Tierischer Urlaub In die Hölle des Bären

Wandern mit Lamas, Wisente beobachten und Wölfe heulen hören: Die Mittelgebirge sind voller wilder Tiere.

Von Dominik Prantl, Monika Maier-Albang und Ingrid Brunner

Hessische Lamas

In der Rhön gibt es unter anderem das Birkhuhn, die Schleiereule, die Wildkatze und das Lama. Gut, das Lama lebt eigentlich in den Anden Südamerikas bis auf 5000 Meter Höhe, woran die höchste Rhön-Erhebung, die Wasserkuppe, mit 950 Metern nicht so ganz heranreicht. Aber der Nebenerwerbslandwirt Johannes Nüdling suchte 2003 eben Tiere zur Beweidung seiner Streuobstwiesen, und "Lamas waren einfacher als Damwild", sagt er. Nachdem er sich die ersten Tiere angeschafft hatte, dauerte es neun Monate, bis er sich selbständig machte; mit Lamatrekking. Inzwischen firmiert Nüdling irgendwo zwischen Lamapapst und Lamaflüsterer, seine gutmütigen Vierbeiner sind als Mitwanderer meist ausgebucht, und Nüdling weiß: "Bei Schnee haben die Tiere immer den besseren Grip." www.rhoenlamas.de

Westfalens Wisente

Endlich liege Schnee, sagt Olaf Imhof, ein bisschen zumindest. Denn braune Wisente vor braunem Matsch, das macht sich auf den Fotos nicht so gut. Wisent im dichten Winterfell vor weißem Hintergrund hingegen, am besten noch bei Frost, mit Atemwolken vor den Nüstern - das gibt gute Bilder. Und ist überhaupt ein beeindruckendes Erlebnis. In der Wisent-Wildnis am Rothaarsteig stehen neun der Ur-Rinder im Gehege; die Chancen, sie zu sehen, sind groß. Auch wenn die Tiere nie zu festen Zeiten gefüttert werden. Man ist ja hier nicht im Zoo. "Die Besucher sollen die Tiere entdecken", sagt der Waldpädagoge Imhof. Zwei Stunden sollte man mindestens einplanen für einen Spaziergang, wer in der "Wisent-Hütte" einkehren möchte, auch mehr. Die vor einigen Jahren im Rothaargebirge ausgewilderten Wisente bekommen Wanderer hingegen nur mit viel Glück zu sehen; 21 sind es mittlerweile. Zum Missfallen einiger Waldbauern, die gegen die Auswilderung klagen. www.wisent-welt.de

Bayerische Huskys

Nicht nur böse Zungen behaupten gerne, dass es Parallelen zwischen dem Bayerischen Wald und Alaska gäbe - vor allem was die Mentalität der Menschen und das Klima betrifft. "Ein Dreivierteljahr Winter, ein Vierteljahr kalt", heißt es hier, oder wie Thomas Gut meint: "Der Klimawandel läuft an uns vorbei. Wir haben 110 Tage Schneebedeckung." Kein Wunder also, dass Gut im Jahr 1988 hier, in Flanitzmühle bei Frauenau, die erste Schlittenhundeschule Deutschlands eröffnete. Dabei hat Gut seinen Diplomingenieur in Chemie gemacht, "aber damit kannst im Bayerischen Wald nicht viel anfangen". Heute ist er eine regionale Berühmtheit, und seine Meute im Huskyhof Haus Waldschrat (wer den bärtigen Gut sieht, bekommt eine Ahnung, warum der so heißt) ist auf 50 Hunde angewachsen. Und weil das für einen ganzen Schlittenfuhrpark reicht, kann man im Winter für 900 Euro das Musherdiplom absolvieren, sich also zum Hundeschlittengespannlenker ausbilden lassen. In dieser Saison ist Gut samt Hunden aber schon ausgebucht. www.waldschrat-adventure.de

Badische Wölfe

Wölfe, die es bis nach Bad Rippoldsau-Schapbach im Schwarzwald geschafft haben, können erleichtert losheulen. Das "Alternative Gehege Schwarzwald" bietet acht Wölfen, neun Bären und zwei Luchsen ein neues Zuhause. Manchen der Tiere ist es vorher nicht so gut ergangen. Zirkusbären etwa leben jetzt hier. Die Luchse kommen aus der Orangerie Straßburg, wo sie auf Steinen ohne Auslauf gehalten wurden. Hier können sie auf Bäume klettern und im zehn Hektar großen Gelände herumstreifen. Eigentlich schlafen die Bären jetzt, doch drei Jungbären aus Albanien sind sehr aktiv, erzählt Rüdiger Schmiedel, der Geschäftsführer der Stiftung für Bären. Im Park werden die Tiere nicht vorgeführt, sondern die Menschen begeben sich auf einen 2,2 Kilometer langen Rundweg. Öffentliche Fütterungen gibt es nicht. Die Besucher sollten Zeit, eine Kamera und ein Fernglas mitbringen. "Winter ist Wolfszeit, da kann man die Tiere gut im Freien beobachten", sagt Schmiedel. www.baer.de

Fränkische Bären

Es ist immer noch einiges los in der Teufelshöhle, der größten Tropfsteinhöhle der Fränkischen Schweiz, mit Sälen so groß, dass kleine Kirchen darin Platz hätten. Pro Jahr besuchen sogar etwa 140 000 Menschen das Unterwelt-System bei Pottenstein. Was die Artenvielfalt betrifft, ist das freilich nichts gegen früher. Denn in der letzten Eiszeit muss es hier zugegangen sein wie im Zoo. Überreste von Hyänen, Elchen, Rentieren, Hirschen, Pfeifhasen, Lemmingen und 80 Höhlenbären diverser Generationen wurden gefunden. Außerdem besagt die Legende, dass der Teufel die Höhle als Eingang zur Hölle genutzt habe. Von Teufel und Tieren ist nicht viel übrig, nur ein rekonstruiertes Bärenskelett - und Fledermäuse, die hier Winterschlaf halten. Immerhin sind sie sicher vor Gefrierbrand. Die Temperatur liegt sommers wie winters konstant bei neun bis zehn Grad Celsius - und steigt nur bei starkem Besucherandrang. Der ist im Winter, wenn die Höhle nur sonntags geöffnet hat, nicht zu erwarten. www.pottenstein.de