Das Wien des Manfred Deix "Alles, was in Wien mit Kunst zu tun hat, stößt mich ab."

Über eine verlogene Kunstschickeria und die beste Leberknödelsuppe der Welt

Von Helmut Schödel

Wie sollte man sich denn Ihrer Geliebten nähern, Herr Deix?

Das Wien des Manfred Deix

Manfred Deix, Erotische Damenmode, 1995

(Foto: )

Trink an Kaffee! Wien ist die Stadt der Kaffeehäuser. Ich habe zehn Jahre lang dort versessen und mich nicht um meine Karriere gekümmert. Ich wollte einfach nicht zu Hause sein. Man hat sich mit Freunden getroffen, geredet und gelacht. Meine Leute sind inzwischen häuslich. Aber die Kaffeehäuser sind geblieben.

Welche Kaffeehäuser meinen Sie? Es gibt mindestens 90.

Das "Dobner" am Naschmarkt gibt es nicht mehr. Da traf man bis in die 60er Jahre Spieler, Schwarzhändler... Es war ein Anarchistencafé für Linke, wo die Maoisten die Trotzkisten mit Stühlen beworfen haben. Es gab auch einen Stammtisch für Taubstumme, die sich ebenfalls gestritten haben. Aber das war leise und durch die Zeichensprache gleichzeitig hochdramatisch.

Die Kaffeehäuser an den Marktplätzen sind sowieso die besten.

Zum Beispiel das "Drechsler", das es noch immer gibt. Liegt auch neben dem Naschmarkt an der Linken Wienzeile, und hat früh um vier Uhr schon geöffnet, weil dann die ersten Standlbesitzer kommen.

Tagsüber ist es auch eine Station für Leute, die in den Dependancen der Kunstakademie arbeiten.

Alles, was in Wien mit Kunst zu tun hat, stößt mich ab.

In den Lokalen in der Bäckerstraße im I.Bezirk, dem "Oswald&Kalb", dem "Neu Wien", wo auch das Kunstvolk verkehrt, kann man aber sehr gut essen!

Das ist die verlogene Kunstschickeria. Das schreibsd bitte. Die ist ohne menschliche Qualitäten. Ich will mit diesen wohlhabenden, verwöhnten Gesichtern nichts zu tun haben. Ich brauch keinen Künstler wie Hermann Nitsch am Nebentisch.

Und wo soll man dann sein Wiener Schnitzel essen?

Im "Birner" zum Beispiel. In Wien-Floridsdorf, an der "oberen alten Donau". Das ist ein Lokal! Das Essen wird über eine stark befahrene Straße auf riesigen Tabletts in den Gastgarten getragen. Um die Schnitzl wär's auch schad. Aber besonders um die Burschen. Die balancieren die Tabletts in Lebensgefahr über die Straße. Die Kellner haben, wie es sich gehört, ein grünes Gilet an, eine gefälschte Rolex-Uhr an der Hand und Goldkettchen um den Hals. Die Autos hupen, und die Kellner bleiben höflich. Echte Wiener Strizzis mit besten Manieren. Dort ist Wien echt, und das Essen ist wunderbar.

In den Außenbezirken.

Im "Schwarzen Adler" in der Schönbrunner Straße gibt es die beste Leberknödelsuppe der ganzen Welt.