Reisebuch Frei schwimmen

Daniel Start hat in Frankreich nach den schönsten Badeorten in der Natur gesucht und stellt sie in einem Reiseführer vor.

Von Annika Brohm

Der Schriftsteller Robert Louis Stevenson hatte ein Faible für das Wilde, Abenteuerliche. Das zeigt sich in seinem Erfolgsroman "Die Schatzinsel" genauso wie in seinen Notizen über seine eigenen Reisen: Auf dem Rücken der widerspenstigen Eselin Modestine durchquerte der Schotte im Jahr 1879 die französischen Cevennen entlang dem Flussverlauf des Tarn. "Bei jeder tiefen Stelle, die ich sah, spürte ich das bebende Verlangen", schrieb Stevenson, "diese heißen, staubigen und materiellen Kleider abzuwerfen und meinen nackten Körper in Bergluft und Bergwasser zu baden."

Nun sind sich Schotten und Engländer bekanntermaßen nicht in allem einig. Die Begeisterung für wildromantische, unberührte Badeorte hat jedoch auch den Autor Daniel Start aus dem Südwesten Englands gepackt. Er gibt dem Ganzen, wie es sich im 21. Jahrhundert gehört, lediglich einen neuen Namen: Wild Swimming. "Die Vorzüge liegen auf der Hand", schreibt Start, "es macht Spaß, ist gesund und bringt uns wieder in Verbindung mit der Natur." Die schönsten Gewässer Großbritanniens, Skandinaviens und Australiens hat der Autor in einer Buchserie unter anderem bereits vorgestellt. In "Wild Swimming Frankreich" widmet er sich nun einer bei Touristen beliebten Region. Von den Bergen des Jura entlang der Loire bis hin zu den Pyrenäen zeigt er die schönsten Orte für Freischwimmer.

Wie ein moderner Reiseführer kommt Starts neuestes Buch daher: In 14 Kapiteln liefert der gelernte Geograf GPS-Daten, Wegbeschreibungen und Anekdoten zu insgesamt 400 mehr oder weniger verborgenen Badeorten in Frankreich. Neben den praktischen Informationen kommt die Ästhetik nicht zu kurz. Bilder nehmen den größten Teil des Reiseführers ein; mit ihnen präsentiert Start "das Paradies des Wild Swimming" in all seinen Schattierungen. Dabei ist er von der Farbenpracht nicht weniger begeistert als Stevenson seinerzeit: Für den britischen Autoren spiegelt sich in den Seen und Flüssen Frankreichs "das schönste Azurblau, Smaragdgrün oder Aquamarin diesseits der Seychellen". Für alle, die angesichts dieser Schönheit wie Stevenson das Verlangen packt, die Hüllen fallen zu lassen, weist der Autor die besten Stellen zum Nacktbaden aus. Genießer erfahren, wo sie den besten einheimischen Rosé trinken können - und Wagemutige, welche Felsen sich zum Klippenspringen eignen.

Trotz aller Risikofreude: Immer wieder geht Start auf Gefahren ein, die das Freischwimmen mit sich bringt. Er warnt vor unbedachten Sprüngen ebenso wie vor der Unterkühlung im eisigen Bergsee und rasch ansteigendem Hochwasser an Staudämmen. Das schmälere das Abenteuer aber nicht. "Mit den richtigen Vorbereitungen und Informationen", verspricht er, "ist man auf der sicheren Seite." Deshalb tut er alles, um seine Leser bestens auszustatten: Passend zu der "Wild-Swimming"-Buchreihe gibt es - auch in dieser Hinsicht geht Start mit der Zeit -, begleitende Apps. Damit können sich Reisende wilde Badeorte in ihrer Nähe anzeigen lassen. Von solchem Luxus konnte Stevenson nur träumen.

Daniel Start: Wild Swimming Frankreich. Entdecke die schönsten Seen, Flüsse und Wasserfälle Frankreichs. Aus dem Englischen von Juliane Zaubitzer. Verlag Haffmans Tolkemitt, Berlin 2017. 256 Seiten, 22,95 Euro.