Mit Rücksicht auf die türkische Gemeinde verlegt die ARD den Ludwigshafener "Tatort", der im deutsch-türkischen Milieu spielt. Dies hatte Ministerpräsident Beck empfohlen - zum Verdruss des Senders.
Zu den dankbaren Aufgaben des Programmdirektors der ARD gehören beispielsweise Preisverleihungen. Die der Goldenen Kamera muss Günter Struve am Mittwochabend in Berlin schon deshalb am Herzen gelegen haben, weil er Donnerstagnachmittag bereits wieder von seinem Standort München aus mit dem Jet nach Kalifornien übersetzte - aus privaten Gründen allerdings.
In dem "Tatort" sollte Ulrike Folkerts (r.) als Lena Odenthal einen Mord an einem Deutschtürken aufklären. (© Foto: AP)
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Donnerstagvormittag hatte Struve dann noch kurzfristig eine andere, eine undankbare Aufgaben zu bewältigen: den für Sonntag geplanten Ludwigshafener Tatort mit der Schauspielerin Ulrike Folkerts als Kommissarin Lena Odenthal aus dem Programm nehmen.
Kurt Beck, der rheinland-pfälzische Ministerpräsident, hatte dem Südwestrundfunk (SWR) empfohlen - in dessen Auftrag dieser Tatort mit dem Titel "Schatten der Angst" hergestellt wurde -, auf die Ausstrahlung zu verzichten.
In der Fiktion des Krimis wird ein Deutschtürke ermordet, die Ermittlungen Odenthals konzentrieren sich auf eine türkische Familie. Die trauernde Frau des Toten war zwangsverheiratet worden. Das alles spielt in Ludwigshafen und war SPD-Chef-Beck zu nahe an der Realität.
Am vergangenen Sonntag starben in Ludwigshafen neun Menschen bei einem Mietshausbrand. Alle Opfer stammen aus der Türkei. Noch immer wird die Ursache des Feuers ermittelt. Bisher hat die Polizei keine Erkenntnisse darüber, ob es sich um Brandstiftung handelt. Weil schon einmal auf dasselbe Mietshaus ein Brandanschlag verübt wurde, ist die türkische Gemeinde Ludwigshafens erregt. Der Fall macht in der Türkei Schlagzeilen.
Am Donnerstag besuchte auch deshalb der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan auf dem Weg zur Münchner Sicherheitskonferenz Ludwigshafen. Beck schien es in dieser Situation angemessen, der öffentlich-rechtlichen ARD Ratschläge zu erteilen. Als Programmchef Struve im Flugzeug nach San Francisco saß, vermeldete der SWR die Verschiebung des Tatortes auf den 6. April.
Seit Bekanntwerden der Brandkatastrophe, teilte SWR-Intendant Peter Boudgoust mit, habe man eine Verlegung diskutiert. Zuletzt offenbar Mittwochabend im persönlichen Gespräch zwischen ihm und Struve am Rande der Goldenen Kamera in Berlin. Das Verhalten Becks, seine Kommunikation über die Medien in dieser Angelegenheit, soll ARD-intern kritisiert worden sei. SWR-Manager Boudgoust sagt: "Wir sind uns unserer eigenen Verantwortung bewusst und brauchen in Sachen Pietät keine Nachhilfe von der Politik.''
Ein persönlicher Brief Becks lag bis Donnerstagnachmittag nicht vor, telefonisch meldete sich beim SWR Becks Staatskanzleichef Martin Stadelmeier - zu einem Zeitpunkt, da die Entscheidung zwischen Struve und Boudgoust wohl längst getroffen war. Die Linkspartei und das Soziale Netzwerk Deutschland hatten vorher schriftlich einen anderen Sendetermin gefordert.
"Türken und Deutsche weit über Ludwigshafen hinaus nehmen (...) Anteil am Schicksal der Opfer'', schreibt Boudgoust. "In dieser Situation hätte die Gefahr bestanden, dass eine herausragende Tatort-Produktion völlig falsch verstanden wird." Zwar handele es sich um eine spannende Liebesgeschichte, die im deutsch-türkischen Milieu spiele, aber sie habe mit der aktuellen Diskussion um den Großbrand in Ludwigshafen nichts zu tun. Trotzdem sei nun nicht der richtige Zeitpunkt, den Film zu zeigen.
Stattdessen wird Sonntag die Odenthal-Folge "Roter Tod"gezeigt - 2007 der erfolgreichste Tatort. Es geht darin um Aids.
(SZ vom 8.2.2007/beu)
Debatte über Militäreinsatz in Syrien
bekommt eine neue Facette.
Mit "Idomeneo" begann es und jetzt ist ein B-Krimii an der Reihe.
Was steht als Nächstes an??
ein armseliges Land.
Wer keine Probleme hat, erfindet sich täglich neue, die ohne lautes Posaunen kein Mensch bemerkt hätte. Außer natürlich diejenigen, die mit freundlich-naiver Unterstützung einer demonstrativ auf Vorrat dauerbetroffenen Bevölkerung Kapital in Form von Einfluß auf die inneren Angelegenheiten eines anderen Landes gewinnen. So ein durchschaubares Kasperltheater würde es nirgends auf der Welt sonst geben.
Mein Gott, sind wir dämlich.
OK, das war allgemein, ob irgendein Film in der Kiste läuft, interessiert mich an sich nicht die Bohne, es ist einfach nur ein bezeichnendes Beispiel.
die Absetzung des TATORTes ist staatstragende Selbstzensur und journalistische Feigheit. Gerade die Unabhängigkeit ist doch die Begründung für das mit Zwangsgebühren finanzierte öffentlich-rechtliche Fernsehen. Absurd auch, dass der SWR-Intendant noch ausdrücklich darauf hinweist, dass die Handlung ja nichts mit dem Brand in Ludwigshafen zu tun hat. Noch unerträglicher ist diese Feigheit angesichts der unflätigen Beschimpfungen (Nazi-Anspielungen wegen Brand in Ludwigshafen) in der türkischen Boulevardpresse.
Das Kuschen vor Ministerpräsident Beck zeigt wieder einmal, wie abhängig die ARD-Anstalten von Berufspolitiikern sind.
Vermutlich dürfen die mündigen ARD-Zuseher in Zukunft auch nichts mehr über den türkischen Völkermord an den Armeniern 1915 erfahren.
So schrecklich die Brandkatastrophe auch ist - wieder einmal obsiegt politische Korrektheit vor Ursachenforschung. In der Bundesrepublik hat sich inzwischen ein rot-grünes "Gutmenschentum" breit gemacht, dass für Normalbürger zunehmend unerträglich wird. Der Auftritt des türkischen Ministerpräsidenten in Ludwigshafen mag moderat gewesen sein - aber trotzdem nicht weniger anmaßend. Die Türkei ist Gott sei Dank keine Schutzmacht ihrer Landsleute in Deutschland. Wer zudem noch den Auftritt des Politikers in der Kölner Sportarena bedenkt, wird noch ärgerlicher. In der ganzen Stadt werben Plakate ausschließich in türkischer Sprache für den Besuch der Veranstaltung. Kann sich jemand den Auftritt des Augsburge Bischofs Walter Mixa in einer großen Halle in Ankara vorstellen und viele Plakate in deutscher Sprache würden dafür werben....Das bleibt leider ein Wunschtraum. So lange sollten wir aber auch die Rücksichtnahme auf Migranten und -innen (welche unsägliche sprachliche Verrenkung der Gutmenschen) im Rahmen des vertretbaqren halten. Für vorauseilenden Gehorsam igibt es keinen Anlass.
sendet die ARD eine Wissenschaftssendung über das Ohmsche Gesetz und seine Gültigkeit auch für Migranten und für alternative Stromnutzung