Araber in Zell am See Am Golf von Österreich

Das schöne Zell am See gehört unter reichen Golfstaatlern zu den beliebtesten Reisezielen in Europa

(Foto: JR Photography - Fotolia)

Zell am See ist eines der beliebtesten Reiseziele für Menschen aus der arabischen Welt. Der Tourismusverband hat deshalb eine Benimmfibel für die Gäste produziert. Jetzt diskutiert der ganze Ort: gute Idee oder Rassismus?

Von Martin Zips

Es ist ein sehr großes Taxi, das Okan fährt. Mit Multimedia- und Klimaanlage, acht Sitzen und dunklen Scheiben. Vor dem kleinen Bahnhof des österreichischen Urlaubsortes Zell am See finden sich fast nur solche Taxis. Gleich neben dem Café "Istanbul" und dem Telefonladen, der in arabischer Schrift für was auch immer wirbt. Gegenüber: ein Restaurant, auf dessen Terrasse Männer neben schwarz verhüllten Frauen Wasserpfeife rauchen. "In ein paar Wochen ist Ramadan", sagt der in Österreich geborene Türke, "dann geht die Saison so richtig los."

Okan, 28, wird dann wieder arabische Touristen nach Wien fahren, nach München, Paris, Rom oder Salzburg. Zell am See gehört unter reichen Golfstaatlern zu den beliebtesten Reisezielen in Europa. Dass der Zeller Tourismusverband deshalb jetzt Benimmregeln an Gäste aus dieser Region verteilt, findet Okan gar nicht gut. Seinen vollen Namen möchte er auch nicht in der Zeitung lesen.

Die Informationsbroschüre "Where Cultures meet" erhält seit Anfang Mai jeder Araber beim Check-In im Hotel. "Österreichische Frauen können sich ihren Dress frei wählen, das wird sichtbar in bunten, modernen Kleidern", steht da beispielsweise auf Englisch und Arabisch. Schwarz hingegen, so wird erklärt, stehe für "Trauer". Und: "In unserer Kultur sind wir gewohnt, in das lachende Gesicht unseres Gegenübers zu schauen". Es folgen zahlreiche Hinweise, dass man in Österreich den Müll nicht auf die Straße werfen darf, im Hotel nicht am Boden essen soll, zerstörte Einrichtungsgegenstände ersetzt werden müssen und die Mittagsruhe von 11.30 bis 14.30 Uhr dauert. Man hat offenbar so seine Erfahrungen gemacht. Ganz wichtig: Nicht-angeschnallte Kinder im Auto können bis zu 5000 Euro Strafe kosten. "Diese Broschüre ist rassistisch", finden Taxifahrer wie Okan.

"Dieses Wasser, dieses Grün, diese Berge. Das ist Gott. Unser aller Gott."

"Die Broschüre ist Wischiwaschi", findet ein paar Meter weiter Hermann Mosshammer, der in dritter Generation ein Café in der 9500-Einwohner-Stadt führt. Die Stimme des sportlichen wirkenden 56-Jährigen schallt über den Kirchplatz: "Was wir für diese Gäste brauchen, das sind klare Verbote!" In den vergangenen zehn Jahren sei die Zahl arabischer Touristen um mehrere hundert Prozent gestiegen. Das vergraule viele andere. "Statt der Piefke-Saga ist das jetzt die Burka-Saga." Der Ort gerate aus dem Gleichgewicht. "Nach Ramadan siehst Du vor lauter verhüllten Frauen den See nicht mehr." Doch in der Broschüre stehe immer nur: "Könnten Sie nicht vielleicht. . .", "Tun Sie doch, bitte. . ." Das helfe niemandem. Mosshammer war mal in Oman. Da sei man nicht so tolerant.

"Für mich ist das hier das Paradies", sagt ein Tourist, der sich als saudischer Arzt vorstellt und gerade mit Frau (verhüllt) und Sohn (in Lederhose) aus dem Tretboot steigt. "Dieses Wasser, dieses Grün, diese Berge. Das ist Gott. Unser aller Gott." Kennt er die Benimmfibel? "Ja", sagt er, "für uns ist das eine sehr hilfreiche Information." Seine Frau sagt nichts. Sie verschwindet im Kristallschmuckladen.