender als Verstöße gegen Spielregeln im Sport.
gut gesagt!
Beim Blick aufs derzeitige Gesamtklassement der Tour fällt auf, dass unter den ersten 30 Fahrern kein einziger Franzose und mit Andreas Klöden nur ein Deutscher zu finden sind.
Spanier findet man dagegen in vergleichsweise großer Zahl.
Das ist m.E. ein klarer Beleg dafür, dass rigorose Kontrollen der Heimatverbände mittlerweile eine abschreckende Wirkung erreichen. Ich hoffe nur, dass die französische Öffentlichkeit und besonders das tolle, radsportbegeisterte Publikum endlich aufwacht und sich überlegt, wem man da in erster Linie zujubelt. Bei den diesjährigen Überfliegern der Tour handelt es sich aber in den Augen unserer Nachbarn offenbar um mit Zaubertrank vollgepumpte Helden wie Asterix.
Den Spaniern wünsche ich noch viel Spaß bei der Vuelta im Spätsommer - man sollte aber ehrlicherweise an den Fahrern Aufkleber "Eilige Arzneimittel" anbringen...
Es hieß doch immer die spanischen Behörden haben bei der Ermittlung soviel mist gebaut, dass die Unterlagen deswegen nicht rausgegeben bzw. verwendet werden können was den nun bitte liebe Süd-Bild.
Paging