Madrid verbietet Dopingtests für in- oder ausländische Athleten zwischen 23 Uhr und acht Uhr morgens - für dopende Sportler ist das eine Einladung.
Spanien gilt als El Dorado der globalen Dopergemeinschaft. Hier ist auch ohne Rezept viel harte Arznei erhältlich, und Sportbetrug gilt als Kavaliersdelikt im Land des 21 Jahre regierenden IOC-Granden Samaranch. Als der Spanier den Thron im Olymp 2001 räumte, hatten führende Staaten wegen des enormen Pharmaproblems in die Autonomie des Sports eingegriffen und die Welt-Antidopingagentur Wada errichtet. Offiziell mit Hilfe des Sports - der indes keine andere Wahl hatte. Damals steckte das IOC ja tief im Korruptionssumpf und rang ums Überleben.
Dopingkontrolle bei den Olympischen Spielen in Peking. (© Foto: dpa)
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Nun torpediert Spanien die Melde-Regeln der Wada. Madrid verbietet Dopingtests für in- oder ausländische Athleten zwischen 23 Uhr und acht Uhr morgens. Da sich dopende Sportler nicht an bestimmte Uhrzeiten halten, lautet die frohe Botschaft an sie: auf nach Spanien!
Der Vorgang belegt erneut den rasanten Autoritätsverfall der Wada. So wie der aktuelle Streit um eine Lex Fußball: Der mächtige Weltverband Fifa proklamierte soeben eine Einigung mit der Wada auf Sonderregeln für Kicker. Die Wada bestreitet das - doch auffallend halbherzig, und erst, nachdem sich andere Verbände darüber zu empören begannen. So nimmt die Wada, zehn Jahre nach der Gründung, die Rolle an, in der sie der Sport am liebsten sieht: die des globalen Feigenblatts, hinter dem sich der Systemzwang Doping verstecken und als Einzelfallphänomen verniedlichen lässt.
Unter Dick Pound machte die Wada einige Jahre als Reinigungskommando Furore. Der kanadische IOC-Vizepräsident hatte, zum Wohl der Sache, im Wada-Spitzenamt viel Frust darüber kompensiert, dass ihn die IOC-Kollegen 2001 nicht zu Samaranchs Nachfolger gewählt hatten. Hardliner Pound ist Geschichte, heute führt ein australischer Regionalpolitiker namens John Fahey die Agentur. Ein Generaldirektor aus Neuseeland bewacht in der Zentrale in Montreal vor allem das strapazierte Wada-Budget. Und die Regierungen der Welt, die sich die Führung der Agentur fifty-fifty mit den Sportverbänden teilen, zeigen kein Interesse mehr am Thema Sportbetrug.
Das führen Europas Staaten mit ihren Emissären vor: Der Russe Fetisow sitzt der Unesco-Konvention gegen Doping vor, im Wada-Vorstand sitzt Spaniens Sportminister Lissavetski. Russland und Spanien, wo das Netzwerk um den Blutdoper Fuentes in Aktenschränken begraben liegt, sind ausgerechnet die Länder, die auf jeder schwarzen Liste Spitzenplätze innehätten. Mit dieser Wada haben die Sportverbände leichtes Spiel. Und ein neues Instrument, mit dem sie ihre beliebt-berüchtigte Selbstkontrolle fortführen können.
(SZ vom 22.04.2009/jüsc)
Umstrittenes Anti-Piraterie-Abkommen
Mich verblüfft, wie wenig der Autor dieses Textes und auch einige Kommentatoren den Sinn dieser Regelung der spanischen Regierung erfasst haben. Der Sinn ist nicht, Athleten das Dopen zu erleichtern, sondern es geht um etwas viel simpleres: das Recht auf Privatsphäre. Selbst wenn Spitzensportler in Kauf nehmen, häufig im Rampenlicht zu stehen, heißt das noch lange nicht, daß sie damit das Recht verlieren, einige Stunden am Tag ungestört zu sein - im Rahmen ihrer Familie zum Beispiel.
Leistungssteigernde Medikamte wie z. B. EPO oder Cera sind ja keine Pillen, die 12 Stunden vor einem Rennen eingenommen, ungeahnte Kräfte freisetzen. Es verhält sich vielmehr ähnlich einer Kur, bei der die Anzahl der suerstofftransportierenden roten Blutkörperchen erhöht wird. Das ist, mit der Einschränkung der verschleiernden Medikamente, ganztägig testbar und wer verschleiern will, kann das am Tage genau so tun. Das neue Gesetz der Spanier wird niemandem, der vorsätzlich dopen will, irgendeine ernstzunehmende Erleichterung bei seinem Handeln verschaffen.
Wer in Lance Armstrong´s Buch "Jede Sekunde zählt" gelesen hat, wie einmal Dopingkontrolleure just in dem Moment, als bei seiner Frau die Wehen einsetzten und er sie ins Krankenhaus zur Entbindung fahren wollte, was die Kontrolleure schlichtweg nicht interessiert hat, weiß, daß auch Athleten Menschen sind, die ein Recht auf Privatsphäre haben.
Ich kenne die Deutschen Gesetze nocht, aber in Spanien ist die Regulierung der WADA verfassungswidrig, da diese gegen die Freiheit der Bürger stösst. Es ist schon fraglich ob hier nicht einer gegen diese Regulierung nicht vor den Gerichten zieht und höchstwahrscheinlich auch Recht bekommt. Es ist niemanden anzumuten, dass man jemandem zwingen kann, jeden Tag an einer bestimmten Stunde irgendwo zu sein. Es ist auch nicht anzumuten, dass man, wenn man nicht erscheint, eine Dopingstrafe von 2 Jahren erhält, denn auch dieses ist Verfassungswidrig.
Mich wundert's auch, dass man plötzlich die Erfolge des span. Sports in Frage stellt. Als die deutschen überall herausgeragt haben (Becker, Ulrich, Fussball), habe ich auch keine Stimmen diesbezüglich gehört. Ausserdem werden die Dopingteste in anderen Länder durchgeführt (Contador in der Tour oder im Giro, Nadal da wo er momentan spielt, der Fussball Europameister in Österreich,...) Ausserdem spielt ein grossteil der Nationalmannschaft in England und wird auch bei CL Spiele getestet. Also, diese Kommentare verfügen über keine Basis und ich nehme an, werden aufgrund der zur Zeit eher fehlenden Erfolge des Detuschen Sports gemacht, also, aus puren Neid!!!
Es sind ja auffällig viele Spanier in den letzten Jahren im Spitzensport äußerst erfolgreich:
Tour de France, Handball, Basketball, Tennis.
Auffällig ist in der Tat ebenfalls mit welcher Geschwindigkeit die Spanier Fußball spielen. Das sind ja nicht nur technische Fertigkeiten, die den spanische Fußball so anschauenswert machen, sondern auch die enorme Schnelligkeit und Ausdauer der Spieler.
Mit der Freigabe des Dopings kann ich mich überhaupt nicht anfreunden, denn systematisches Doping setzt ja schon im Jugendsport ein, also keinesfalls bei Athleten, deren Körper und Geist fertig entwickelt ist und wo die Auswirkungen zu irreparablen Schäden führen, wobei noch nicht einmal abzusehen ist, ob der jugendliche Athlet überhaupt dem Spitzensport verbunden bleibt.
Weiterhin ist es durchaus vorstellbar, dass Dopingmittel dann auf Teufel komm raus auch ohne Wissen der Athleten verabreicht werden und die Athleten zu Versuchskaninchen ehrgeiziger Pharmakologen mutieren.
Als letztes bedeutet die Freigabe von Doping das Spitzenleistungen ohne leistungsfördernde Mittel überhaupt nicht mehr stattfinden würde.
Man sollte Doping völlig freigeben, dann ist diese Farce nicht notwendig.
...hat sich mal jemand Spiele der spanischen Primera Division angesehen. Die Kicker laufen dort wie aufgezogene Duracell-Puppen herum. Es fällt seit Jahren auf, dass Spanien eigene Dopingverdächtige lasch behandelt, siehe" Operacion Puerto". Im Wesentlichen wurde die Hetzjagd auf Ullrich, Basso und Jaksche konzentriert, alle anderen über 100 Namen auch Contador war dabei hat man in Ruhe gelassen. Und da waren auch noch andere Sportarten vertreten.
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