Wahlkampftour von Obama Die Angst reist mit

Anhänger und Kollegen Barack Obamas fürchten um seine Sicherheit. Dabei erhält der schwarze US-Präsidentschaftskandidat inzwischen fast so viel Schutz wie ein amtierender Präsident.

Auf der Wahlkampftour von Barack Obama begleitet ihn stillschweigend die Angst vieler seiner Unterstützer: Wird er sicher sein? Wie die New York Times schreibt, haben viele Anhänger des demokratischen Präsidentschaftsbewerbers Angst, er könne einem Attentat zum Opfer fallen.

Barack Obama, afp

Mit steigender Größe der Wahlkampfveranstaltungen erhielt Obama auch immer mehr Personenschützer.

(Foto: Foto: AFP)

Denn Obamas Kandidatur, seine Rolle als Hoffnungsträger, weckt in vielen Menschen die Erinnerungen an die Geschehnisse vom Frühjahr 1968: In einem Zeitraum von nur zwei Monaten fielen hier der schwarze Prediger Martin Luther King und Senator Robert F. Kennedy Attentaten zum Opfer

Obama war damals sechs Jahre alt und habe - wie viele seiner Bewunderer - über die Gewalt nur gelesen, die damals die Nation traumatisierte. Doch die älteren Wähler könnten sich gut daran erinnern, schreibt die New York Times.

Der Senator selbst soll sich der Zeitung zufolge gelassen zeigen, was die Frage seiner Sicherheit angeht: "Ich habe den besten Schutz in der Welt", habe Obama in einem Interview gesagt. Seinen Anhängern riet er: "Hört auf, euch zu sorgen."

Schutz nur zögerlich zugestimmt

Obama soll bereits seit Mai 2007 vom Secret Service beschützt werden - das sei der früheste Zeitpunkt, zu dem jemals ein reiner Anwärter auf die Präsidentschaft staatlichen Schutz erhalten habe. Der schwarze Senator habe den Maßnahmen jedoch nur zögerlich auf Drängen mehrerer demokratischer Politiker zugestimmt.

Mit steigender Größe seiner Wahlkampfveranstaltungen sei auch die Zahl seiner Personenschützer angestiegen, schreibt die New York Times. Inzwischen werde Obama von fast so vielen Sicherheitsleuten beschützt wie ein amtierender Präsident.

Mit seiner Familie soll Obama die Frage der Sicherheit bereits diskutiert haben, bevor er sich entschloss, sich um die Präsidentschaft zu bewerben. Inzwischen erwähne er das Thema Gefahr eher selten, selbst unter Freunden und Beratern.

Er denke nicht jeden Tag darüber nach, sagte Obama der Zeitung zufolge. "Ich habe mich entschlossen, in dieses Rennen zu gehen. Ich denke, jeder, der sich entscheidet, sich um die Präsidentschaft zu bewerben, ist sich bewusst, dass damit bestimmte Risiken verbunden sind, so wie mit allen Dingen Risiken verbunden sind."

Bedenken einiger seiner Berater, manche der schwarzen Wähler Obamas könnten ihn gerade deshalb nicht wählen, um ihn zu schützen, sind durch die Erfolge des Senators zerstreut worden. Doch die Ängste um seine Sicherheit bleiben bestehen.

Obwohl Obama bereits Schutz erhielt, äußerte Bennie Thompson, ein demokratischer Abgeordneter aus Mississippi, laut New York Times in einem Brief an die Leitung des Secret Service im Januar denn auch nochmals starke Bedenken. Das nationale und internationale Profil Obamas stelle eine besondere Herausforderung dar, schrieb Thompson.

"King nicht unter Secret-Service-Schutz"

Als Afroamerikaner wisse er persönlich, "dass der Hass von manchen unserer Mitbürger zu enorm grausamen Taten führen" könne. Obamas Kandidatur sei so einzigartig und wichtig, dass er die Möglichkeit bekommen müsse, sie zu erfüllen.

Angesprochen auf die Attentate in den sechziger Jahren, zeigte sich Obama zuversichtlich. "Ich bin ziemlich vertraut mit der Geschichte", sagte Obama. "Ganz offensichtlich gab es ein unglaubliches nationales Trauma, doch weder Bobby Kennedy noch Martin Luther King standen unter dem Schutz des Secret Service."

Tatsächlich veranlasste erst die Ermordung Senator Kennedys den Kongress dazu, den Schutz von Präsidentschaftskandidaten und deren Vizekandidaten einzuführen. Als ehemalige First Lady habe Hillary Clinton schon zu Beginn ihrer Kampagne unter dem Schutz des Secret Service gestanden. Keiner der anderen Kandidaten hatte bereits während der Primary-Kampagnen staatlichen Schutz.

Wer derzeit mehr Schutz erhält - Clinton oder Obama - gebe der Secret Service nicht bekannt, schreibt die New York Times. Denn er diskutiere Details seiner Maßnahmen nicht öffentlich.

Auftritt in Dallas

"Manche Kandidaten sind größere Ziele als andere - jeder Kandidat, der einen Übergang oder einen Wechsel verkörpert, hat ein höheres Risiko", sagte der frühere demokratische Senator Gary Hart, der selber in den achtziger Jahren Schutz erhielt. Barack Obama verkörpere so viel "Hoffnung und Wechsel" - und das ängstige. "Denn das ist genau das, was in den 1960er Jahren von uns genommen wurde."

Erinnerungen wurden auch wach, als Obama vergangene Woche nach Dallas reiste. Mit seiner Autokolonne fuhr der Senator auch an dem Ort vorbei, an dem 1963 der tödliche Schuss auf Präsident Kennedy abgegeben wurde. Eine Tatsache, die den Mitarbeitern des Wahlkampfstabes und auch vielen der Anhänger Obamas in Dallas stark bewusst gewesen sein soll.

Nur Obama selbst will gar nicht realisiert haben, an welch historisch bedeutendem Ort er vorüberfuhr. "Ich muss zugeben, darüber habe ich gar nicht nachgedacht", sagte er der New York Times zufolge. "Ich dachte darüber nach, wie ich einen kühlen Kopf bekomme und dass ich vor meinem Wahlkampfauftritt auf alle Fälle noch meine Nase putzen muss."