Station 3: Exit 50 Sekunden freier Fall

4000 Meter Flughöhe - wir sind angekommen. Mit einem Ruck öffnet sich die Schiebetür. Laut, kalt und windig glotzt uns das farblose Nichts an, irgendwo unter uns die Erde, aufgeteilt in winzige Schachbrettmuster. Jetzt am besten an nichts denken.

Station 3: Exit

Wir kippen ins Nichts, einfach so.

(Foto: Foto: Albers)

Ohne zu zögern klettert die erste Springerin durch die Öffnung, stellt sich auf das Trittbrett und überlässt sich mit geöffneten Armen der Luft. Ich fühle leichte Übelkeit. Die zweite Springerin folgt ihr, mit angezogenen Armen und Beinen zur Kugel geformt. Wie ein Geschoss in einem Sog verschwindet sie aus unserem Blickfeld.

"Bist Du bereit für Deinen ersten Sprung?" höre ich Pit von hinten. Adrenalin schießt durch meinen Kopf. Die Frage ist keineswegs rhetorisch gemeint, nur wenn die Antwort "ja" lautet, geht es weiter. Offenbar habe ich zugestimmt, denn wir robben bereits auf dem Hintern nach vorne, bis unsere Beine aus der Luke baumeln. "Kopf nach hinten, auf meine Schulter. Blick nach oben. Beine nach hinten, Fersen hoch - Exit." Dann kippen wir nach vorn, einfach so.

Dort wartet das Nichts. Für einen Moment gibt es keinen Widerstand, nur dieses Fallen, das in Träumen manchmal bis zur Unerträglichkeit dauert. Stille. Nichts zu spüren, nichts zu sehen. Dann kommt die Luft, wie eine Erlösung, weil sie die Realität verkörpert.

Der Mund öffnet sich fassungslos, kein Platz für einen Schrei. Die Augen versuchen zu erkennen, doch nur der Körper nimmt wahr. Die Luft rast durch meine Nebenhöhlen, verschließt die Ohren. Eine Wand aus kalter, lauter Luft, die an jeder Faser zu zerren scheint. Die Unendlichkeit dauert 50 Sekunden.