Vorauseilende Satire Die allererste Hochrechnung

Es gibt manche Dinge, die darf eben nur die Berliner taz. Zum Beispiel die Zeitung vom Montag bereits am Samstag erscheinen lassen.

Von Von Martin Zips

"Stoiber erringt klaren Sieg", konnten wir auf der Titelseite lesen. Darunter reckte der Ministerpräsident brav die Däumchen hoch. Das war genau einen Tag vor der Landtagswahl im Freistaat.

Titelseite der "tageszeitung"

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Auch den Kommentar hatte die tageszeitung schon am Samstag parat: "Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik verfügt eine Partei, Stoibers CSU, jetzt über eine Zweidrittelmehrheit der Sitze in einem Landesparlament. So weit, so furchterregend". Daneben gab es allererste Hochrechnungstabellen. CSU: 59 Prozent, SPD: 20 Prozent, Grüne: 8 Prozent, FDP: 4 Prozent, Wahlbeteiligung: 67 Prozent.

"Dies ist vor allem eine Niederlage für Gerhard Schröder", ließen die Witzbolde von der taz Angela Merkel erklären. Und Franz Maget schloss seinen Rücktritt nicht aus.

Schon in der taz vom Samstag sah Guido Westerwelle seine Bundes-FDP vom schlechten Abschneiden der Bayern-FDP überhaupt nicht tangiert. Und Reinhard Bütikofer konstatierte - na klar - wie sehr die bayerischen Grünen "als dritte Kraft" schon etabliert seien.

Dazu gab es beeindruckend frische Ergebnisse vom sechsten Spieltag der Bundesliga. "Nach der in dieser Höhe doch überraschenden 0:12-Niederlage der Münchner Bayern am Samstag gegen Bayer Leverkusen hat die Sorge um Oliver Kahns ,rätselhafte Augenkrankheit' (Bild) zugenommen", so die tageszeitung.

Selbst die Ergebnisse des Samstaglottos fehlten nicht. Nur auf eine Vorab-TV-Kritik von Sabine Christiansen wurde verzichtet. Schade eigentlich.

Bei ihrem Lotto-Tipp landeten die taz-ler nur einen Treffer. Das Spiel zwischen Bayer und Bayern ging in Wirklichkeit 3:3 aus. Die übrigen Mosaik-Steinchen aber wurden ganz ähnlich gesetzt, wie man es vorhergesagt hat.

Das alles ist sehr lustig. Und ein bisschen traurig zugleich. Für die tageszeitung ist es ein schöner Scoop.