Von Antje Weber

Während die meisten Peruaner sich kulinarisch auf das Nötigste beschränken müssen, haben internationale Gourmets die Feinschmeckerküche Limas entdeckt.

Der Nebel hängt grau und schwer über der Stadt, doch der Wind reicht aus: Etliche Gleitschirmflieger drehen an der Steilküste in Lima wilde Pirouetten. Daneben, im "Parque del Amor", küssen sich pflichtbewusst junge Paare vor einer Skulptur eng umschlungener Riesen, die ihnen über die Schultern schauen. Im nahen Einkaufszentrum Larcomar kaufen derweil Touristen Alpaca-Pullis und CDs ein oder lauschen bei einem Kaffee den Wellen, die unter ihnen auf die Steine am Strand klatschen.

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Ja, im gutbürgerlichen Stadtteil Miraflores lässt sich selbst eine Acht-Millionen-Stadt wie Lima unbeschwert genießen. Und das vielleicht Beste am Ende unserer zweimonatigen Reise wartet hier erst noch auf uns: die Spitzenküche von Lima.

Nicht dass sie nur in Lima sehr gut kochen würden: Ganz Peru scheint von einer Welle kulinarischer Experimentierlust erfasst zu sein. Alpaca-Fleisch, Quinua-Risotto ("Quinotto" genannt), das scharfe Gewürz Aji, eine Vielfalt von Kartoffeln und vor allem Meeresfrüchte, die im rohen Fischgericht "Ceviche" aufs Edelste zusammengebracht werden, sind die wichtigsten Zutaten.

Traditionelle Rezepte, versehen mit einer Prise französischer "Nouvelle cuisine" sowie süß-saurer asiatischer Küche und abgeschmeckt mit einer guten Portion peruanischen Talents: fertig ist die "novoandine" Küche, die auch bei internationalen Gastro-Kritikern immer mehr Beachtung findet.

"Innovando lo nuestro", das Unsere erneuern - das war auch das Motto des ambitionierten Restaurants "El mesón del Virrey", das wir einige Tage zuvor im frühlingshaft sonnigen Arequipa besuchten. Die Innovation sah dort allerdings so aus, dass neugierige Touristen sich im ersten Stock des Restaurants an "Ente in Maracuja-Sauce" wagten, während im Erdgeschoss die Einheimischen durchdringend nach oben duftende Pizza bestellten - auch in Peru sind Pizza, Hamburger und Grillhähnchen längst die stärkste Konkurrenz von Quinuasuppe und Ceviche.

Es ist eben leicht, in Lima lautstark eine "gastronomische Revolution" auszurufen, doch nicht ganz so leicht, sie anschließend überall im Land umzusetzen.

Lima als Hauptstadt der Koch-Avantgarde allerdings hat seit einigen Jahren einen so stabil guten Ruf, dass Gourmets aus Chile oder den Vereinigten Staaten bereits eigens zu Schlemmer-Wochenenden einfliegen. Hier sitzen junge, international geschulte Köche wie Gastón Acurio, der unermüdlich daran arbeitet, die peruanische Küche zu einer so angesagten Marke zu machen wie die italienische, mexikanische oder japanische.

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