Demagogenstreit Es wird Winter

Im Streit zwischen Theo Zwanziger und dem freien Journalisten Jens Weinreich hat der DFB eine einstweilige Verfügung kassiert. Zwanziger will nun klagen.

Von Christopher Keil

Es war Sommer, und es begann in einem Blog. Am 25. Juli beteiligte sich der freie Journalist Jens Weinreich im Online-Zirkel direkter-freistoss.de (Untertitel: "Blog für Kommunikationsherrschaft") an einer für das Internet typischen Debatte (Thema: Sportpolitik, Fußball, Funktionäre). Er schrieb dabei auch, dass Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), "ein unglaublicher Demagoge" sei.

Es kam der Herbst, und Zwanziger, 63, versuchte im September und Oktober Weinreich gerichtlich verbieten zu lassen, ihn als "Demagogen" zu bezeichnen - zweimal scheiterte er. Nun hat Weinreich, 43, beim Landgericht Berlin eine einstweilige Verfügung gegen den DFB erwirkt. Der mit mehr als sechs Millionen Mitgliedern größte Einzelsportverband der Welt hatte am 14.November eine Pressemitteilung veröffentlicht zum Fall Zwanziger/Weinreich, die Weinreich als wahrheitsbeugend und irreführend kritisierte.

Mit Datum vom 25. November wird dem DFB jetzt bei Androhung "eines festzusetzenden Ordnungsgeldes bis zu 250.000 Euro" untersagt zu verbreiten, Weinreich habe Zwanziger "ohne Anlass als unglaubwürdigen Demagogen" bezeichnet und er habe (hier) die "Grenzen der Meinungsfreiheit eindeutig überschritten". Außerdem habe es der DFB zu vermeiden, den Eindruck zu erwecken, Weinreich habe "zur Vermeidung einer von (...) Zwanziger angekündigten Klage auf Widerruf und Unterlassung über seinen Anwalt eine entschuldigende Erklärung abgeben lassen".

In einem Interview mit der SZ erklärte Zwanziger, warum ihn "Demagoge" so erregt hatte: "Mit Demagoge ist Volksverhetzer verbunden und damit auch eine Nähe zum Nationalsozialismus." Ein solcher Hintergrund im Zusammenhang mit Weinreichs Formulierung lässt sich aber tatsächlich eigentlich nicht erkennen.

Der DFB reagierte an diesem Mittwoch. Zwanziger werde gegen Weinreich Klage erheben: Im Hauptsacheverfahren müsse geklärt werden, "ob der Journalist im Rahmen der Presse- und Meinungsfreiheit einen berechtigten Grund hatte, Zwanziger als unglaublichen Demagogen zu diffamieren oder ob er damit die persönliche Ehre des DFB-Präsidenten verletzt hat".

Eine Frage des Rechts und wohl der Ehre ist es auch für Weinreich geworden. Es wird Winter.