Wahl in Bremen: "Bürger in Wut" Die Gefahr der Ein-Mann-Partei

Wie einst sein Lehrmeister Schill punktete Timke vor allem mit dem Thema Ausländer und Ausländerkriminalität. Der gelernte Polizist beklagte immer wieder, dass die Bremer Behörden zu lax gegen die Machenschaften eines kurdischen Großklans und des jüngst verbotenen Motorradclubs Mongols vorgingen. Ein Kriminalbeamter stemmt sich gegen Kriminelle - das kam bei vielen Bremern an, gerade in Bremerhaven, wo die Arbeitslosigkeit bei knapp 20 Prozent liegt.

In der vom Strukturwandel seit Jahrzehnten gebeutelten Hafen- und Werftstadt ist das Protestpotential seit langem groß. Mehrere Male konnte hier die rechtsextreme DVU viele Stimmen sammeln und ins Parlament einziehen, auch bei dieser Bürgerschaftswahl machte sich die NPD Hoffnungen, genug Frustrierte auf ihre Seite zu ziehen und einen Überraschungscoup zu landen.

Dass dies nicht gelungen sei, liegt auch an den Wutbürgern, glaubt Parteienforscher Probst, der einen "Aufsaugeeffekt" diagnostiziert: Timke habe den Neonazis die Tour vermasselt, indem er sich erfolgreich als "Geert Wilders von Bremen" stilisiert habe und so das Protestpotential abschöpfen konnte. Rechte Protestwähler haben einen vermeintlichen Anwalt in ihrer Sache gefunden - so wie viele Hartz-IV-Empfänger in der Linken.

Probst sieht Timke "im noch-demokratischen Rahmen" und die BIW nicht als "Anti-System-Gruppierung" wie die NPD. An eine lange Lebensdauer der Partei glaubt der Bremer Professor trotzdem nicht, dazu ist die Personaldecke einfach zu dünn: "Ich glaube nicht, dass da noch viele drumherum sind", sagt er. Auf der Homepage, im Info-Material: Fast überall taucht nur Timke auf. Womöglich geht es den Wutbürgern, wie der Ein-Mann-Partei des Ronald Schill: Nach seinem Abgang verschwand sie in der Bedeutungslosigkeit.