Am Nachmittag hatte Marka den Kollegen bei einem Symposium aufgetrieben und bei der SZ anrufen lassen - Engelhardt rückte von einer Aussage ab: "Marka sagt, dass die Formulierung, er habe mir einen Epo-Vorgang bestätigt, nicht zutrifft. Da ich das nicht beweisen kann, nehme ich diesen einen Satz zurück, bleibe aber bei allen anderen Aussagen." Es gebe "eben unterschiedliche Erinnerungen zu diesem Sachverhalt".

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In der Tat. Auch Müller-Ott bestritt gegenüber der SZ, sich jemals mit Engelhardt über einen angeblichen Epo-Fall ausgetauscht zu haben: "Ich habe nie mit ihm über so einen Vorfall gesprochen. Das ist ein Gedächtnisprotokoll, das nicht stimmt." Auch von Vuckovic' angeblichem Dopinggeständnis will er nichts wissen. "Ich habe von Epo zu keinem Zeitpunkt etwas mitbekommen."

Nun wollen alle klagen, auch Vuckovic, dies erklärte er, als er von den SZ-Recherchen erfuhr. Unter Verweis auf seinen Anwalt Michael Lehner kündigte er an: "Alles, was juristisch möglich ist, hat Engelhardt jetzt an der Backe." Es sei nur leider "keine gute Zeit für einen Sportler, um seine Glaubwürdigkeit zu kämpfen. Wenn so was aufkommt, hast du in der Öffentlichkeit schon verloren".

Spur nach Spanien

Problematisch könnte dabei sein, dass er schon 2006 in Erklärungsnot war. Damals gründete der Verdacht gegen Vuckovic auf dem Mail-Verkehr zwischen seinem ehemaligen Trainer Thomas Springstein und dem spanischen Dopingarzt Miguel Peraita, der als eine Schlüsselfigur des internationalen Dopingnetzwerks in Madrid gilt. Laut Gerichtsakten bedankte sich Springstein in den Mails für "kreative Ideen" bezüglich Vuckovic, nachdem dieser in Sydney überraschend Silber gewonnen hatte. Peraita habe darauf geantwortet: "Wir wussten schon von Vuckovich und den Mädchen. GROSSARTIG. Für das nächste Jahr haben wir neue Sachen, um das Material zu ersetzen, sehr interessant." Der Begriff "Material" gilt als Szenesynonym für Epo.

Vuckovic bestritt, so Anwalt Lehner, bei einer damaligen "Vorermittlung" der DTU 2006 die aus der Mail abzuleitenden Verdachtsmomente; damit war die Sache erledigt. Auf neuerliches Befragen sagt Vuckovic, er habe "damals alles gesagt, ich schaue nicht zurück und lebe im Jetzt". Zu Springstein sei er 1999 gewechselt, "Doping war nie ein Thema zwischen uns, er bot auch nie etwas an".

Die nationale Antidopingbehörde Nada will den Fall aufgreifen, ein Dopingfall "2001 wäre nicht verjährt", heißt es dort. DTU-Chefin Claudia Wisser kündigt eine Untersuchung an. Auch sie hatte seit Oktober Kenntnis von der Mail. Am 9. November rückte sie an die DTU- Spitze und hat seither "so viele Baustellen in diesem Verband zu bearbeiten", dass die Mail-Affäre warten musste. Wisser ist schon die dritte Person, die 2008 das Präsidentenamt inne hat. Vor-Vorgänger Müller-Ott wurde auf einem Sonderverbandstag Ende Februar gestürzt. Unter anderem wurden Unregelmäßigkeiten bei den Spesenabrechnungen entdeckt. Die DTU stellte im Herbst Strafanzeige.

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(SZ vom 29.11.2008)