Cihan Yasarlar "Beim Zocken muss man sich wohlfühlen"

Von Schalke zu Leipzig: Neuzugang Cihan Yasarlar.

(Foto: Thomas Eisenhuth/motivio)

E-Sportler Cihan Yasarlar über seinen Transfer von Schalke zu RB Leipzig und die Unterschiede zwischen dem virtuellen und dem echten Fußball.

Interview von Sebastian Fischer

Auf 696 Millionen Dollar taxiert der Branchendienst Newzoo die weltweit erwarteten Einnahmen der E-Sport-Branche in diesem Jahr. Der Markt wächst unaufhaltsam, das haben auch die Fußball-Bundesligisten entdeckt - zu spät, sagen Kritiker. Immerhin vier Klubs - der VfL Wolfsburg, Schalke 04, der VfB Stuttgart und RB Leipzig -beschäftigen professionelle E-Sportler, die meisten spielen die Fußball-Simulation "Fifa", spielen Online- und Offline-Turniere und unterhalten ihre Fans auf eigenen Youtube-Kanälen. Cihan Yasarlar, 24, deutscher Meister in der "virtuellen Bundesliga", ist in diesem Sommer aus Schalke nach Leipzig gewechselt. Er kann vom "Fifa"-Spielen leben - bei RB Leipzig noch etwas besser als vorher, heißt es in der Branche. Ein Anruf bei dem Mann, der den E-Sport-Transfermarkt in der Bundesliga eröffnet hat.

SZ: Hallo Herr Yasarlar, wo erwischen wir Sie gerade?

Yasarlar: Zu Hause. Ich drehe gerade ein Youtube-Video, eine Fußball-Challenge. Damit die Leute sehen, dass ich auch echten Fußball spielen kann. Das macht Spaß. Ein bisschen Bewegung ist gut.

Bekommen Sie oft Lust, selbst zu spielen? Oder spielen Sie zum Ausgleich eher Online-Poker?

Wenn ich aus der E-Sports-Welt rauskomme, spiele ich mit Freunden manchmal Billard. Und wenn ich online zocke, spiele ich "GTA" oder "Battlefield". Aber nur kurz.

Professionell spielen Sie nur "Fifa", die Fußball-Simulation. Wie viel trainieren Sie?

Acht bis zehn Stunden am Tag. Ich probiere neue Aufstellungen aus, ändere meine Taktik. Wenn demnächst "Fifa 18" rauskommt, muss man viel testen. Ich trainiere meistens Spiele und schaue mir danach die Spiele an, um zu sehen, was ich falsch gemacht habe. An manchen Tagen trainiere ich nur Standards, Freistöße oder Eckbälle.

Sie sind der erste E-Sportler in Deutschland, der von einem Bundesligisten zu einem anderen gewechselt ist. Warum?

Auf Schalke hatte ich eine schöne Zeit, aber dann ist mein Vertrag ausgelaufen. Ich wollte eine neue Erfahrung machen, und ich denke, dass der Schritt nach Leipzig optimal für meine Entwicklung ist. Es ist ein junger, dynamischer Verein. Das passt gut zu mir. Und Leipzigs Spielweise passt zu meiner. RB spielt hartes Pressing, das versuche ich auch virtuell umzusetzen. Außerdem ist die Stadt Leipzig für mich näher, da ich in Berlin wohne.

Sie arbeiten also quasi im Home-Office?

Ja, genau. Aber ich kann in Leipzig Fitnesstraining machen, wenn ich möchte. Oder ich bekomme einen Ernährungsplan, da kennt sich RB Leipzig sehr gut aus. Sich gesund zu ernähren, das ist wichtig. Auch beim Zocken muss man sich wohlfühlen. Man sollte fit bleiben. Vor dem Spiel sollte man nicht zu viel essen.

Vom FC Schalke hieß es, Sie hätten sich für das finanziell lukrativere Angebot entschieden.

Nein, das ist nicht korrekt. Für mich hat das Gesamtpaket in Leipzig einfach am besten gepasst.

Spüren Sie Erwartungsdruck beim neuen Klub?

Meine eigenen Erwartungen sind groß, ich bin ja immerhin zweimal deutscher Meister geworden. Natürlich bin ich jetzt ein besonderer Spieler, der ins Auge sticht. Ich werde auf jeden Fall richtig Gas geben in der virtuellen Bundesliga.

Beim ersten Heimspiel gegen Freiburg wurden Sie in der Halbzeit den Fans vorgestellt. Haben die Sie gekannt?

Vor 40 000 Fans zu sprechen, das war eine Ehre für mich, das hat mich stolz gemacht. Es war sehr aufregend, und einige kannten mich schon, die sind zu mir gekommen und wollten Fotos machen.

Spielen Sie eigentlich bei "Fifa" jetzt immer mit Leipzig?

Ich spiele immer mit RB-Leipzig-Trikots und RB-Leipzig-Logo. Aber man spielt mit dem Ultimate Team. Das heißt: Du bekommst Münzen, wenn du Spiele gewinnst. Dann musst du sparen, um dir dein bestes Team zusammenstellen zu können. Es kann schon sein, dass Naby Keita bei mir spielt, wenn er die besten Werte hat.

Aber ausgerechnet der wechselt im nächsten Sommer zum FC Liverpool. Haben Sie sich schon mal mit Ralf Rangnick unterhalten?

Noch nicht. Aber ich schaue mir auch vom richtigen Fußball was ab. Zum Beispiel das Verteidigen. Wie die echten Spieler die Räume zustellen, das versuche ich dann auch ab und zu.

Aber man steuert doch nur einen Spieler. Da ist es doch sicher schwer, die ganze Abwehrreihe zu verschieben, oder nicht?

Man kann ja eine Abseitsfalle einstellen. Oder schnell die Spieler wechseln, da kannst du schon Räume zumachen.

Wer ist Ihr Lieblingsspieler?

Letztes Jahr war das Luis Suárez. Er war physisch stark, sehr breit, hatte einen guten Schuss. Natürlich war Cristiano Ronaldo auch gut, aber ich mochte es, mit Suárez zu spielen.

Und was ist mit Timo Werner?

Der ist ein guter Spieler. Der macht vorne alles rein.