Sprachkurse Schule, Strand, Party

Malta gilt als Geburtsort der Sprachreise. Jugendliche und immer mehr Erwachsene aus aller Welt besuchen hier Englisch-Kurse. Der Unterricht lässt sich bestens mit Freizeitaktivitäten und Kulturangeboten verbinden.

Von Viktoria Großmann

Wer in Maltas Dörfern unterwegs ist, Bus fährt oder im Hotelzimmer den Fernseher einschaltet, der hört eine Sprache, die rau und kehlig klingt und stark an das Arabische erinnert. Es ist die Landessprache der Inseln: Malti. Trotzdem hat es das kleinste EU-Land geschafft, einen überragenden Sprachtourismus aufzubauen, indem es mit seiner zweiten Amtssprache wirbt, dem Englischen. Tatsächlich erhält man fast überall Auskunft auf Englisch. Schilder, Busfahrpläne und Speisekarten sind grundsätzlich zweisprachig. Seitdem das Land 2004 der EU beigetreten ist, sind etwa 30 000 EU-Bürger eingewandert, auch sie sprechen Englisch. Das Herz der Malteser wird man damit nicht erobern, aber das wollen Sprachschüler in der Regel auch nicht.

Gelber Sandstein und rote Telefonzellen, beides ist typisch für Malta und Gozo. Auf Gozo steht auch die Kuppelkirche von Xewkija.

(Foto: Andreas Hub/laif)

Englisch lernen hat in Malta eine jahrzehntelange Tradition. Entsprechend groß ist die Zahl der Schulen, das Angebot ist ausdifferenziert. In Malta finden Englischlerner mehr als 40 Sprachschulen, etwa die Hälfte ist bereits seit 1989 im Verbund Feltom organisiert, der gemeinsame Qualitätsstandards vorschreibt. Längst gibt es nicht mehr nur die klassischen Schülerkurse für Teenager, sondern auch spezialisierte Angebote für Erwachsene aller Altersgruppen und Anforderungen, ob fürs Hobby oder zur Berufsvorbereitung. Für die ganz Kleinen gibt es spielerische Angebote, sogar Eltern-Kind-Kurse werden neuerdings angeboten. Hinzu kommt ein unerschöpfliches Kombinationsangebot mit Freizeitaktivitäten. Schließlich ist Malta eine Ferieninsel. Kenner mögen sie in den glutheißen Sommermonaten meiden, wenn die spärliche Vegetation auf den kargen Steinflächen vertrocknet ist und das Land mehrheitlich gelb-braun ausschaut. Dennoch ist dann Touristen-Hochsaison. Lernen lässt sich da mit tauchen, schwimmen, schnorcheln oder Boot fahren verbinden.

Maltesisch lernen

Maltesischkurse sind deutlich schwieriger zu finden als English Lessons. Eine Anlaufstelle ist die University of Malta, die Kurse für Studenten anbietet. In Buchläden gibt es Unterrichtsmaterial und Wörterbücher, im Internet eine Reihe von Selbstlernangeboten. Eine sehr gute Einführung in die einzige arabische Sprache mit lateinischen Schriftzeichen, die von Lehnwörtern aus dem Spanischen, Italienischen, Französischen und Englischen durchsetzt ist, bietet das Buch "Maltesisch Wort für Wort" von Kim Ohk aus der Kauderwelsch-Reihe des Verlags Reise Know-how. Viktoria Großmann

Für Jugendliche lautet das klassische Programm: vormittags lernen, nachmittags schwimmen, abends feiern. Der Party-Ort San Ġiljan (Englisch St. Julians) mit seinem Nachbarort Paceville ist das Ausgehviertel der gesamten Insel, auch für einheimische Jugendliche. Viele Sprachschulen und die dazu gehörenden Unterkünfte befinden sich im Ort. Die wohl namhafteste Schule ist die erste Einrichtung der English Language Centres, kurz EC. Das weltweit tätige Unternehmen stammt aus Malta und wird noch heute von der Gründerfamilie geführt. Die Lehrer kommen aus der ganzen Welt, derzeit leitet der Deutsche Ingmar Albig die Geschäfte, gemeinsam mit der Französin Chantal Le Roux.

Viele Völker und Kulturen prägten im Laufe der Jahrhunderte Maltas Geschichte, zuletzt waren es die Engländer.

(Foto: Andreas Hub/laif)

Jeden Montag rollt die EC Language School in San Ġiljan ihren Schülern den orangefarbenen Teppich aus. Dann beginnen neue Kurse, und im Foyer gibt es ein Gewusel: Schüler werden eingestuft und Kursen zugeteilt, es werden Bücher und Hefte ausgegeben und Unterrichtsräume gezeigt. Die sind modern, klein, weil auch die Lerngruppen klein sind, hell, alle mit Whiteboards ausgestattet. Jugendliche und Erwachsene (ab 30 Jahren) werden in getrennten Häusern unterrichtet, doch die Ausstattung ist dieselbe. Es gibt jeweils eine Bibliothek, einen Lernraum mit Selbstlernmaterialien, Aufenthalts- und Computerräume. Die Lehrer unterstützen mit Zusatz- und Einzelstunden ganz nach individuellem Bedarf, sei es bei der Aussprache oder in Grammatik. Es unterrichten in der Regel Muttersprachler, Malteser sind kaum darunter. Albig und Le Roux unterrichten nicht selbst, sie kümmern sich um die Verwaltung und die Finanzen. Dazu gehört auch die Organisation von Sprachkursen für Flüchtlinge, sagt Albig. Offiziell mag in Malta kaum einer über Flüchtlinge reden, trotzdem sind sie da. Die kostenfreien Sprachkurse seien Teil des bei EC üblichen gesellschaftlichen Engagements, sagt Albig.

Mittlerweile können Eltern und Kinder sogar in parallelen Klassen lernen

EC kann es sich leisten. In 25 Jahren hat sich die Schule, die heute Standorte in den USA, Kanada und Südafrika hat, mehr als etabliert. EC kann für sich reklamieren, die berühmte Jugendsprachreise-Mischung aus Party und Lernen mit erfunden zu haben. "Natürlich wollen sich die Teenager hier auch austoben", sagt Albig. EC versucht, eine möglichst sichere Umgebung dafür zu schaffen. Dazu gehört auch ein 24 Stunden täglich besetzter Empfang. Albig verheimlicht nicht, dass die Rezeptionisten dort alles erleben, was man mit Teenagern, die vielleicht das erste Mal für länger alleine von zu Hause fort sind, eben erlebt. Tränen, Übelkeit, Herzschmerz, Heimweh. Deutschland ist hier eines unter mehreren Herkunftsländern, nicht unbedingt das wichtigste. Traditionell kommen viele Südeuropäer. In letzter Zeit buchen immer mehr Schüler aus der Türkei, aber auch aus Brasilien, Südkorea, Japan und Russland Kurse. Warum ausgerechnet in Malta? "Weil es sicher ist", lautet die Auskunft nicht nur von Albig, sondern auch im Tourismusamt. Dieses hat in den vergangenen Jahren stets einen Anstieg der Touristenzahlen verzeichnet. Die Terrorgefahr galt bis zuletzt als gering. Mittlerweile warnt das Auswärtige Amt allerdings vor einer Zunahme von Taschendiebstählen in den Ausgehvierteln, besonders in Paceville und in den Bussen auf den Hauptrouten zwischen San Ġiljan, Sliema und Valletta.

Heute kommen junge Leute aus aller Welt, um Englisch zu lernen und Urlaub zu machen.

(Foto: Andreas Hub/laif)

Die Sprachschule Bels hat diese Orte schon immer bewusst gemieden. Das Familienunternehmen hat Standorte auf der Hauptinsel Malta und der kleineren Insel Gozo. Dort werden zumeist Erwachsene unterrichtet. Es werden weniger die Teenager als eher deren Eltern angesprochen, die ihren Nachwuchs lieber nachts schlafend im Bett als beim Tanzen wissen. Bei Bels wird das Jugendferienprogramm umgedreht: morgens Aktivitäten, nachmittags lernen. "Morgens ist es noch nicht so heiß, und die Kids können sich erst einmal austoben", erklärt Isabella Conti, selbst Mutter. Zurück von Ausflügen, Schwimmen oder Tauchen seien die Jugendlichen nachmittags ruhiger und konzentrierter. Zudem sei es sinnvoll, die heißesten Stunden des Tages in abgedunkelten, klimatisierten Räumen zu verbringen, bevor es abends wieder hinaus geht.

Sorgen bereitet Isabella Conti von der Bels School am ehesten, dass in einer Gastfamilie vor dem Gastschüler Maltesisch gesprochen wird. Das ist von Bels nicht erwünscht, doch die Sprache ist nun mal die Muttersprache und Umgangssprache der Inselbewohner. Englisch sprechen die Malteser auf unterschiedlichem Niveau, jedoch immer mit deutlich hörbarem Akzent, einer eigenen Sprachmelodie und durchsetzt mit maltesischen Ausdrücken und Ausrufen. Einige Einwanderer übernehmen sie mit der Zeit sogar. Freundlich könnte man von einem maltesischen Englisch sprechen, so wie es auch ein indisches Englisch gibt. Isabella Conti sieht das nicht so. Die Managerin der Sprachschule Bels begegnet skeptischen Fragen höchst selbstbewusst: "Ein besseres Englisch werden sie nur in Cambridge oder Oxford finden. Wir sprechen Queen's English."

Bels baut sein Angebot derzeit für ein immer jüngeres Publikum aus. Mittlerweile können Eltern und Kinder, die noch nicht allein auf Sprachreise gehen, sogar in parallelen Klassen lernen. EC erschließt sich hingegen neben der Hauptgruppe der Party-Teenager gerade die Gruppe der zielstrebigen Über-30-Jährigen, die oft aus beruflichen Gründen Englisch lernen wollen. Fragen nach der Qualität des maltesischen Englisch begegnen Le Roux und Albig entspannt. Beide haben schon an verschiedensten EC-Standorten weltweit gearbeitet. "Malta ist ein guter Ort für Anfänger oder leicht Fortgeschrittene", sagt Le Roux. Diese könnten sich leichter überwinden zu sprechen. Das Englisch der Malteser sei langsamer und gerade für Anfänger besser verständlich. "Wer weit fortgeschritten ist, kann immer noch nach England oder in die USA gehen, um sein Englisch perfekt zu machen", fügt Albig hinzu. Das sonnige und weitgehend sichere Malta ist in jedem Fall ein guter Anfang.

Informationen: www.visitmalta.com, www.mein-malta-urlaub.de, www.visitvalletta.de, www.valletta2018.org, www.visitgozo.com