Neulich in Pass fürs Grab

Kairo hat die Pyramiden und große Pläne, Luxor hat: den Karnak-Tempel, unzählige beeindruckende Gräber. Und, seit Kurzem, den Luxor-Pass. Nur: Wie kommt man an das Dokument? In einer Stadt, die jedes Ticket-Häuschen vor Touristen versteckt.

Von Monika Maier-Albang

Kairo hat die Pyramiden und große Pläne, Luxor hat: den Karnak-Tempel, unzählige beeindruckende Gräber der Noblen, der Königinnen und ihrer Männer. Und, seit kurzem, den Luxor-Pass. Er gilt fünf Tage lang, an denen der Besitzer in jedes Grab und jeden Tempel darf, mehrmals. Der Pass kostet inklusive der beiden außergewöhnlichen und aufwendig renovierten Königsgräber von Nefertari und Sethos I. stolze 160 Dollar. Allerdings gibt es allein in Theben-West so viel zu sehen, dass er sein Geld wert ist. Zudem spart man sich das mühsame Zusammenkaufen der Gräber-Tickets, die nach einem schwer ergründbaren System nur in Kombinationen zu haben sind. Eine tolle Neuerung also, nur: Wo bekommt man den Pass?

Beim Luxor-Museum, heißt es. Allerdings nicht im Museum, aha. Das machen sie gern hier in der alten Begräbnisstadt der Pharaonen: ihre Gäste die Ticket-Häuschen suchen lassen. Mal verdeckt ein Getränkeautomat das Hinweisschild. Mal sind die vergitterten Fenster, hinter denen ein Schalterbeamter sitzt, so unscheinbar, dass man denkt: Das kann unmöglich eine offizielle Verkaufsstelle sein. Im Tal der Könige, der Hauptattraktion Luxors, kämpfen schon die Guides so verbissen um den Zugang zu den zwei Ticket-Verkäufern, dass man sich einen Bodyguard wünscht.

Zum Luxor-Pass-Office geht's einen staubigen Sandweg entlang, fünf Mal winken hilfsbereite Leute die Ortsunkundigen immer weiter, am Ende ruft ein Mann: "Come to me!" Wirklich? Das Büro ist winzig, nur er, ein Kopierer, ein paar Stühle. Der Mann trägt alle Daten in eine Liste ein: Name, Wohnort, Passnummer. Einen Computer hat er nicht. An die Kopie des Ausweises wird zum Ticket ein Passfoto geheftet. Dann zählt er das Geld. Daraufhin zählt ein Kollege das Geld. Ein Stempel noch: Nun wird der Pass feierlich überreicht.

Das Dokument sieht so hochoffiziell aus, dass sich die Grabwächter bei seinem Anblick erheben. Sonst blicken sie in der Regel gelangweilt auf das Ticket. "Oh, Luxor-Pass!", sagt einer und führt die Besucher hinab ins Grab der Nefertari. Der Mann wird sofort als "Doktor" betitelt. Muss ja wohl auch sein, wer es schafft, sich im alten Ägypten zurechtzufinden.