Qualifikation Sterne für die Welterklärer

Ein gutes Selfie machen wird in Zukunft nicht reichen für einen Reiseleiter, er braucht Qualifikationen.

(Foto: Amer Hilabi/AFP)

Die Qualität von Reiseleitern soll nun durch eine klare Zertifizierung gesichert werden. Die Gäste können so vergleichen.

Von Theresa Tröndle

Ohne sie wären schon etliche Touristen auf der Marokko-Rundreise oder der Rom-Fahrt verloren gewesen. Längst geht es in ihrem Beruf aber nicht mehr nur darum, Sehenswürdigkeiten abzuhaken und mit Jahreszahlen um sich zu werfen. Reiseleiter müssen heute vermitteln zwischen den Kulturen, Begegnungen und Erlebnisse ermöglichen, den Urlaubern das Land und seine Menschen aus wirtschaftlichem, politischem oder kulinarischem Blickwinkel näherbringen. Aber wer garantiert, dass sie ihre Arbeit gut machen?

Zur Sicherung der Qualität, für mehr Transparenz und internationale Vergleichbarkeit hat der Reiseleiter-und-Tour-Guide-Verband (RTGV) eine Sterne-Klassifizierung für Reiseleiter eingeführt. Die ersten fünf Sterne-Ausweise hat der Verband vergangene Woche auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin vergeben. "Hotels, Busse und Restaurants werden seit Langem mit Sternen bewertet, Reiseleiter bisher aber nicht - und das, obwohl sie die Visitenkarte der Veranstalter sind", sagt Heinz-Jürgen Nees, geschäftsführender Vorstand des RTGV.

Die Urlauber sind erfahren und anspruchsvoll. Sie wollen wissen, was der Guide kann

Zwischen drei und fünf Sternen - als höchste Stufe folgt der Sterne-Guide Plus - verleiht die Prüfungskommission des RTGV. Dabei werden die Ausbildungsinhalte immer anspruchsvoller. Grundlage ist eine Reiseleiter- oder Gästeführerausbildung mit IHK-Zertifikat. Während der Drei-Sterne-Guide einjährige Berufspraxis, eine Berufshaftpflichtversicherung und eine Ersthelferausbildung vorweisen muss, verhelfen weitere Zusatzqualifikationen zu mehr Sternen. "Ab vier Sternen gehen die Voraussetzungen über das reine Fachwissen hinaus", erklärt Nees. Dann muss der Bewerber neben einem Tourismusstudium und Länderkunde auch über eine zweite Fremdsprache und ein absolviertes Serviceseminar verfügen. Für den Titel Sterne-Guide Plus benötigt der Reiseführer mehrere IHK-Zertifikate, unter anderem etwa für Gruppen- und Eventreisen, Gästeführung und barrierefreies Reisen, sowie Kenntnisse in Gebärdensprache und eine Weiterbildung zum Betreuer für Jugend- und Sprachreisen. Es folgen eine schriftliche Online-prüfung und eine mündliche Prüfung, in der die Bewerber eine ausgearbeitete Beispieltour präsentieren und sich anschließend Fragen des RTGV-Prüfungsausschusses stellen müssen. Nach bestandener Prüfung erhält der Teilnehmer das Zertifikat und seinen internationalen Ausweis - das Ganze kostet 150 Euro.

"Schon seit mehr als 30 Jahren wird in der Branche über die fehlende Qualitätssicherung der Reiseleiter-Ausbildung diskutiert", sagt Nees, "diese Lücke haben wir jetzt geschlossen." Auch der Deutsche Tourismusverband (DTV), ein Zusammenschluss kommunaler, regionaler und landesweiter Tourismusorganisationen, sieht in der Sterne-Klassifizierung von Reiseleitern einen Fortschritt in Sachen Qualität. "Der heutige Urlauber ist reiseerfahrener und dadurch anspruchsvoller. Er lässt sich nicht gerne negativ überraschen", sagt DTV-Sprecherin Sarah Mempel. So informiere er sich vor dem Urlaub auch über das Hotel. In Zeiten von Tripadvisor und Holidaycheck spielen dabei subjektive Bewertungen eine immer wichtigere Rolle. Mempel zufolge sei aber die objektive Bewertung mit Sternen weiterhin unerlässlich. Die Übertragung der Sterne-Bewertung von Hotels auf Reiseleiter sei eine weitere Serviceleistung für den Gast.

Das Sterne-System ermögliche nicht nur, das Niveau von Reiseleitern international besser zu vergleichen und sie flexibler einzusetzen, sondern habe auch einen großen Vorteil für die Urlauber, sagt Nees. Besonders aus rechtlicher Sicht. "Wenn ich einen Drei-Sterne-Reiseführer gebucht, aber keinen Drei-Sterne-Reiseführer bekommen habe, kann ich das wie bei einem Hotel reiserechtlich einklagen." Die Unterschiede zwischen den einzelnen Sternen - die sich auch in den Tagessätzen der Reiseleiter widerspiegeln - werden in Kürze auf der Homepage des Verbandes einsehbar. Urlauber können somit selbst wählen, welche Qualifikation ihr Reiseleiter mitbringen soll.

Die Nachfrage nach der auch online für ausländische Guides erwerbbaren Zertifizierung sei schon jetzt groß. Ein Reiseverband in Tansania sowie eine Reiseleiteragentur in Vietnam hätten bereits Interesse gezeigt, so Nees.

Für Studiosus hingegen, Marktführer im Bereich Studienreisen, sind sterne-klassifizierte Reiseleiter nicht unbedingt erforderlich. "Für uns ist ein solches System nicht notwendig", sagt Frano Ilic, Sprecher von Studiosus. Der Studienreise-Veranstalter wählt seine Reiseleiter über ein mehrstufiges Bewerbungsverfahren aus und übernimmt dann deren Ausbildung. "Unser System zur Qualitätssicherung hat sich bewährt, wir sind sehr zufrieden damit und werden auch dabei bleiben."

Ganz neu ist das System der Sterne-Zertifizierung im Übrigen nicht. Vorbild für den RTGV war der Bundesverband der Gästeführer in Deutschland (BVGD), der seit 2008 an Gästeführer - im Gegensatz zu Reiseleitern sind sie auf eine bestimmte Region spezialisiert - Qualifizierungsausweise nach einem Drei-Sterne-System vergibt. Sie sind drei Jahre gültig. Weitere Reiseleiterzertifikate ohne Klassifizierung vergeben neben dem RTGV auch der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) gemeinsam mit der Hochschule Bremen.